Als in Wiesbaden ein 50 Meter hoher „Eiffelturm“ stand

Mit dem Erbauer des Pariser Wahrzeichen hat der „Wiesbadener Eiffelturm“ zwar nichts zu tun, er war aber fast genauso beliebt. Bis 1919 stand er auf der Bierstadter Höhe und zog Touristen auf seine Aussichtsplattformen.

Als in Wiesbaden ein 50 Meter hoher „Eiffelturm“ stand

50 Meter hoch ragte ein Turm vor 100 Jahren in Wiesbaden in Richtung Himmel. Anwohner nannten das Bauwerk auf der Bierstadter Höhe „Wiesbadener Eiffelturm“, weil er dem Pariser Wahrzeichen so ähnlich sah. Mit dessen Erbauer Gustave Eiffel hatte der Wiesbadener „Eiffelturm“ aber nichts zu tun. Stattdessen sollte er Fürst Otto von Bismarck ehren.

In vielen deutschen Städten gibt es solche sogenannten „Bismarck-Türme“, die an den langjährigen preußischen Ministerpräsidenten und ersten deutschen Reichskanzler erinnern sollen. Sie wurden meistens aus Privatinitiativen heraus gebaut. An Gedenktagen, wie beispielsweise an Bismarcks Geburtstag, sollten Feuer auf den Türmen brennen, um seine Verdienste sichtbar zu machen. Dazu kam es auf dem Wiesbadener Turm allerdings nie.

Von Wiesbadener Firmen gebaut

Die Idee, den Turm zu bauen, entstand schon 1898. In der Nähe der heutigen Martin-Niemöller-Schule sollte ein massiver Steinturm entstehen. Als Vorläufer wurde 1910 zunächst ein 50 Meter hoher Turm aus Holz gebaut. Die Firma „Dyckhoff & Widmann“ aus Biebrich war für die Beton-Fundamente zuständig, die Zimmerarbeiten übernahm die Wiesbadener Firma Carstens. Mit seinen 50 Metern wäre er der höchste Bismarck-Turm Deutschlands geworden. Um den Bau abzuschließen und aus dem Holz- einen Steinturm zu machen, fehlte allerdings das Geld. Obwohl die Wiesbadener dafür zwischen 1907 und 1910 rund 27.000 Reichsmark gespendet hatten, konnte der Steinturm nie fertiggestellt werden.

Holzturm wurde Touristenmagnet

Der Holzturm wurde im Laufe der Jahre aber zu einem beliebten Ausflugsziel, denn ab Mai 1910 konnten Besucher auf ihn hinauf steigen. Über eine Treppe gelangten sie auf eine Plattform in rund 25 Metern Höhe. Von dort aus konnten mutige Kletterer auf eigene Gefahr über eine angebrachte Leiter eine weitere Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe erklimmen. Der Andrang auf den „Wiesbadener Eiffelturm“ mit seiner weiten Aussicht bis in den Rheingau, war schließlich sogar so groß, dass ein Turmwärter eingestellt werden musste.

Das Ende des „Wiesbadener Eiffelturms“

Der Erste Weltkrieg bedeutete dann allerdings das Ende für den beliebten Aussichtspunkt. 1916 wurde der Turm für Besucher gesperrt und ein Beobachtungsposten für die Flugabwehr errichtet. 1918 war der Turm dann nicht mehr standsicher, sodass er im Januar 1919 abgerissen werden musste. Heute erinnert nichts mehr an ihn — lediglich alte Bilder und Postkarten verraten, dass es tatsächlich einmal einen „Wiesbadener Eiffelturm“ gegeben hat. (nl)

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