Hessisches Gastgewerbe: Ein Viertel zieht Schließung in Erwägung

Der Branchenverband Dehoga formulierte klare Forderungen an die Politik.

Hessisches Gastgewerbe: Ein Viertel zieht Schließung in Erwägung

Kurz vor den Besprechungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am heutigen Dienstag (10. August) fordert das hessische Gastgewerbe weitere Hilfen, mehr Freiheit für Geimpfte und Genesene und eine Abkehr von der reinen Inzidenzbetrachtung. Ein weiterer Lockdown müsse unbedingt verhindert werden, so der hessische Hotel- und Gastronomieverband Dehoga.

„Für das Gastgewerbe ist es existenziell, dass nun die Grundlagen dafür geschaffen werden, einen erneuten Lockdown für unsere Branche wie auch für die Gesellschaft zu verhindern“, erklärt der Dehoga in einer Mitteilung. Nach wie vor hätte die Branche mit existenzbedrohenden Umsatzverlusten zu kämpfen. Über alle Branchensegmente hinweg sei der Umsatz gegenüber dem Juli 2019 weiterhin um über 24 Prozent eingebrochen. In der Hotellerie durchschnittlich sogar um 50 bis 60 Prozent, bei Clubs und Discotheken weiterhin um 90 bis 100 Prozent.

Gastgewerbe weiter auf Hilfen angewiesen

Um sich ein Bild vom Standpunkt der einzelnen Betreiber zu machen, startete der Verband eine Branchenumfrage. Daran beteiligten sich über 500 Hoteliers, Gastronomen und Discothekenbetreiber. Das Ergebnis: Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen ziehen aufgrund der weiterhin schwierigen Lage sogar eine Betriebsaufgabe in Erwägung. Die bereits durch die Bundesregierung in Aussicht gestellte Verlängerung der Überbrückungshilfe III und der erleichterten Zugänge zum Kurzarbeitergeld bis zum Jahresende seien deshalb überlebenswichtig.

„Es wäre fatal, diese Unternehmen jetzt im Stich zu lassen.“ - Gerald Kink, Dehoga-Präsident

Das gelte ganz besonders mit Blick auf die Stadt- und Tagungshotels, Eventcaterer und Clubs und Discotheken, die auch im Herbst und Winter noch hohe Umsatzverluste von mehr als 50 Prozent verzeichnen würden. „Es wäre fatal, diese Unternehmen jetzt im Stich zu lassen“, so der Präsident der hessischen Dehoga Gerald Kink. Darüber hinaus mahnt der Verband bereits jetzt eine entsprechende Regelung für das Kurzarbeitergeld nach der Bundestagswahl im September für die ersten Monate des Jahres 2022 an.

Insbesondere auch für die gebeutelte Clubszene fordert der Verband eine Lösung. Dort herrsche zunehmend Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Unverständnis, weil die meisten Clubs und Discotheken bislang nicht öffnen dürften. Das solle sich ändern und zwar mit klar definierten Zugangsregeln. Und: „Clubs könnten Teil der Lösung sein. Insbesondere wenn es darum geht, jungen Menschen unkomplizierte Impfangebote zu unterbreiten“, so der Dehoga. Mit mobilen Impfangeboten vor Discotheken könnten viele junge Menschen erreicht werden und so die Impfquote erhöht werden.

Abkehr von Inzidenz und mehr Freiheiten für Geimpfte

Außerdem fordert der Verband eine Abkehr von der strikten Betrachtung der Inzidenzen. „Die bislang dominierende Ausrichtung an Inzidenzwerten ist nicht mehr gerechtfertigt“, sagte Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Hessen. Es sei schon aus rechtlichen Gründen wichtig, andere relevante Faktoren, wie die Impfquote, Krankheitsverläufe, den Hospitalisierungsgrad, die Auslastung der Intensivstationen sowie die Todesfallzahlen mit zu berücksichtigen. Daher sei es auch an der Zeit, die aktuell geltende Coronavirus-Schutzverordnung und das hessische Präventions- und Eskalationskonzept mit Inzidenzwerten von 35, 50 und 100 anzupassen und die Werte heraufzusetzen.

Rund 75 Prozent der an der Branchenumfrage teilnehmenden Betreiber sprach sich außerdem grundsätzlich für mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene in der Gesellschaft aus. Nur ein Drittel hielt es allerdings für gerechtfertigt, Restaurant-, Konzert- oder Kinobesuche nur noch Geimpften und Genesenen zu ermöglichen. Über die Hälfte meint, das müsse auch für negativ Getestete (Ungeimpfte) weiter möglich bleiben.

„Es geht für unsere Branche weiterhin um nichts weniger als die Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen.“ - Gerald Kink

Insgesamt erhofft sich das hessische Gastgewerbe vom Bund-Länder-Gipfel am Dienstag klare Botschaften, so Dehoga Hessen-Präsident Kink: „Es geht für unsere Branche weiterhin um nichts weniger als die Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen, ja um unsere Überlebensfähigkeit in diesen Monaten und der nahen Zukunft.“

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