Schiersteiner Hafen: Muss sich etwas ändern?

Immer wieder ist die Attraktivität des Schiersteiner Hafens Thema im Ortsbeirat und in der Stadt. Einige Probleme bestehen schon lange - Eine Besserung scheint dabei nicht in Sicht. Aber es gibt auch positive Entwicklungen.

Schiersteiner Hafen: Muss sich etwas ändern?

Wer an einem schönen Tag die Promenade des Schiersteiner Hafens entlang spaziert, kann sich schon einmal wie im Urlaub fühlen. Wenn sich die Boote aneinanderreihen und die Sonne auf das Wasser scheint, hat das fast schon mediterranes Flair. Doch nicht alle Wiesbadener sind mit der Situation vor Ort zufrieden. Merkurist-Leser Roy findet, der Hafen habe noch viel mehr Potenzial:

Er kritisiert, dass es kaum Zugang zum Wasser gibt und Teile des Hafens verwildert seien. Ein Indiz dafür, dass der Hafen nicht attraktiv genug ist, sind für ihn auch die häufigen Pächterwechsel in den Restaurants vor Ort. So wurde aus dem ehemaligen „Café Orange“ in der Backfischgasse 24 innerhalb der letzten zwei Jahre erst ein Restaurant und dann eine Shisha-Bar. Jetzt steht das Gebäude wieder leer. Auch die Pächterin des „Restaurant Rheinhalle“ nebenan gab erst in diesem Jahr bekannt, das Lokal nach nur zwei Jahren Betrieb wieder abzugeben. Es drängt sich also die Frage auf: Braucht der Schiersteiner Hafen eine Veränderung?

Ortsbeirat sieht Handlungsbedarf

„Auch der Ortsbeirat hat großes Interesse, das Gelände rund um den Hafen attraktiver zu machen.“ - Walter Richters, stellvertretender Ortsvorsteher

„Auch der Ortsbeirat hat großes Interesse, das Gelände rund um den Hafen attraktiver zu machen“, pflichtet Walter Richters (Grüne), stellvertretender Schiersteiner Ortsvorsteher, Leser Roy bei. Genau wegen solchen Kritiken, gab es 2016 einen runden Tisch. Daraufhin wurde die Hafenpromenade häufiger gereinigt, es wurden weitere Abfallkörbe installiert und neue Bänke und Sitzsteine aufgestellt. Und dennoch: Alle Probleme sind damit nicht gelöst, wie Richters erklärt.

Bund in der Pflicht

Viele Probleme würden nicht gelöst werden, weil der Bund in der Zuständigkeit stehe. So gehört rund 84 Prozent des Hafenbeckens der Bundesrepublik, vertreten durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein (WSA Rhein), das aus den Ämtern Bingen, Köln und Duisburg-Rhein hervorgeht.

Dem WSA Rhein gehört damit nicht nur viel Fläche rund um den Hafen, es ist auch dafür zuständig, sich um die jeweiligen Uferbereiche zu kümmern. Wie das WSA mitteilt, pflege es die Uferbereiche regelmäßig, mache Rückschnittarbeiten und überprüfe jährlich den Zustand der Uferbefestigungen, um dann notwendige Maßnahmen durchzuführen. Richters ist allerdings nicht gut auf die Bundesbehörde zu sprechen. „Der Schiersteiner Hafen ist für diese Behörde ein Arbeitshafen des Bundes und nur zweitrangig eine Freizeitfläche“, sagt er. Das mache sich vor allem bei zwei Dauerthemen bemerkbar.

Gelände auf Bismarksaue ist schon lange Thema

Zum einen fordert der Ortsbeirat schon seit Jahren, dass das ehemals von der Firma „Rein Energie“ genutzte Gelände auf der Bismarksaue verschönert wird. Dort wurden vor Jahren durch die Firma verursachte Bodenbelastungen festgestellt; der Boden wurde daraufhin versiegelt. Bis 2025 soll sich daran laut des Regierungspräsidiums Darmstadt auch nichts ändern, weil der Boden über lange Zeit kontrolliert werden muss. Eigentümer des Grundstücks ist das Schifffahrtsamt.

Der Ortsbeirat forderte von der Behörde, dass das Gelände zumindest umzäunt wird und in Zukunft eine Lösung gefunden wird, um die Fläche trotz Versiegelung schöner zu gestalten. 2016 stellte ein Sachbearbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen tatsächlich einen Zaun und Rückschnitte in Aussicht. Außerdem kündigte er an, Betonreste rückbauen lassen zu wollen und Abbruchmaterial entsorgen zu lassen. Getan hat sich bisher nichts.

