Demo gegen Flüchtlingspolitik - Asylgegner in der Unterzahl

Am Sonntag demonstrierte das Bündnis „Hand in Hand - gegen Gewalt auf unseren Straßen“ auf dem Dern'schen Gelände gegen die Asylpolitik und Angela Merkel. Die Gegendemonstranten waren deutlich in der Überzahl.

Demo gegen Flüchtlingspolitik - Asylgegner in der Unterzahl

Auf dem Dern'schen Gelände, wo sonst der Wiesbadener Wochenmarkt stattfindet, dominierten am Sonntag die Farben blau und silber. Dutzende Einsatzwagen der Bereitschaftspolizei befanden sich um den Platz an der Marktkirche. Grund dafür war eine Kundgebung, die das Bündnis „Hand in Hand - gegen die Gewalt auf unseren Straßen“ angemeldet hatte.

Nach Aussagen der Veranstalter stecken hinter dem Bündnis vier besorgte Mütter aus dem Stadtteil Erbenheim, die sich nach dem Mord an der Teenagerin Susanna, über den wir berichteten, zusammengefunden hatten. Das Bündnis fordert den Rücktritt der Bundeskanzlerin Angela Merkel und strengere Grenzkontrollen.

Keine Zusammenarbeit mit der AfD

Eine Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland gebe es jedoch trotz deutlichen Themenüberschneidungen nicht, versichert das Bündnis. Auch dass man mit solchen Aktionen in die rechte politische Ecke gestellt werde, sei nicht korrekt. „Auf der
einen Seite trifft es einen natürlich sehr, da wir fast alle einen Migrationshintergrund haben. Man versucht halt irgendwie darüber zu stehen“, so eine der vier Mütter. „Wir haben Kontakt zum Bündnis Beweg was Deutschland“, fügt sie hinzu.

Mehr als 100 Gegendemonstranten

Zur Kundgebung kamen rund 60 Sympathisanten der vier Frauen und vertraten lautstark ihre Anliegen. Zur Veranschaulichung bastelten die Veranstalter die sogenannte „Leine des Grauens“, an der sie Presseberichte von Übergriffen durch Flüchtlinge aufhingen. Laut Veranstalter ist jedes Blatt Papier eine andere Tat, die in den vergangenen Jahren stattgefunden habe.

"Die Türen stehen offen für Kriminelle jeglicher Art." - Teilnehmer der Kundgebung

Die Gründe der 60 Personen dafür, warum sie an der Kundgebung teilnehmen, sind schwer zu ermitteln: Die meisten wollen nicht mit Pressevertretern sprechen. Es ist von Frustration die Rede, aber auch Angst. „Merkel muss weg, sie hat das Land kaputt gewirtschaftet“, sagt ein Besucher, ein anderer sagt, dass die Türen „offen stehen für Kriminelle jeglicher Art“. Oft ist die Wortwahl die gleiche und man hört bei den Teilnehmern nur noch wenig über den angeblichen Grund der Demonstration - den Mord an Susanna.

Viele Wiesbadener waren über die Kundgebung nicht erfreut - auch wegen des Lärms. Auf der Bühne traten Redner auf, außerdem wurde Musik gespielt. „Die machen viel Lärm und belästigen damit die Anwohner“, schreibt etwa auch Merkurist-Leser Günter.

Gegendemonstration verlief friedlich

"Wir dürfen der rechten Gesinnung in Wiesbaden keinen Platz lassen." - Gegendemonstrant

Verschiedene Organisationen aus Wiesbaden hatten zur Gegendemonstration aufgerufen. Etwa 100 Personen störten die Veranstaltung lautstark. Im Großen und Ganzen verlief die Gegenveranstaltung friedlich und ohne größere Vorkommnisse. „Wir dürfen der rechten Gesinnung in Wiesbaden keinen Platz lassen. Die denken immer, sie wären alle, nur weil sie sich in ihrer Online-Blase untereinander hochschaukeln“, sagte ein Gegendemonstrant. Bereits am Donnerstag veranstaltete das Wiesbadener Bündnis für Demokratie eine Mahnwache auf dem Dern'schen Gelände, um still gegen die heutige Kundgebung zu protestieren. Daran nahmen über 30 Personen teil.

Weniger Demonstranten als im Juni

Bereits im Juni demonstrierte das Bündnis am Tatort in Erbenheim, worüber wir berichteten. Damals waren 120 Teilnehmer vor Ort. Dass sich dieses mal nur 60 Personen einfanden, schoben einige Teilnehmer auf die Angst vor Übergriffen durch Gegendemonstranten. Dennoch blieb die gesamte Lage friedlich. Die Veranstalter sagen jedoch, dass diese Kundgebung nicht die letzte gewesen sei.

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