Wer sind die 'Buntwesten', die in Wiesbaden demonstrieren wollen?

Am Wochenende wollen die „Buntwesten“ gegen die aktuelle Politik der Regierung demonstrieren. Was ist der Unterschied zu den „Gelbwesten“? Ein Organisator der Aktion erklärt's.

Wer sind die 'Buntwesten', die in Wiesbaden demonstrieren wollen?

Zweimal sind die Anhänger der Demonstrationsgruppe „WirSindVielMehr“ in gelben Westen durch Wiesbaden gezogen, um gegen die Politik der Bundesregierung, Dieselfahrverbote und soziale Ungerechtigkeit zu demonstrieren. Ihr Vorbild ist die Gelbwesten-Bewegung aus Frankreich, die ebenfalls gegen die Politik ihrer Regierung auf die Straße geht. Immer wieder wurde die Gruppe in Wiesbaden von Gegendemonstranten gestoppt. Der Vorwurf: Unter den Demonstranten befänden sich rechte Populisten, die Veranstalter störe das nicht. Und das, obwohl sich die Initiatoren zuvor gegen Rassismus ausgesprochen hatten.

Genau das verwirrt viele Wiesbadener. In Facebook-Gruppen und auch unter Merkurist-Lesern wird immer wieder diskutiert, ob die „Gelbwesten“ denn nun rechts sind oder nicht. Um ein Zeichen zu setzen, kommt am Samstag die „Aktion Bunte Westen“ der von Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht initiierten Sammlungsbewegung „Aufstehen“ nach Wiesbaden. Die „Buntwesten“ wollen ebenfalls gegen die aktuelle Politik auf die Straße gehen — allerdings nicht nur in gelb, sondern auch in grün, orange und blau.

„Die Demos sind deutlich unterwandert von AfDlern und Rechten.“ - Peter Kyritz, Organisator „Aktion Bunte Westen“

„Wir grenzen uns klar von den Gelbwesten, wie sie hier auftreten ab“, erklärt Peter Kyritz, Organisator der Aktion in Wiesbaden. „Die Demos sind deutlich unterwandert von AfDlern und Rechten. In Wiesbaden war zum Beispiel Henryk Stöckl dabei, ein bekannter Rechtsfluencer.“ Das soll bei den „Buntwesten“ nicht passieren. „Die links orientierten Menschen haben verpennt, die Gelbwesten in Deutschland zu besetzen“, sagt Kyritz. „Wer es nicht verpennt hat, sind die Rechten und die mischen sich da unter und verbreiten ihr Gedankengut als Wolf im Schafspelz.“

Ähnliche Forderungen, andere Herangehensweise

Bei ihren Forderungen sind sich die beiden Gruppen aber ähnlich. Beide sprechen sich für soziale Gerechtigkeit aus, wollen höhere Renten und Löhne. Dass sich bei den Wiesbadenern deshalb noch mehr Verwirrung breit machen könnte, kann Kyritz verstehen. „Die Gelbwesten besetzen natürlich auch Themen, die die Leute interessieren“, sagt er. Der Unterschied sei aber die Herangehensweise.

Wenn die Organisatoren von „WirSindVielMehr“ von Rentern sprechen, die jahrelang in die Rentenkassen eingezahlt haben und am Ende wenig dafür bekommen, dann sprechen sie im gleichen Atemzug von Geflüchteten: „Im Gegenzug wird durch den Migrationspakt die weitere Zuwanderung von Flüchtlingen und deren Familien, die zuvor nie in unser System eingezahlt haben und sofort das Anrecht auf staatliche Grundsicherung haben, gefördert“, schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite.

„Solange die EU nicht aufhört, Waffen zu exportieren und Märkte kaputt zu machen, brauchen wir nicht über Migration zu sprechen.“ - Peter Kyritz

Peter Kyritz findet, das sei ein falscher Ansatz. „Solange Deutschland und die EU nicht aufhören, Waffen zu exportieren und Märkte in Ländern wie Afrika kaputt zu machen, brauchen wir in dem Zusammenhang nicht über Migration zu sprechen“, sagt er. „Deutschland ist ein reiches und weltoffenes Land. Solange diese Probleme nicht behoben sind, nehmen wir weiterhin Leute auf.“ Über die sozialen und gesellschaftlichen Probleme, die in Deutschland herrschen, wollen die „Buntwesten“ unabhängig davon auf ihrer Demo sprechen.

Gesundheit, Umwelt und Bildung

Wichtig sei ihnen dabei vor allem, dass wieder eine Politik für die breite Mehrheit geschaffen werde. „Es geht um Renten, Löhne, das Gesundheitssystem und falsch verteilte Steuern“, so Kyritz. „Niedriglöhne führen zu prekären Renten und Armut und wegen der niedrigen Löhne will niemand mehr in der Pflege arbeiten, um Senioren und Pflegebedürftige zu pflegen.“

Auf dem Schlossplatz werden am Samstag mehrere Redner über verschiedene Themen referieren. Darunter unter anderem Mitglieder von „Aufstehen“, ein Heilpraktiker, der aus seinem Arbeitsalltag erzählen will und eine Aktionsgruppe, die vor Altersheimen für bessere Bedingungen demonstriert.

„Dann werden wir von unserem Platzrecht Gebrauch machen und die Polizei wird uns sicher dabei helfen das umzusetzen.“ - Peter Kyritz

Um dafür zu sorgen, dass anders als bei „WirSindVielMehr“, keine Menschen mitlaufen, die rechtes Gedankengut verbreiten, wollen die Organisatoren besonders aufmerksam sein. „Natürlich kann man den Menschen nicht in den Kopf gucken, wenn aber jemand offen rechte Parolen von sich gibt, dann kriegt man das mit“, sagt Kyritz. „Dann werden wir von unserem Platzrecht Gebrauch machen und die Polizei wird uns sicher dabei helfen, das umzusetzen.“ (nl/lp)

Die „Aktion Bunte Westen“ trifft sich am Samstag, den 16.02. um 11:45 Uhr auf dem Schlossplatz. Einen Demonstrationszug durch die Stadt wird es nicht geben. Stattdessen werden auf einer Bühne Reden gehalten und Musik gespielt. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, welche Farbe seine Weste trägt.

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