Muss Wiesbaden härter gegen Schottergärten vorgehen?

Viele hessische Kommunen wollen Vorgärten aus Schotter vor allem in neueren Bebauungsplänen ausschließen. Wie geht Wiesbaden mit dem Thema um?

Muss Wiesbaden härter gegen Schottergärten vorgehen?

Sie sind eines der Themen, wenn es um Klimaschutz im Städtebau geht: Schottergärten. Die einen finden sie modern und praktisch, für die anderen sind sie die „Gärten des Grauens“ und schlecht für die Umwelt. Weil sie keinen Lebensraum für Tiere und Insekten lassen, der Boden versiegelt wird und es dadurch wärmer in den Städten werden kann, gehen einige hessische Kommunen gegen neu angelegte Schottergärten vor.

In Frankfurt zum Beispiel ist vor kurzem eine Satzung erlassen worden, die Schottergärten bei Neu- und Umbauten verbietet. Auch Versiegelung privater Vorgärten, meterhohe Sichtzäune oder künstliche Pflanzen aus Plastik sollen zukünftig verboten sein. In Darmstadt und Kassel sollen Schottergärten ebenfalls in neueren Bebauungsplänen explizit ausgeschlossen werden. Und in Wiesbaden?

Stadt verweist auf Vorgartensatzung

Auf Merkurist-Anfrage verweist ein Sprecher des Stadtplanungsamtes auf die Wiesbadener Vorgartensatzung, die es bereits seit 1979 gibt. Darin steht: „Die Begrünung soll ziergärtnerisch erfolgen und in angemessenem Umfang Bäume und Sträucher enthalten“.

Laut des Sprechers seien mithilfe der Satzung im Laufe der Jahre „viele negative Veränderungen von Vorgärten verhindert, beziehungsweise abgemildert worden.“ Zudem seien in vielen Bebauungsplänen bereits weitere Regelungen zu Vorgärten enthalten. Diese würden auch in neue Pläne integriert.

NABU fordert angepasste Satzung

Peters Siersleben von der Wiesbadener Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU) findet: das reicht nicht. „Die Stadt kommt meiner Meinung nach nicht um eine Novellierung der Vorgartensatzung herum“, sagt er. Begriffe wie „zielgärtnerisch“ würden kaum etwas bringen. „Das ist nicht konkret genug und ermöglicht die Interpretation, dass auch mit Elementen wie Folien und Schotter gestaltet werden dürfte, da diese nicht ausdrücklich untersagt werden.“

„Die Satzung müsste überarbeitet und angepasst werden, damit auch eine rechtliche Basis für den Rückbau von versiegelten Flächen gegeben wäre.“ - Peter Siersleben, NABU

Außerdem berufe sich die Kommune auf die Hessische Bauordnung vom August 1979 – und diese sei veraltet. In einer aktuellen Fassung von 2018 heiße es, dass nicht überbaute Flächen wasserdurchlässig zu belassen oder herzustellen seien, außerdem müsse man sie begrünen oder bepflanzen. „Die Wiesbadener Satzung müsste also überarbeitet und angepasst werden, damit auch eine rechtliche Basis für den Rückbau von versiegelten Flächen gegeben wäre.“

Stadt setzt auf Aufklärungsarbeit

Der Naturschutzbeirat, in dem sich auch der NABU engagiert, habe das Problem bereits erkannt und Magistrat und Stadtverordnetenversammlung darum gebeten, die Satzung unter anderem zu konkretisieren. Bisher ist das nicht geschehen – und wird es wohl vorerst auch nicht, wie der Sprecher des Stadtplanungsamtes bestätigt. „Die Landeshauptstadt hat sich entschieden, die Vorgartensatzung zunächst nicht zu ändern, sondern vor allem durch begleitende Aufklärung in Form von Broschüren und Flyern ein Bewusstsein innerhalb der Stadtbevölkerung zu schärfen.“ Im Flyer „Blühende Gärten“ informiert die Stadt beispielsweise über das Thema und gibt auch Tipps, wie man Schottergärten wieder zurückbaut.

Logo