Bietet der Wiesbadener Hauptbahnhof zu wenige Reisemöglichkeiten?

Mit S-Bahnen und Regionalzügen kommen Fahrgäste von Wiesbaden aus fast rund um die Uhr nach Frankfurt. Doch wer in die Ferne reisen will, muss häufig mit Umstiegen rechnen. Die Merkurist-Leser bewerten das Angebot deshalb unterschiedlich.

Bietet der Wiesbadener Hauptbahnhof zu wenige Reisemöglichkeiten?

Bis zu 256 mal am Tag hält am Wiesbadener Hauptbahnhof ein Zug. Besonders zum Berufsverkehr drängen sich dann tausende Pendler in die Bahnen, die sie zu und von ihren Arbeitsplätzen in Richtung Mainz oder Frankfurt bringen. Aber auch für Ausflüge oder zum Ausgehen nutzen die Wiesbadener die insgesamt 115 Regionalzüge und die 128 S-Bahnen, die am Hauptbahnhof Halt machen.

Wer in die Ferne reisen will, hat es von Wiesbaden aus hingegen schwer. Nur 13 der täglichen Züge sind ICEs. Sie bringen die Fahrgäste unter anderem nach Dresden, Erfurt, Köln, Leipzig, München oder Stuttgart. Merkurist-Leser Kevin findet das für eine Landeshauptstadt zu wenig. Mit einem Snip hat er eine Diskussion ausgelöst, die zeigt: Die Wiesbadener bewerten die Reisemöglichkeiten ganz unterschiedlich.

Mit seinem Fahrplan schafft es der Wiesbadener Hauptbahnhof unter die 85 deutschen Stationen, die als „Bahnhof der Kategorie 2 von 10“ eingestuft werden. Nur 21 Bahnhöfe in ganz Deutschland gelten als noch weiter ausgebaut - etwa in Bezug auf die Anzahl der Gleise, Serviceangebote vor Ort und Dichte des Fahrplans. Darunter auch der Frankfurter Hauptbahnhof.

Wichtiger Knotenpunkt für die Region

Die Bahn betrachtet dabei in Wiesbaden nicht nur den einzelnen Standort. Vielmehr ordnet das Unternehmen die Station in die Rhein-Main-Region ein und sieht Wiesbaden als wichtiges Drehkreuz. „Eine Vielzahl von Verbindungen zu den Verkehrsknotenpunkten Frankfurt Hauptbahnhof, Frankfurt Flughafen und Mainz Hauptbahnhof ermöglichen Kunden durch einmaliges Umsteigen die Reise zu Zielen des nahezu gesamten nationalen Streckennetzes sowie zu Zielen im europäischen Ausland“, erklärt ein Sprecher der Bahn die Strategie der Planer. und nennt als Beispiele Amsterdam, Brüssel, Paris, Zürich und Wien.

Merkurist-Leser Paul fragt in diesem Zusammenhang, nach der Bedeutung des Aufbaus des Wiesbadener Hauptbahnhofs. Anders als bei der Station in Mainz handelt es sich bei Wiesbaden nämlich um einen sogenannten „Kopfbahnhof“. Alle zehn Gleise enden dadurch direkt nebeneinander, für viele Züge bedeutet ein Halt in Wiesbaden deshalb Startpunkt oder Endstation.

Besondere Bauweise

Laut Bahnsprecher bergen diese Bahnhöfe zwar Vorteile für Reisende, weil sie jedes Gleis ohne Treppe oder Aufzug erreichen, doch tatsächlich wirke sich der Aufbau auch auf die Verbindungsmöglichkeiten aus. „Ein Kopfbahnhof benötigt für die gleiche Anzahl von Zugbewegungen mehr Gleise und damit eine größere Grundfläche als ein Durchgangsbahnhof“, erklärt er.

Ein Ausbau des Angebots sei daher in den kommenden Jahren nicht angedacht. Stattdessen fokussiere sich die Bahn auf Wiesbadens Rolle als Umstiegsbahnhof. „Wiesbaden profitiert heute und auch in Zukunft zum einen von direkten Fernverkehrsverbindungen und zum anderen von einem dichten Nahverkehrstaktangebot. Mit dem geplanten Bau der Wallauer Spange soll sich außerdem die Fahrzeit vom Hauptbahnhof Wiesbaden zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens von aktuell 33 auf voraussichtlich 14 Minuten verkürzen.“ (nl)

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