Wiesbadener Verkehr wird digital: Das ändert sich jetzt

Das Großprojekt „DIGI-V“ ist seit heute in Betrieb und soll den Verkehr in Wiesbaden künftig besser lenken. Wie das funktionieren soll und ab wann die Wiesbadener Erleichterung auf den Straßen spüren werden.

Wiesbadener Verkehr wird digital: Das ändert sich jetzt

Zwei Jahre lang haben die Wiesbadener vor allem eines mit dem Begriff DIGI-V verbunden: Baustellen. Insgesamt 227 Ampelanlagen wurden in dieser Zeit umgebaut und digitalisiert. Das Ziel: Der Wiesbadener Verkehr soll intelligent gesteuert werden, sodass es weniger Staus gibt und alle Verkehrsteilnehmer besser durch die Stadt kommen. Jetzt sind die Bauarbeiten für das 30 Millionen Euro teure Projekt abgeschlossen und DIGI-V wurde offiziell in Betrieb genommen. Wie das System funktioniert, erklärten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) und Verantwortliche von Stadt und Bund am Donnerstag.

„Smarte Ampelschaltungen sind gerade in Städten mit so massivem Verkehrsaufkommen wie in Wiesbaden ein großer Zugewinn“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. „Zukünftig kann das System so viel besser auf stockenden Verkehr und Staus reagieren. Dadurch fließt unser Verkehr in Zukunft hoffentlich wieder flüssiger.“

So funktioniert das System

Aber wie genau funktioniert das? Die 227 Ampeln wurden mit über 400 intelligenten Kameras und Sensoren ausgestattet. Ergänzend dazu wurden 30 dynamische Anzeigetafeln in der Stadt aufgestellt. Die Kameras und Sensoren nehmen Daten aus dem Straßenverkehr auf. Sie sehen, wie viele Verkehrsteilnehmer in der Stadt unterwegs sind, wo es sich staut oder wo beispielsweise kein Verkehr ist. Darüber hinaus nehmen sie wichtige Umwelt- und Wetterdaten wie Stickoxid, Feinstaub und Ozon auf. Kennzeichen und Gesichter können die Kameras übrigens aus Datenschutzgründen nicht lesen. Alle gesammelten Daten werden dann in der neuen Verkehrsleitzentrale im Tiefbau- und Vermessungsamt am 1. Ring verarbeitet.

Dort werden die Daten aber nicht nur gesammelt und später ausgewertet, die Mitarbeiter können auch jetzt schon in Echtzeit auf Monitoren und einer großen Videoleinwand sehen, wo sie kurzfristig eingreifen müssen. Passiert beispielsweise ein Unfall in der Stadt, staut es sich im Feierabendverkehr oder Stickoxid-Grenzwerte werden überschritten, können sie den Verkehr über längere oder kürzere Grünphasen lenken. Außerdem können auf den dynamischen Anzeigetafeln auch spontan Umleitungsempfehlungen angezeigt werden. Ebenfalls schon jetzt profitieren Rettungskräfte von dem neuen System. Feuerwehr und Rettungsdienst können selbstständig Kontakt mit den Ampeln aufnehmen, um priorisiert, schneller und sicherer durch den Verkehr zu kommen.

Langfristig sollen die Ampeln dazulernen, viele Aufgaben automatisch erledigen und neue Erkenntnisse bringen. „Mit dem Tag heute beginnen wir, das Werkzeug kennenzulernen“, sagt Katja Imhof vom Tiefbau- und Vermessungsamt. Die genannten ersten Auswirkungen spüren die Wiesbadener zwar schon jetzt, nach der Inbetriebnahme beginne aber nun die voraussichtlich rund ein Jahr andauernde Lernphase. Die Ampeln lernen langsam, wie der Verkehr in Wiesbaden fließt und wie sie schalten müssen, um ihn besser zu lenken. Mithilfe der vielen gesammelten Daten kann dann auch politisch entschieden werden, wo langfristig Änderungen auf den Straßen umgesetzt werden müssen. Davon sollen vor allem auch der ÖPNV, Radfahrer und Fußgänger profitieren.

Bundesweites Pilotprojekt

Das Projekt ist bundesweit einzigartig und wird mit 15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Es ist ein wesentlicher Baustein des Green City Masterplans „WI Connect“ und des Luftreinhalteplans der Stadt, der auch ein Dieselfahrverbot abwenden soll. Künftig sollen mithilfe des intelligenten Systems auch der Lieferverkehr und das Parkleitsystem in der Stadt verbessert werden.

Die Stadt hat die Inbetriebnahme von DIGI-V mit einem Livestream begleitet. Diesen könnt ihr euch hier noch einmal ansehen.

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