Ein bisschen Schauspielluft schnuppern

Großer Andrang herrschte am Sonntag beim Casting für den Film „Die Flaschenpostinsel“. Mehr als 400 Kinder haben sich um eine Rolle in Wiesbadens erstem Kinderkinofilm beworben.

Ein bisschen Schauspielluft schnuppern

Bereits um halb zehn am Morgen warten die ersten Kinder und Eltern im Hof der Jugendschauspielschule „Scaramouche Academy“. Vielen ist die freudige Aufregung anzusehen, denn hier findet heute das Casting für „Die Flaschenpostinsel“, Wiesbadens ersten Kinderkinofilm, statt. Bis 15 Uhr können sich Kinder zwischen neun und 14 Jahren um eine Rolle bewerben.

Das erste Casting

Im Inneren des Gebäudes erhalten die potenziellen Nachwuchsschauspieler Fragebögen, in die Haar- und Augenfarbe oder Kleidergröße eingetragen werden. Der neunjährige Antonio aus Wiesbaden hat den Zettel mit seinen Daten bereits abgegeben und lässt nun ein Foto für die Sedcard machen, später geht es zum Vorsprechen.

„Ich mag das Schauspielen, weil es mir wahnsinnig Spaß macht.“ - Bewerber Antonio

„Ich möchte gern bei dem Film mitmachen, weil mir gefällt, worum es da geht“, erklärt er. Respekt, Freundschaft und Toleranz sind die zentralen Themen des Streifens. Antonio ist Schüler der Scaramouche Academy, die das Casting gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein „Oscar“ veranstaltet. „Ich mag das Schauspielen, weil es mir wahnsinnig Spaß macht, mir selbst Szenen auszudenken und sie zu spielen.“

Das Team ist auf der Suche nach drei Hauptdarstellern. „Die Kinder sollten authentisch sein und Spaß haben, aber auch motiviert sein, um das durchzuziehen. Zur Vorbereitung werden die Kinder professionell gecoacht und betreut “, erklärt Produzentin Corinna van Eijk die Auswahlkriterien. Auch diejenigen, die keine Hauptrolle ergattern werden, bekommen die Möglichkeit, in der „Flaschenpostinsel“ mitzuwirken, denn das Team benötigt mehr als 200 Komparsen. Eine Gage für die Darsteller liegt derzeit außerhalb des Budgets, wäre aber der Wunsch der Filmcrew:
„Wir würden den Kindern gern etwas zahlen, allerdings sind unsere finanziellen Mittel begrenzt“, erzählt Produzentin van Eijk. „Wir konnten Förderer wie die „Stiftung Flughafen Frankfurt/Main“ für das Projekt gewinnen, benötigen aber noch mehr Unterstützung.“

„Diese Erfahrung stärkt das Selbstwertgefühl, was im Leben helfen kann.“ - Rose-Lore Scholz

Rose-Lore Scholz, Dezernentin für Schule, Kultur und Integration, ist zu einem Besuch vorbeigekommen und begeistert von der großen Resonanz: „Es ist toll, dass hier ein Projekt entsteht, bei dem alle Kinder barrierefrei mitmachen können und die Chance haben, sich in dieser Welt zu tummeln“, erzählt sie. „Diese Erfahrung stärkt das Selbstwertgefühl, was im späteren Leben helfen kann.“

Warten gehört dazu

Zu dieser Erfahrung gehört auch die Erkenntnis, dass zum Beruf des Schauspielers nicht nur die Arbeit vor der Kamera gehört. Fragebögen ausfüllen, Fotos für die Sedcard machen lassen, vor allem aber auf das Vorsprechen warten stehen an diesem Tag an. Pro Kind hat das aus der Filmcrew bestehende Casting-Team etwa fünf Minuten eingeplant, nimmt aber auch auf nervositätsbedingte Verzögerungen bei den kleinen Bewerbern Rücksicht.

Viele Kinder nutzen die Wartezeit, um ihren Text zu proben und kommen dabei miteinander ins Gespräch. Andere stärken sich mit Kuchen, Brezeln oder frischen Waffeln, die von älteren Schülern der Scaramouche Academy am Buffet angeboten werden. „Man kann den Text auch vorlesen“, erklärt Antonio einem Mädchen. Er betätigt sich als Minicoach, zeigt seinen Mitbewerbern, wo die Fotos gemacht werden und gibt Tipps. Dass er andere begleiten und einweisen kann, macht ihm sichtlich Spaß.

Um 12:30 Uhr haben sich bereits mehr als 200 Kinder angemeldet, bis 15 Uhr werden es 400 sein. Für die Veranstalter steht schnell fest, dass die Zeit nicht ausreicht, um alle vorsprechen zu lassen. „Wir casten heute nur bis Nummer 76“, ruft eine der ehrenamtlichen Helferinnen von „Oscar e.V.“ „Ansonsten müssen wir bis spät am Abend casten und das wollen wir den Kindern nicht antun.“ Aber auch die kleinen Bewerber mit höheren Nummern müssen nicht enttäuscht sein: Es soll noch im März weitere Castingtermine geben, bei denen jeder, der an diesem Sonntag seine Sedcard erstellt hat, vorsprechen darf.

Spaß am Schauspiel

„Ich war der Antichrist in 'Laserpope'“ - Bewerber Antonio

Antonio hat sein Vorsprechen mittlerweile hinter sich gebracht „Der Regisseur hat gesagt, dass ich das sehr gut gemacht habe“, erzählt er und freut sich über das Lob. Antonio ist ein Profi und stand bereits mehrmals vor der Kamera: „Ich habe beim Tabaluga-Adventskalender mitgemacht und war der Antichrist in „Laserpope“.

Dass er auch schon an der Seite von Schauspielern wie Wotan Wilke Möhring, Nora Tschirner und Christian Ulmen aufgetreten ist, verschweigt er bescheiden. Vorteile gegenüber den anderen Kindern hat er dadurch laut Corinna van Eijk aber nicht: „Talent ist gewünscht, Spaß am Schauspiel aber wichtiger. Für uns steht im Mittelpunkt, dass Selbstbewusstsein und Persönlichkeit der Kinder gestärkt werden.“

Wer sich für das Projekt interessiert oder es als Förderer unterstützen will, findet weitere Informationen auf der Homepage des Vereins Oscar oder der Scaramouche Academy.

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