Wiesbadener Hauptbahnhof: Gibt es ein Problem mit den Obdachlosen?

Besonders in der aktuellen Jahreszeit suchen viele wohnungslose Menschen Unterschlupf vor Regen und Kälte. In Wiesbaden sind dies offenbar häufig auch ÖPNV-Haltestellen. Doch wie kann den Obdachlosen dauerhaft geholfen werden?

Wiesbadener Hauptbahnhof: Gibt es ein  Problem mit den Obdachlosen?

Bahnhöfe sind das Tor zur Stadt, heißt es. In Wiesbaden sieht es demnach offenbar so aus, als würden sich viele wohnungslose Menschen notgedrungen vor diesem Tor aufhalten. So ist Leser Hermann in letzter Zeit verstärkt aufgefallen, dass sich anscheinend einige wohnungslose Menschen immer häufiger an den dortigen ÖPNV-Haltestellen niederlassen, um in diesen zu schlafen oder etwas Schutz vor Nässe und Kälte zu finden. Hermann befällt dabei ein leichtes Unbehagen, wenn er diese Situation beobachtet. Doch wie kann diesen Menschen geholfen werden?

Stadt hat „Arbeitsgruppe“ eingerichtet

Um die schwierige Situation auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs weiß auch die ESWE-Verkehr. „Unsere Gedanken sind bei all den Menschen, deren offenbar einzige Möglichkeit es ist, Tage und die immer kälter werdenden Nächte im Schutze von Bushaltestellen zu verbringen“, sagt Unternehmenssprecher Micha Spannaus gegenüber Merkurist. Entscheidend helfen kann ESWE jedoch nicht. Auch wenn es naheliegend erscheint, aber ESWE-Verkehr sei nicht Besitzer von Bushaltestellen. Haltestellen seien öffentlicher Raum und ESWE habe dort, anders als beispielsweise die Deutsche Bahn innerhalb des Hauptbahnhofs, keine Befugnisse, so Spannaus. „Es ist daher Sache der städtischen Sozialarbeit, der entsprechenden Organisationen, und letztlich aller Bürger, sich den Menschen in Not anzunehmen.“

Doch wie geht nun die Stadt Wiesbaden vor, um diesen Obdachlosen zu helfen? „Es gibt beim Sozialleistungs- und Jobcenter eine Arbeitsgruppe „#wohin“, die sich mit dem Thema Obdachlose befasst, erklärt das Sozialdezernat auf Anfrage. Im Falle der Wohnungslosen lägen jedoch keine Informationen zu konkreten Personen vor. Wie das Wiesbadener Ordnungsamt gegenüber Merkurist angibt, habe die Stadtpolizei in diesem Jahr bereits 374 Kontrollen am Bahnhof durchgeführt und dabei 67 Personen weggeschickt. „Allein ordnungsrechtlich lässt sich das Problem der Obdachlosen weder am Bahnhof noch im Rest der Stadt lösen“, so das Amt. Daher sei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Ämter und Institutionen in der Arbeitsgruppe „#wohin“ so wichtig.

„Little Homes“ die Lösung?

Möglicherweise gibt es nun etwas Hoffnung für die Obdachlosen am Wiesbadener Hauptbahnhof. Kürzlich wurden nämlich am Marktplatz fünf Wohnboxen, sogenannte Little Homes, für Wohnungslose gebaut. Die Häuschen werden obdachlosen Menschen vom Verein Little Home als erster Schritt zurück in die Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Mit an Bord ist auch die „Commerz Real“, die zur Commerzbank-Gruppe gehört. Wie deren Vorstandsvorsitzender Henning Koch sagt, wolle man damit Menschen ohne festen Wohnsitz auf dem Weg zurück in ein geregeltes Leben unterstützen.

Etwas mehr als drei Quadratmeter sind die Wohnboxen groß. Eine Matratze, Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Set, Waschbecken und Campingtoilette sind inklusive. Wie der Erfinder der Little Homes, Sven Lüdecke, der Frankfurter Rundschau sagt, sollten die Wohnboxen kein Zuhause für lange Zeit sein. Im Winter müsse man darin aber jedenfalls nicht frieren. Die Boxen seien mit Styroporplatten isoliert, weshalb es sogar bei Minusgraden noch 15 Grad im Innern habe.

Inwieweit diese „Little Homes“ momentan schon von den Obdachlosen genutzt werden, ist unklar. Auf Anfrage hat sich die Stadt Wiesbaden bisher nicht geäußert. Wer sich gerade jetzt selbst aktiv einbringen und obdachlose Menschen in Wiesbaden unterstützen möchte, der kann dies zum Beispiel bei der „(privaten) Obdachlosen-Hilfe Wiesbaden“ machen. Laut eigenen Angaben liegt der Schwerpunkt der Gruppe auf der Zeit der Winterversorgung, um einem Kältetod von Obdachlosen vorzubeugen.

Logo