Mit diesen 5 neuen Maßnahmen soll sich der Lieferverkehr in Wiesbaden verändern

Mehr Platz und weniger Abgase im Lieferverkehr - das verspricht ein neues Konzept, das in Wiesbaden in den Startlöchern steht. Einige Maßnahmen werden bereits umgesetzt, andere sollen demnächst folgen.

Mit diesen 5 neuen Maßnahmen soll sich der Lieferverkehr in Wiesbaden verändern

Wenn sich am frühen morgen Lastwagen mit Waren, Kurierdienste und die Straßenreinigung durch die Fußgängerzone quetschen, kann es in manchen Seitenstraßen eng werden. Doch der Lieferverkehr in der Innenstadt spielt sich bisher nur vor den üblichen Geschäftszeiten ab. Doch manche Läden, etwa Apotheken, sind auch auf Lieferungen zu späteren Uhrzeiten noch angewiesen. Lieferwagen komplett aus der Fußgängerzone zu verbannen, ist also nicht möglich.

Neues Konzept in den Startlöchern

Trotzdem sollen in Zukunft weniger Abgase durch Lieferfahrzeuge die Luft verschmutzen. Wie das gehen könnte, darüber haben sich in den letzten Monaten mehr als 80 Kurier-, Express- und Paket-Dienstleistern, Speditionen, Einzelhändler, Handwerker und Stadtpolitiker Gedanken gemacht. Entstanden ist das Projekt „DIGI-L“, ein Stufenplan, der den Lieferverkehr in Wiesbaden — auch außerhalb der Fußgängerzone langfristig neu regeln soll. Ausgangspunkt für die Diskussionen war der „Green City Masterplan“ aus dem Jahr 2018 zur Vermeidung eines Dieselfahrverbots. Mit den Maßnahmen im Bereich Urbane Logistik sollen kurz- bis mittelfristig 5,5 Prozent Stickstoffdioxidemissionen eingespart werden. Bis Ende des Jahres soll der Stufenplan den Gremien vorgelegt werden.

„Im Projekt DIGI-L arbeiten wir derzeit sowohl am übergeordneten strategischen Konzept als auch an kurzfristigen Maßnahmen und ich freue mich, dass wir trotz Corona-Pandemie im Zeitplan liegen und die ersten Zwischenergebnisse vorstellen können“,gibt Verkehrs- und Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) einen Zwischenbericht. Einige Maßnahmen seien bereits jetzt in der Umsetzung, oder in der konkreten Planung.

Lieferdienst per App

So wurde schon im Mai der Lieferdienst EMILIE eingerichtet (wir berichteten). Das Projekt ermöglicht Einzelhändlern Bestellungen von Kunden via App entgegen zu nehmen und emissionsfrei liefern zu lassen. Das Projekt soll den lokalen Einzelhandel stärken, indem es den Geschäften die Möglichkeit bietet, das Kundenangebot mittels der Einbindung eines Lieferservices zu verbessern.

Fördergelder für Cargo-Bikes

Um Geschäftstreibende und auch Kunden dazu zu animieren, größere Gegenstände mit dem Fahrrad zu transportieren, fördert die Stadt seit dem Frühjahr den Kauf der teuren Lastenräder. Bis zu 1000 Euro Zuschuss bekommen Wiesbadener, die sich ein Cargo-Bike zulegen. Das Angebot stieß auf großes Interesse: Die 100.000 Euro Fördermittel sind bereits aufgebraucht. Im kommenden Jahr soll die Aktion wiederholt werden — das Tiefbau- und Vermessungsamt will zudem dafür sorgen, dass mehr geeignete Parkplätze für die Lastenräder entstehen.

Intelligente Lieferzonen

In der Stadt sollen spezielle Sensoren installiert werden, die Daten über den Lieferverkehr sammeln. Diese sollen die Grundlage für die Vorbereitung einer App-gesteuerten Zugangskontrolle bilden. Dadurch könnte es irgendwann nur noch registrierten Lieferanten möglich sein, in bestimmte Straße und zu bestimmte Uhrzeiten einzufahren.

Versenkbare Poller

Ähnliche Beschränkungen sollen versenkbare Poller bieten. Geplant ist bereits ein Pilotprojekt am Hauptbahnhof. Die Stadt ist dabei schon auf der Suche nach einem Anbieter, der die entsprechende Technik und die Poller liefern kann. Sollte sich das System in der Testphase bewähren, könnten die Poller auch an weiteren Stellen in der Stadt installiert werden.

Micro-Hubs

Vor allem Kurier-, Express- und Paket-Dienstleister haben den Wunsch nach sogenannten „Micro-Hubs“ geäußert. Dabei handelt es sich um Zwischenlager an zentralen Stellen, die von großen LKWs angeliefert werden können. Für die letzten Meter bis zum Endkunden, oder -laden müssen die Boten die Sendungen dann nur noch von dort abholen und können sie flexibel und emissionsfrei mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß ausliefern. Erste mögliche Standorte für Micro-Hubs wurden schon erarbeitet. So soll schon bald geprüft werden, ob eine Einrichtung am Elsässer Platz möglich wäre. (nl)

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