Wie das Schifffahrtsamt auf Anfrage mitteilt, konnten die Maßnahmen bislang noch nicht durchgeführt werden, weil keine personellen Ressourcen zur Verfügung stünden. Auch die Auflage des Regierungspräsidiums, wonach die Fläche erst entsiegelt werden darf, wenn die zuständige Bodenschutzbehörde zustimmt, sei nach wie vor in Kraft.

Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: Wenn die Behörde die Fläche irgendwann freigibt, könnte das Gelände Teil des Masterplanes „Landschaftspark Bismarksaue“ der Stadt werden. Schon seit Jahren verwandelt die Stadt dort versiegelte Flächen in auentypische Biotope. Bisher wurden unter anderem einige Flächen beweidet; 2016 legte das Umweltamt außerdem ein etwa 40 Meter langes Amphibiengewässer an. Auch ein erster Entwurf, der das Gelände der ehemaligen Firma „Rein Energie“ berücksichtigt, liege der Stadt bereits vor, so ein Sprecher.

Weiteres Dauerthema: Sanierung des Hafenbeckens

Eine weitere lange bestehende Forderung des Ortsbeirates wäre auch im Sinne von Merkurist-Leser Roy, der sich mehr Zugang zum Wasser wünscht: „Toll wäre es aus Sicht des Ortsbeirats, wenn man im Hafen wieder baden könnte, etwa am westlichen Rand, wo sich früher eine Badeanstalt befand“, so Walter Richters. „Dazu müsste der Hafen allerdings zuerst vom Gift im Schlick befreit werden oder besser einmal vernünftig ganz ausgebaggert. Wiesbaden würde seinen prozentualen Anteil beitragen, aber auch hier mauert der Bund.“

„Insofern ist mittelfristig nicht von einer Entschlammung des Hafenbeckens auszugehen.“ - Sprecher der Stadt

Schon seit Jahren ist bekannt, dass der Schlamm im Hafenbecken mit Schadstoffen belastet ist. Deshalb ist das Angeln im Hafen auch verboten. Die Stadt wollte sich an einer Sanierung beteiligen, der Bund lehnte solche Arbeiten allerdings mehrfach und zuletzt 2010 ab. Eine von der Stadt alleine getragene Teilsanierung würde sich nicht lohnen, weil der belastete Schlamm durch Strömungen und den Schiffsverkehr immer wieder in den sanierten Teil übergehen würde, so ein Sprecher. „Insofern ist mittelfristig nicht von einer Entschlammung des Hafenbeckens auszugehen.“ Darüber hinaus handele es sich beim Schiersteiner Hafen um einen gewerblich genutzten Hafen, bei dem erst geprüft werden müsste, ob nach einer Sanierung überhaupt eine Badestelle eingeführt werden könnte. Und so bleibt sowohl das Angel-, als auch das Badeverbot weiter bestehen.

Es gibt auch positive Entwicklungen

„Im vergangenen Jahr hatten wir in ganz Wiesbaden insgesamt 9031 Meldungen, davon entfielen 27 auf den Bereich rund um den Hafen.“ - Frank Sand, Stabsstelle Sauberes Wiesbaden

Bei all den festgefahrenen Problemen, sieht Walter Richters aber auch positive Entwicklungen am Schiersteiner Hafen. So sei zum Beispiel die im Februar neu eingeführte testweise Fußgängerzone in der Hafenstraße ein Schritt in die richtige Richtung. Auch das Dauerthema Sauberkeit habe sich zum Positiven entwickelt, was auch Frank Sand, von der Stabsstelle Sauberes Wiesbaden, bestätigt. Über die App Sauberes Wiesbaden werden vergleichsweise wenige illegale Müllablagerungen gemeldet: „Im vergangenen Jahr hatten wir in ganz Wiesbaden insgesamt 9031 Meldungen, davon entfielen auf Schierstein 194 Meldungen und 27 auf den Bereich rund um den Hafen“, so Sand.

Hoffnung für Gastronomie am Hafen

Auch in Sachen Gastronomie tue sich in naher Zukunft etwas, so Richters. „Die Rheinhalle wird wohl im Frühjahr nach umfänglichen Sanierungsarbeiten wieder an den Start gehen, und selbst für das ehemalige ‘Café Orange’ stehen die Chancen nicht schlecht, dass dort wieder ein Lokal eröffnet.“ In einer Ortsbeiratssitzung hat er erfahren, dass schon ein neues Nutzungskonzept bestehen soll. Unter anderem werde erzählt, dass dieses wieder mehr dem Konzept des ursprünglichen Lokals in der Backfischgasse ähneln soll. (js)

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