Gibt es in Wiesbaden noch „Schwarzfahrer“?

Wenn bei Kontrollen in Bus und Bahn Fahrgäste ohne gültiges Ticket erwischt werden, dann spricht man in diesem Zusammenhang oft von „Schwarzfahrern“. Inzwischen ist der Begriff aber verpönt. Wie reagieren offizielle Stellen in Wiesbaden?

Gibt es in Wiesbaden noch „Schwarzfahrer“?

Weil er mittlerweile als rassistisch eingestuft wird, streichen immer mehr Verkehrsverbünde den Begriff „Schwarzfahrer“. Auch wenn das Wort keinen rassistischen Ursprung hat, wollen Verkehrsgesellschaften und andere Institutionen mit der Abschaffung des Begriffs verhindern, in den Fokus von Diskussionen zu gelangen. Denn für viele schwarze Menschen ist der Begriff negativ behaftet. Wie die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) bereits im letzten Jahr erklärte, werde damit assoziiert, dass Schwarzes für etwas Negatives steht. Auch wenn der Begriff nicht rassistisch angelegt gewesen sei, sei trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass schwarz etwa für Kriminalität oder Illegalität steht.

Wo der Begriff „Schwarzfahrer“ herkommt

Wenn man früher von „Schwarzfahrer“ sprach, meinte man damit einen Fahrgast, der kein Ticket gelöst und sich somit die Leistung des Verkehrsunternehmens erschlichen hat. Eine Verbindung zur Hautfarbe schwarzer Menschen bestand nicht. Wie die Sprachwissenschaftlerin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Dr. Neele Becker, sagt, habe der Begriff „Schwarzfahrer“ mit dem Farbadjektiv „schwarz“ nichts zu tun.

Vielmehr liege der Ursprung im Rotwelschen des 18. Jahrhunderts, in dem der Begriff „Tobacksschwarzer“, was soviel wie Tabakschmuggler heißt, belegt ist. „Mit ‘schwarzen’ oder ‘schwerzen’ ist gemeint, etwas bei Nacht zu tun“. Und so hätten sich neue Begriffe gebildet, wie eben Schwarzfahrer, Schwarzarbeit oder Schwarzgeld, wobei „schwarz“ hier der Bedeutung heimlich oder illegal entspricht, erklärt Becker und verweist dabei auf das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache.

Begriff noch nicht ganz verschwunden

Doch wie sieht es nun beispielsweise bei ESWE Verkehr aus, verwendet man hier noch den Begriff „Schwarzfahrer“? Dazu sagt Sprecher Micha Spannaus: „ Die Verwendung dieses Ausdrucks wird absolut zurecht in Frage gestellt. In allen offiziellen Dokumenten, wie beispielsweise unseren Beförderungsbedingungen, wurde und wird dieser Ausdruck nicht verwendet. Unsere Kollegen in der Fahrausweisprüfung sind ebenfalls aufgefordert, den Begriff nicht zu gebrauchen.“

Jedoch sei der Ausdruck in einem Beitrag auf der ESWE Verkehr-Webseite leider noch in Verwendung gewesen, so Spannaus. „Wir haben das Wort an dieser Stelle entfernt.“ Darüber hinaus sei es möglich, dass es an wenigen anderen Stellen – zum Beispiel in einzelnen Bussen – noch veraltete Aufkleber gibt, auf denen der Begriff verwendet wird. „Wir sind jedoch bereits dabei, diese Aufkleber auszutauschen“, erklärt Sprecher Spannaus. Bei den Kollegen von der Mainzer Mobilität spielt der „Schwarzfahrer“ dagegen überhaupt keine Rolle. Wie Sprecher Michael Theurer auf Anfrage erklärt, verwende man den Begriff nicht. „Wir sprechen von erhöhtem Beförderungsentgelt oder Fahren ohne gültigen Fahrschein.“

Und wie sieht es bei der Wiesbadener Polizei aus? Hier wurde beispielsweise im Dezember 2021 über einen aggressiven „Schwarzfahrer“ in der Biebricher Allee berichtet. Auf Anfrage von Merkurist erklärt die Sprecherin des Polizeipräsidiums Westhessen, Andrea Götz, dazu: „Die Begrifflichkeiten wurden bisher teilweise in Pressemeldungen des Polizeipräsidiums Westhessen verwendet.“ Die gesellschaftliche Debatte um als diskriminierend empfundene Begriffe sei der hessischen Polizei bekannt. Zudem sei es dem Polizeipräsidium Westhessen – wie der gesamten hessischen Polizei – sehr wichtig, Sprache achtsam und respektvoll einzusetzen, so Götz. Daher prüfe die hessische Polizei fortlaufend, ob Anpassungen in der Wortwahl notwendig sind. Eine Untersuchung oder gar Abänderung bestimmter Begrifflichkeiten in bereits veröffentlichten Pressemitteilungen finde bei der hessischen Polizei jedoch nicht statt.

Anmerkung der Redaktion: Auch Merkurist hat in einem Artikel im vergangenen Jahr den Begriff „Schwarzfahrer“ gebraucht. Auch wir selbst wollen hier in Zukunft sensibler mit Sprache umgehen.

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