Ist die Wiesbadener Innenstadt noch attraktiv genug?

Muss die Wiesbadener Innenstadt etwa wiederbelebt werden? Viele Leser halten den Standort jedenfalls für „tot“ und den Branchenmix vor Ort wenig überzeugend. Auch die Fußgängerzone sei nicht ansprechend. Doch die Stadt kontert die Kritik.

Ist die Wiesbadener Innenstadt noch attraktiv genug?

Noch im Dezember 2021 standen an die 50 Läden in der Wiesbadener Innenstadt leer (wir berichteten). Wie der persönliche Referent des Bürgermeisters Christian Stettler im Januar gegenüber Merkurist erklärte, hätte die Pandemie den Trend hin zum Onlinegeschäft grundsätzlich gestärkt, was den stationären Einzelhandel belaste. Die Stadt wollte deshalb unter anderem mit dem „Masterplan Innenstadt“ gegensteuern. Doch hat sich seitdem etwas getan? Leser Michael jedenfalls sieht weiterhin ein „Geschäftesterben in der Innenstadt“. Zudem empfindet er die Stadt unattraktiv und bekommt auch von anderen Lesern recht:

Und ein anderer Leser meint: „Keine ‘gute’ Auswahl an Geschäften mehr, gibt ja ‘bald’ nur noch ‘Optiker und Barber Shops’, Publikum unter aller Kanone. Wer soll sich sowas bitte noch antun!?“

Stadt optimistisch

Bei der Stadt Wiesbaden sieht man die aktuelle Situation jedoch nicht so pessimistisch: „Gibt es viel Leerstand? Nein, tatsächlich trügt das Gefühl“, sagt Stadtsprecher Ralf Munser auf Merkurist-Anfrage. Ende Mai hätte es 48 Leerstände gegeben. „Diese Zahl ist sehr niedrig, im Jahr 2021 waren es um die 60 Leerstände.“ Hinzu komme, dass Leerstand nicht gleich Leerstand sei – viele Geschäfte würden gerade umgebaut, weil sie schon wieder vermietet seien. „Wie attraktiv nun der Branchen-Mix ist, liegt sehr im Auge des Betrachters.“ Faktisch könne die Stadt Wiesbaden gar keinen Einfluss darauf nehmen, denn grundsätzlich herrsche in Deutschland Gewerbefreiheit.

Auch bei der Gestaltung der Fußgängerzone ist die Stadt optimistisch. „Uns sind keine nennenswerten Beschwerden im Hinblick auf die Gestaltung der Fußgängerzone bekannt“, sagt der Stadtsprecher. So sei bei diesem Thema der „Masterplan Innenstadt“ aktiv. Eines der Ziele dabei sei es, die Innenstadt attraktiver zu gestalten. „Kürzlich wurden zwei temporäre ‘Grüne Zimmer’ in der Langgasse und der Kirchgasse aufgestellt, die für mehr grün und Sitzmöglichkeiten sorgen.“

Gerade sei man jedenfalls dabei, die in den Jahren 2004 bis 2014 vollständige neugestaltete Fußgängerzone zu renovieren. Zudem werde geprüft, ob weitere Sitzmöglichkeiten, innenstadttaugliche Spielgeräte und Grünflächen möglich seien. „Das langfristige Konzept besteht darin, die hohen Investitionen der Neugestaltung nachhaltig zu pflegen und zu ergänzen, soweit das erforderlich ist.“

Beim Thema Parkgebühren gibt sich die Stadt Wiesbaden entspannt, kündigt aber konkrete Maßnahmen an. Wie Stadtsprecher Munser sagt, sei jedoch zunächst einmal festzustellen, dass bei Weitem nicht alle Besucher der Innenstadt mit dem Auto anreisen. Erhebungen hätten ergeben, dass mehr Menschen mit Bus, Rad oder zu Fuß die Innenstadt besuchen als mit dem Auto. Doch generell habe die Stadt Wiesbaden keinen Einfluss auf die Preisgestaltung der meisten Parkhäuser, da diese an private Unternehmen verpachtet sind.

Es sei jedoch erklärtes Ziel der Stadt, Pachtverträge mit privaten Parkhausbetreibern nicht mehr zu verlängern, um künftig selbst Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen zu können. Vergleichsweise sehr günstige und zentrale Parkhäuser seien das City II oder das in der Mauritiusgalerie. Dort gebe es mit Preisen von 1,50 beziehungsweise 1,80 Euro pro Stunde deutlich preiswertere Tarife als beispielsweise in den Parkhäuser Coulinstraße oder Markt, so Stadtsprecher Munser. Die mit Parkautomaten bewirtschafteten Parkplätze im öffentlichen Straßenraum seien hingegen für das Kurzzeitparken vorgesehen. Deshalb sei hier auch eine niedrige Taktung (10 Minuten) möglich.

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