Eine Mitarbeiterin und Betriebsrätin von Ikea in Wallau soll von einem Privatdetektiv beschattet worden sein. Das berichtet unter anderem die Frankfurter Neue Presse (FNP).
Demnach habe sich die betroffene Kollegin an die Betriebsratsvorsitzende Kerstin Franz gewandt. Sie habe geschildert, was im August vergangenen Jahres begonnen haben soll: Ein Mann in einem schwarzen Auto habe sie verfolgt, etwa auf dem Weg zum Arzt, nach Hause oder beim Einkaufen. Sie sei deswegen verängstigt und sehr unsicher gewesen, wird Franz in dem Bericht zitiert.
Inzwischen würden sich die Hinweise verdichten, dass Ikea selbst hinter der Observation stecke. Darauf deuteten Polizeiprotokolle des Polizeipräsidiums Westhessen hin, die der FNP vorlägen. „Wir sind alle sehr schockiert“, so die Betriebsratsvorsitzende gegenüber der Zeitung. Man habe es zwar geahnt, es aber nicht wahrhaben wollen.
Der Fall sei besonders brisant, da die betroffene Mitarbeiterin seit einer Corona-Erkrankung an Long Covid leide, schwerbehindert sei und in Pflegegrad 2 eingestuft sei. Sie unterliege damit einem besonderen Kündigungsschutz. Um einen frühzeitigen Renteneintritt zu verhindern, seien mit dem Arbeitgeber besondere Arbeitszeiten ausgehandelt worden, was auch ein Bericht der Betriebsärztin bestätige.
Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs trotz freiem Tag?
Wie aus dem Polizeiprotokoll hervorgehe, habe der Detektiv gegenüber der Polizei angegeben, der Mitarbeiterin werde Arbeitszeitbetrug vorgeworfen. Die Observation sei jedoch an einem Mittwoch geschehen, der im Dienstplan der Frau als freier Tag eingetragen gewesen sei – jener freie Tag, der wegen ihrer Krankheit ausgehandelt worden war.
Die Betriebsratsvorsitzende Franz vermutet laut FNP daher, dass die Überwachung mit der Tätigkeit der Frau im Betriebsrat zusammenhänge. „Die Kollegin ist sehr engagiert und hartnäckig“, so Franz. Sie setze sich als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende für kranke Kollegen ein. Auch die Gewerkschaft Verdi vermute, dass die Observation engagierte Betriebsräte einschüchtern solle.
Ikea Deutschland teilte auf Anfrage der FNP mit, dass man sich „von jeder Form rechtswidriger Mitarbeiterüberwachung“ distanziere. Zum konkreten Fall heißt es, das Unternehmen befinde sich „aktuell in der umfassenden Sachverhaltsaufklärung und prüft selbstverständlich auch mögliche Konsequenzen.“