Warum alle Ampeln in Wiesbaden ausgerechnet jetzt umgebaut werden

Wiesbadens Ampeln sollen digital werden. Die Umrüstung ist in vollem Gange und führt regelmäßig zu kilometerlangen Staus. Die Anlagen nur zu verkehrsschwachen Zeiten auszutauschen, scheint einfach nicht möglich zu sein.

Warum alle Ampeln in Wiesbaden ausgerechnet jetzt umgebaut werden

Im Berufsverkehr am Morgen und nach Feierabend zeigt sich in Wiesbaden seit einigen Wochen das immer gleiche Bild: Stau auf den Hauptverkehrsrouten im gesamten Stadtgebiet. Der Grund dafür sind nicht nur die vielen Autos und Busse, die zur Rush-Hour unterwegs sind, die Umrüstung der Ampelanlagen hat die Situation in der letzten Zeit extrem zugespitzt (wir berichteten).

Umrüstungen an Arbeitstagen

„Warum hat man die kritischen Knotenpunkte nicht in den Ferien umgerüstet?“, wollte jetzt auch Nadine Ruf, Fraktionsvorsitzende der SPD in Wiesbaden wissen, und hat den Magistrat in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nach Details zu den Arbeiten an den Ampeln gefragt. Dabei betonte sie deutlich, dass von den Staus nicht nur der Individualverkehr betroffen sei. Tatsächlich kamen in den vergangenen Wochen nämlich auch viele Wiesbadener zu spät zur Arbeit oder nachhause, weil auch die Linienbusse der ESWE Verkehr auf ihren Routen kaum vom Fleck kamen.

„Dieses Ausbautempo konnte bisher nicht erreicht werden.“ - Andreas Kowol, Grüne

Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) erklärte in der Sitzung, dass die Umrüstung vor allem wegen der Menge der umzurüstenden Ampeln und dem Zeitdruck nicht leicht zu organisieren sei. Um einen Förderzuschuss für das 30 Millionen Euro Projekt zu bekommen, muss die Stadt alle 226 Ampelanlagen in der Stadt bis Ende 2020 auf das neue digitale System umstellen. So kämen die Verantwortlichen auf ein Pensum von drei bis vier Anlagen pro Woche. „Dieses Ausbautempo konnte bisher noch nicht erreicht werden“, erklärte der Dezernent.

Umfangreiche Umrüstung

„Eine Umrüstung nur in den Ferienmonaten ist nicht möglich.“ - Andreas Kowol, Grüne

Weil für jede Anlage zunächst die alte abmontiert werden muss, die neue anschließend an das Glasfasernetz angeschlossen, neue Steuergeräte installiert, und Kabel, Leuchten und Sensoren angebracht werden müssen, dauere ein Umbau derzeit rund zwei Arbeitstage. Dabei startete der Austausch an weniger stark befahrenen Kreuzungen in den Außenbezirken, um Arbeitsabläufe einzuschleifen. „Bei der Vielzahl der umzubauenden Anlagen ist eine Umrüstung nur in den Ferienmonaten nicht möglich“, fasste Kowol zusammen. Gleiches gelte für Wochenenden. Auch die Nachtstunden seien nicht geeignet — auch, weil die Arbeiter auf Tageslicht angewiesen seien.

Auch Rufs Vorschlag, den Verkehr während der Arbeiten mit Baustellenampeln zu regeln, musste Kowol ablehnen. „Eine Baustellenampel benötigt eine an den Verkehrsknoten angepasste Programmierung, das Aufstellen, Anschließen und die Überwachung der Funktionalität“, so Kowols Begründung. Durch die vorbereitenden Maßnahmen, würde sich der Umbau an einer Kreuzung dadurch zeitlich verlängern. Zudem liege der zusätzliche Personalaufwand nicht im Budget. (ms)

Logo