Der ewige Kampf zwischen Rad- und Autofahrern in Wiesbaden

Brechen Wiesbadener Radfahrer zu viele Verkehrsregeln? Nehmen Autofahrer zu wenig Rücksicht? Unter einem Snip auf unserer Seite ist darüber eine hitzige Diskussion entbrannt. Sie zeigt: Die Lösung ist gar nicht so einfach.

Der ewige Kampf zwischen Rad- und Autofahrern in Wiesbaden

Als Fahrradfahrer hat man es nicht leicht in Wiesbaden. Im ADFC-Fahrradklimatest landet die Stadt regelmäßig ganz weit hinten, auch 2018 monierten Radfahrer die Breite der Radwege, die allgemeine Unsicherheit als Radler und die vielen Falschparker, die auf Radwegen stehen, die scheinbar nur selten zur Kasse gebeten werden.

Merkurist-Leserin „Co Kar“ sieht aber auch die Fahrradfahrer in der Pflicht. Sie fordert: „Es ist Zeit für allgemein verschärfte Fahrradfahrer-Benimm-und-Verkehrsregeln!“ und hat einen Snip zu dem Thema erstellt. Und die Diskussionen darunter mit mehr als 100 Kommentaren zeigen: Zwischen Rad- und Autofahrern liegt so einiges im Argen.

Viele Leser wünschen sich eine Kennzeichenpflicht für Radfahrer, damit diese nicht mehr all zu sorglos über rote Ampeln oder Gehwege fahren. Damit sind die Merkurist-Leser nicht alleine: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der „WAZ“, wünscht sich jeder zweite Deutsche eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder.

Dass sich sowohl Rad- als auch Autofahrer nicht immer haargenau an die Verkehrsregeln halten, ist kein Phänomen, das nur in Wiesbaden auftritt. Warum dem so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Fakt ist aber: Beide müssen aufeinander Rücksicht nehmen, die Autofahrer vielleicht noch ein wenig mehr, da die Radler die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind. Einfach wird das wohl nicht, ist Wiesbaden doch allgemein nicht gerade als Fahrradstadt bekannt.

Das sieht auch der Wiesbadener Verkehrspsychologe Jens Abraham so. Er meint, dass sich insbesondere die Autofahrer erst noch daran gewöhnen müssen, dass nach und nach mehr Wiesbadener aufs Rad steigen. „Ich gehe von einem allmählichen Prozess aus. Aktuell ist allerdings noch häufig ein gegenseitiges Unverständnis und oft auch Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer zu beobachten.“

„Wiesbaden war bis vor nicht allzu langer Zeit eine reine Autofahrerstadt.“ - Jens Abraham

Einfach haben es die Radfahrer in Wiesbaden weiß Gott nicht. Sie müssen sich im dichten Verkehr oftmals behaupten und gegen „Stärkere“ durchsetzen. „Wiesbaden war bis vor nicht allzu langer Zeit eine reine Autofahrerstadt. Daran sind die Menschen gewöhnt“, sagt Abraham. Da kommt es dann auch vor, dass dieses Konkurrenzverhalten bei manchen Überhand nimmt. Für den Verkehrspsychologen wäre es daher eine mögliche Lösung, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer deutlicher voneinander abzugrenzen. Eine Spur für den motorisierten Verkehr, Protected Bike Lanes und ein Gehweg wäre eine denkbare Kombination.

„Ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen ist das Beste.“ - Jens Abraham

„Da das in Wiesbaden mit den meist engen Straßen nicht so leicht umsetzbar ist, ist ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen das Beste“, schlägt Abraham vor. Diese Lösung würde dann Fahrradstraßen, farblich markierte Radwege, mehr Protected Bike Lanes oder sogar eine autofreie Innenstadt beinhalten.

Bis es so weit ist, wird wohl noch viel Zeit vergehen. Bis dahin sei es wichtig, Bürger zu einem rücksichtsvolleren Miteinander zu bewegen. Für Abraham gehe das nur über mehr Aufklärung. Plakatkampagnen, Hinweisaktionen oder — wenn alle Stricke reißen — eine Schwimmnudel auf dem Fahrradgepäckträger. „Damit signalisiert man den Autofahrern den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen“, sagt er.

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