In der Kneipe E-Zigarette rauchen - darf man das?

Immer mehr Raucher steigen von der herkömmlichen auf die E-Zigarette um. Dadurch ergeben sich auch neue Fragen rund um den Nichtraucherschutz. Da es sich um einen relativ neuen Trend handelt, ist vieles noch unkonkret.

In der Kneipe E-Zigarette rauchen - darf man das?

Man hat sich mittlerweile an das Bild gewöhnt: Vor den Bars, Kneipen und Restaurants tummeln sich die Raucher. Egal bei welchem Wetter - die durch den Nichtraucherschutz entstandene Zweckgemeinschaft aus „Vor-der-Tür-Rauchern“ ist vor beinahe jedem Lokal zu finden. Es sei denn, es handelt sich um eines der wenigen verbliebenen Raucherlokale. Durch den Siegeszug der E-Zigarette stellen sich nun aber viele die Frage: Muss ich überhaupt noch vor die Tür gehen? Immerhin wird in diesem Verfahren kein Tabak verbrannt. Spezielle Flüssigkeiten werden lediglich erhitzt, die vielen giftigen Stoffe, die beim Abbrennen einer Zigarette entstehen, gelangen dabei also gar nicht in die Luft. Darf man also beim Dampfen, wie der Genuss von E-Zigaretten genannt wird, im Innenraum bleiben?

„Es stört die anderen Gäste.“ - Mitarbeiter „Yours Sports Bar“

„Bei uns nicht“, erklärt ein Mitarbeiter der Yours Sports Bar in Wiesbaden. Die Bar wolle auch für Familien und Kinder offen sein, da passe das Dampfen nicht ins Bild. „Es stört die anderen Gäste“, so der Mitarbeiter. Zwar hätte es bereits Diskussionen mit Dampfern gegeben, die ihre E-Zigarette gerne im Gastraum rauchen wollten, „wir haben aber auch eine große Terrasse und einen Raucherraum“, in den sie dann verwiesen wurden. „Und da kann dann natürlich auch E-Zigarette geraucht werden“, wie der Mitarbeiter sagt.

Ähnlich sieht es auch das Hessische Gesundheitsministerium. Damit es nicht bei jeder neuen Form des Nikotinkonsum zu rechtlichen Grauzonen kommt, wird nicht zwischen Zigarette, E-Zigarette, Kräuterzigarette und anderen Formen differenziert. „In Hessen dürfen daher aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes E-Zigaretten nur in gekennzeichneten Raucherräumen konsumiert werden“, erklärt das Ministerium. „Gastwirten oder Leitern einer Einrichtung, die sich über das Verbot hinwegsetzen, eine Geldbuße bis zu 2500 Euro“, sagt Markus Büttner vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. Trotzdem erlauben einige Wirte den Konsum von E-Zigaretten. Wahrscheinlich aus Unwissenheit, immerhin sind E-Zigaretten ein relativ neuer Trend.

„Die Gesundheitsgefährdungen sind sowohl für den Tabak- als auch für den Konsum der elektronischen Rauchprodukte bewiesen.“ - Markus Büttner

„Aus vorsorglichem Gesundheitsschutz fallen unter das Nichtraucherschutzgesetz auch E-Zigaretten“, wie Büttner erklärt. Rauchen sei bis heute eines bedeutsames und vermeidbares Gesundheitsrisiko, deswegen könne es beim Gesundheitsschutz keine Abwägung geben. „Die Gesundheitsgefährdungen sind sowohl für den Tabak- als auch für den Konsum der elektronischen Rauchprodukte bewiesen“, sagt Büttner.

Risiko ungewiss

„Es fehlen zuverlässige Daten.“ - Bundesministerium für Risikobewertung

Doch wäre der Passivrauch für Kinder und Nichtraucher wirklich auch so gefährlich wie der einer konventionellen Zigarette? „Für eine fundierte Bewertung fehlen bislang zuverlässige Daten“, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Gefahren seien aber nicht auszuschließen, da die verdampften Flüssigkeiten zum Teil selbst gemischt werden und deren Inhaltsstoffe sowie deren Konzentration daher nicht immer nachvollziehbar seien. „Das bleibt angesichts der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten zum Experimentieren mit Inhaltsstoffen und Konzentrationen fraglich“, so das Institut. Was also am Ende von den Dampfern ausgeatmet wird und was davon wiederum von „Passivdampfern“ eingeatmet wird, bleibe fraglich.

Aufgrund der nicht vorhandenen Langzeitstudien und den vielfältigen Kombinationen verschiedener Flüssigkeiten, Inhaltsstoffe sowie einer Vielzahl verschiedener Verdampfer, empfiehlt das BfR daher, „E-Zigaretten in Nichtraucherbereichen wie herkömmliche Zigaretten zu behandeln und das E-Rauchen dort zu untersagen.“

Den Risiken und Vorteilen von E-Zigaretten widmen sich auch weltweit verschiedene Studien. Wirklich einig ist man sich bei der Bewertung der Verdampfer allerdings selten. So warnen Forscher aus Südkalifornien etwa vor Metallpartikeln, Blei und Chrom in den Verdampfungsprodukten. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen beruhigt hingegen: Alle in der Raumluft gemessenen Stoffe lägen unterhalb der Nachweisgrenze und stellten somit kein Gesundheitsrisiko dar. Diese Studie wurde allerdings vom Verband des E-Zigarettenhandels in Auftrag gegeben, wie das Hamburger Abendblatt schreibt.

Dampfen erlaubt

„Solange sich niemand beschwert, darf gedampft werden.“ - Mitarbeiter „Maoamano Bar“

Ähnlich wie in den vielen verschiedenen Studien gehen auch die Meinungen bei den Wiesbadener Gastwirten auseinander. Im Gegensatz zur Yours Sportsbar sei in der Manoamano Bar in der Taunusstraße die E-Zigarette erlaubt, wie ein Mitarbeiter erklärt. „Solange keine Riesen-Wolken entstehen und sich andere Gäste nicht beschweren, darf bei uns gedampft werden“, sagt er.

Noch einen Schritt weiter geht der Geschäftsführer der Kneipe Pupasch, Konstantinos Siozos. „Aufgrund der sehr weiten Verbreitung der E-Zigaretten prüfen wir gerade, ob wir dafür eine Ladestation aufstellen“, erklärt er. Die Geräte werden von einem Akku betrieben und müssen regelmäßig wieder aufgeladen werden. „Da wir aber über einen sehr großen Raucherbereich verfügen, stellt sich bei uns die Problematik um das Dampfen im Innenraum eher nicht“, so Siozos.

Gesellige Außenseiter

„Meist gehen die Dampfer raus zum Dampfen.“ - Mitarbeiter „Maoamano Bar“

In vielen anderen Lokalen in Wiesbaden bleibt den Dampfern in Zukunft auch nur der Gang nach Draußen, wenn sie an ihren E-Zigaretten ziehen wollen. Da diese Regelung auch schon vor dem Siegeszug der E-Zigaretten weitestgehend von allen Rauchern akzeptiert wurde, dürfte dies für die meisten Dampfer auch keine Umstellung bedeuten. Immerhin findet man vor der Tür als „gemeinsam Ausgestoßene“ doch auch immer einen Gesprächspartner. „Meist gehen die Dampfer ohnehin raus zum Dampfen“, beschreibt der Mitarbeiter der Manoamano Bar die Situation.

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