Warum Wiesbaden noch immer auf die schlauen Ampeln wartet

Gespannt warten die Wiesbadener auf die neue, schlaue Verkehrssteuerung. Sie soll Staus vermeiden, Wartezeiten verkürzen und nebenbei die Luft sauber halten. Doch das System, das zur Jahresmitte fertig sein sollte, ist bisher nicht gestartet.

Warum Wiesbaden noch immer auf die schlauen Ampeln wartet

30 Millionen Euro kostet das Wiesbadener Verkehrsprojekt, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat: Mit der „Digitalen Verkehrssteuerung“ (DIGI-V) will die Stadt Vorreiter werden im Kampf gegen verstopfte Innenstädte, lange Staus und verschmutzte Luft. Doch von dem System, das bereits im vergangenen Oktober vorgestellt und für Mitte des Jahres angekündigt wurde, ist auf den Wiesbadener Straßen bisher nichts zu sehen.

Vielversprechende Pläne für Wiesbadener Straßen

Dabei klingen die Pläne sowohl für Auto- und Radfahrer als auch für Fußgänger und Busse vielversprechend. Durch dynamische Verkehrsschilder, flexible Ampelphasen und Hinweise auf Navigationsgeräten soll der Verkehrsfluss in der Stadt optimiert werden. Ein Beispiel: Ist der Erste Ring überlastet, könnten Autofahrer, die beispielsweise vom Dürerplatz in Richtung Innenstadt fahren, durch angepasste Grünphasen über den weniger belasteten Zweiten Ring umgeleitet werden.

Auch die Höchstgeschwindigkeit in der Stadt könnte bei Bedarf reduziert werden, damit der Verkehr besser fließt. Busfahrer sollen Grünphasen kurzzeitig verlängern können, und auch an Fußgängerampeln soll das System je nach Andrang länger Grün zeigen oder Rot bleiben. Bei zu hoher Verkehrs- und Stickstoffbelastung soll Lkw-Fahrern die vermeintlich schnellere Durchfahrt durch die Innenstadt verboten werden.

Wo bleibt das „einzigartige Mammutprojekt“?

Ein „bundesweit einzigartiges Mammutprojekt“, wie Ex-Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) die Digitale Verkehrssteuerung bei der Vorstellung im vergangenen Oktober beschrieb. Und eines, das nicht nur mit Blick auf die erhöhten Stickstoffwerte in der Stadt nötig scheint. Denn: „Wir haben in Wiesbaden aktuell Probleme bei der Verkehrsabwicklung durch eine ungleichmäßige Verteilung auf die Strecken“, erläuterte auch Verkehrsdezernent Andreas Kowol vor zehn Monaten. Wo aber bleiben denn nun die schlauen Ampeln?

Im vergangenen Dezember vergab die Stadt de Auftrag für die Digitale Verkehrssteuerung an „Siemens Mobility“. Seitdem wurde, so die Stadt, an dem neuen System getüftelt. „Um zu gewährleisten, dass das System auch zuverlässig funktioniert, waren umfangreiche Tests und Planungen erforderlich, die ihre Zeit in Anspruch genommen haben“, erklärt ein Sprecher des Verkehrsdezernats die Verzögerungen. Auch die Einhaltung einiger Fristen rund um das Projekt frisst Zeit.

Die schlauen Ampeln sind in Sichtweite

„Die ersten neuen Verkehrserfassungssysteme sollen bis Ende 2019 in Betrieb gehen.“ - Sprecher des Verkehrsdezernats

Lang soll es aber nun nicht mehr dauern. Die ersten Ampeln in Wiesbaden wurden, so der Sprecher, bereits mit der neuesten Steuergerätetechnik ausgestattet. Das neue Ziel in punkto Starttermin: „Die ersten neuen Verkehrserfassungssysteme sollen in der Schiersteiner Straße, am Dürerplatz und am Bismarckring bis Ende 2019 in Betrieb gehen.“ Sobald das intelligente System startet, sollen nicht nur die Bürger profitieren. Auch für die Stadt ergeben sich durch das Projekt neue Chancen und Einblicke — wie „um ein Vielfaches aktuellere und detailliertere Daten über das Verkehrsgeschehen und die Schadstoffbelastung“.

Zu kämpfen hatte die Stadt neben der technisch komplexen Planung und Umsetzung vor allem mit der Zeit. Eine der größten Herausforderungen, wie der Dezernatssprecher erklärt: „Der vom Bund vorgegebene Zeitrahmen liegt weit unter dem, was üblicherweise für Planung und Umsetzung eines solchen Projektes angesetzt wird, sagt er. Im Fall Wiesbadens werde aber ein sofortiges Handeln als zwingend notwendig angesehen — um die Luftqualität zu verbessern und Fahrverbote dauerhaft zu verhindern. (nl)

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