Pleitewelle im Gastgewerbe befürchtet

Rund ein Viertel aller hessischen Hotels droht die Insolvenz

Pleitewelle im Gastgewerbe befürchtet

„Uns steht eine Insolvenzwelle im Herbst dieses Jahres bevor“, sagte Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen auf der Sommerpressekonferenz des Branchenverbandes in der vergangenen Woche. Er mahnt: Wenn es zu erneuten Corona-Beschränkungen kommt oder keine weiteren Lockerungen beschlossen werden, könnte es für rund ein Viertel der Hotels in Hessen in die Insolvenz gehen.

Denn Hotels, vor allem Cityhotels, seien besonders stark von der Krise betroffen. Die so wichtigen Geschäftsreisenden blieben aus. Auch Clubs und Diskotheken, die noch immer nicht öffnen dürfen, kämpften mit den aktuellen Existenzsorgen. Etwas positiver blickten die hessischen Gastronomen auf die vergangenen Monate zurück. Zwar seien auch diese stark geschädigt worden, könnten aber — so schätzt Wagner — die Krise zumindest „radebrechend überstehen“.

Boom durch Urlauber bleibt aus

Der erhoffte Aufschwung in der Hotelbranche durch „Urlaub im eigenen Bundesland“ sei ausgeblieben. „Einerseits können verlorene Umsätze im Gastgewerbe nie nachgeholt werden und andererseits hat der erhoffte ‚Run‘ auf viele hessische Destinationen bis jetzt einfach nicht stattgefunden“, kommentiert Wagner die Rückmeldungen von knapp 1000 Betrieben aus Hessen.

Insgesamt müsse man damit rechnen, dass in den kommenden Monaten bis zu 1500 Betriebsaufgaben anstehen. „Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Gastgewerbes für unser Bundesland ist das ein herber Schlag“, sagte DEHOGA Hessen-Präsident Gerald Kink. Das Gastgewerbe habe mit über vier Prozent einen gewaltigen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. „Und hinter jeder einzelnen Zahl steht eine persönliche Existenz“, so Kink.

„Es wird für sehr lange Zeit keine Neueröffnungen in Einzelhandel oder Gastronomie geben.“ - Gerald Kink, DEHOGA Hessen

Der Branchenverband hofft in diesem Zusammenhang auf weitere Hilfen, Lockerungen und Änderungen, damit das Gastgewerbe noch eine Chance hat. Denn man ist sich sicher: Das Schlimmste kommt erst noch. Denn auch Kredite müssen noch zurückgezahlt werden. 38 Prozent der Betriebe konnten mit ihren Vermietern Lösungen in Form von Mieterlassen oder Stundungen finden. Rund eine Hälfte der von DEHOGA befragten Betriebe bewirtschafte den Betrieb in Eigentum. Doch bei gut 12 Prozent der Betriebe konnte keine Einigung erzielt werden. „Es wird für sehr lange Zeit keine Neueröffnungen in Einzelhandel oder Gastronomie geben, die nicht vor der Krise schon fertig geplant waren“, so Kink. Alternative Pächter für geschlossene Lokale oder Nachfolger werde es auf lange Sicht nicht geben. (nl)

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