Wird Wiesbaden langsam zu einer Modestadt?

Mit Mailand, Paris und London wird Wiesbaden selten in einem Atemzug genannt. Doch die Modeszene in der Kurstadt wächst. Immer mehr Designer lassen sich hier nieder - und von der Stadt inspirieren.

Wird Wiesbaden langsam zu einer  Modestadt?

Vor einem Jahr eröffnete Designerin Claudia Zimmer ihren Showroom o18 in der Oranienstraße. Eigentlich kam sie der Liebe wegen in die hessische Landeshauptstadt, doch schnell merkte sie, dass der Standort für Modeschöpfer alles andere als schlecht ist. „Ich habe anfangs gedacht, dass ich beruflich eher im größeren Frankfurt zu tun haben werde, doch ich habe schnell gemerkt, dass Wiesbaden eine blühende Modeszene hat“, findet sie - und ist damit nicht die einzige.

Immer mehr kleine Labels

„Als ich gemerkt habe, wie viele kleine Läden, Schneidereien und Ateliers hier entstanden sind, war ich sehr überrascht.“ - Peter Schmies, AMD

Auch Peter Schmies, Professor für Mode und Designmanagement an der Akademie Mode und Design (AMD), hat beobachtet, dass immer mehr Designer von Wiesbaden aus arbeiten. Weil in der Moritzstraße im März ein neuer AMD-Standort eröffnet, zieht es den gebürtigen Mainzer, der im Moment in Düsseldorf arbeitet, wieder häufiger nach Wiesbaden. „Als ich gemerkt habe, wie viele kleine Läden, Schneidereien und Ateliers hier entstanden sind, war ich sehr überrascht“, sagt er. Er sieht darin eine Entwicklung weg von den großen Modeketten in der Kirch- und Langgasse, hin zu individuelleren Looks.

Besonderer Stil

„Der Wiesbadener Schick kommt ganz ohne Prunk aus.“ - Designerin Claudia Zimmer

Designerin Zimmer, die vor ihrer Zeit in Wiesbaden schon viele Länder bereist hat, erkennt bei den Wiesbadener Kunden schon jetzt einen besonderen Stil. „Der Wiesbadener Schick kommt ganz ohne Prunk aus. Die Wiesbadener legen viel Wert auf hochwertige Kleidung aus guten Materialien. Glamour findet man hier vor allem in Details, guter Verarbeitung und Accessoires“, beschreibt sie ihre Beobachtung.

Modebloggerin Kate Schön, von „Hessisch for Fashion“ findet zudem, dass der Stadt-Styl von der Vielfältigkeit der Einwohner geprägt wird. So nennt Schön als Beispiel für typische Wiesbadener Outfits sowohl Seidenblusen und Kaschmirmäntel, als auch lässige Streetwear mit Sneakers und Kapuzenpullis, die sie vor allem an jungen Trägern beobachtet.

Stadt als Inspiration

Die Wiesbadener, ihre Ansprüche und auch das Stadtbild haben die Mode bei Zimmers Label o18 auf jeden Fall schon geprägt. „Die Stadt inspiriert mich als Designerin. Damit meine ich sowohl die Menschen, als auch die vielen denkmalgeschützten Häuser, das Ambiente und die Veranstaltungen, die hier stattfinden“, sagt sie. „Die Stadt hat noch immer viel Kurstadt-Flair, aber sie wird gleichzeitig immer moderner. Und genauso ist es auch mit den Designern hier: Zu den alteingesessenen Maßschneidern kommen immer mehr junge kreative Modemacher dazu“, sieht sie die Entwicklung. Wiesbadens Ruf als „Modestadt“ könne das nur gut tun. (nl)

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