Wie zwei Wiesbadener mit Hilfe von Friseuren den Klimawandel besiegen wollen

Sie pflanzen Friseurwälder und wollen Vorbild für einen besseren Klimaschutz sein: Was ein Wiesbadener Forstwissenschaftler und ein Friseur gemeinsam mit „Cut Climate Change“ erreichen wollen.

Wie zwei Wiesbadener mit Hilfe von Friseuren den Klimawandel besiegen wollen

Ein Forst- und Agrarwissenschaftler sowie ein Friseurmeister aus Wiesbaden gehen gemeinsame Wege. Im vergangenen Jahr gründeten Jan Borchert und Carlos Weiss die Deutsche Gesellschaft für klimaneutrales Handwerk (DGKH). Ihr Ziel: Den durch Betriebe verursachten CO2-Ausstoß sowie die klimaschädlichen Emissionen zu kompensieren. Als erste Branche ist das Friseurhandwerk dran. Ihre Maßnahme: Friseurwälder pflanzen.

Alle Friseursalons, die sich als Partner bei der Initiative beteiligen, können CO2- Zertifikate erwerben, um ihren Verbrauch auszugleichen. Damit möchte „Cut Climate Change“ zum Beispiel Waldschutzprojekte in Deutschland und Simbabwe unterstützen. In Indonesien wird zudem ein Wasserkraftwerk mit finanziert, um fossile Energieträger zu ersetzen. Auch in Hessen wurden bereits Bäume aufgeforstet. In Schlangenbad etwa haben freiwillige Helfer gemeinsam mit dem Hessen-Forst im Frühjahr Flächen bepflanzt, „auf der Bäume dem Klimawandel zum Opfer gefallen sind“, so Forstwissenschaftler Borchert. „Wir suchen Flächen, auf denen der Wald abgestorben ist und untersuchen, welche Baumarten dort in Zukunft klimastabil wachsen können.“

Friseurwälder für mehr Klimaschutz

2000 gepflanzte Mischwald-Bäume wurden bislang gesetzt, 1000 davon in der Nähe von Frankfurt. Auch die nächsten Aufforstungen sind bereits fest eingeplant: Sie sollen Anfang Dezember stattfinden, eine in der Pfalz und eine im Münsterland.

45 Friseursalons seien bereits Partner bei „Cut Climate Change“, und damit „klimapositiv“, wie Borchert erzählt, „durch den Ausgleich eines Teils der Vergangenheit und die Unterstützung der Aufforstung in Deutschland.“ Sieben weitere befinden sich in der Zertifizierung. „Wir erfahren großen Zuspruch in der Friseurbranche.“

Für 29 Euro pro Monat wird den Betrieben jährlich die CO2-Bilanz berechnet sowie der entsprechende Ausgleich. Der Salon wird dann Teil des „Friseurwalds“ und hat die Möglichkeit, sich regional an Aufforstungsprojekten zu beteiligen. 1250 Tonnen CO2-Zertifikate habe die DGKH bereits gekauft, davon seien heute 760 Tonnen CO2 ausgeglichen. „Wir gehen mit dem Kauf der Zertifikate in Vorleistung, um über eine größere Menge einen Preisvorteil zu erlangen, den wir dann an die Salons weitergeben können.“

Handwerk soll bis 2025 klimapositiv arbeiten

Die beiden Initiatoren hoffen nun, dass es mit ihrem Projekt gelingt, „die breite Masse abzuholen und eine ‘einfache’ Lösung zu präsentieren, dann klappt es auch, eine Bewegung zu schaffen, die den Klimawandel besiegt,“ so Borchert. „Der Klimawandel ist eine unserer größten Herausforderungen und schreitet unerbittlich fort. Weltweit steigen die Treibhausgas-Emissionen stetig an“, erklärt Borchert. „Im Durchschnitt gehen jährlich etwas mehr als elf Tonnen Treibhausgas-Emissionen auf das Konto eines einzigen deutschen Durchschnittsbürgers, verursacht durch Wohnen, Heizen, Reisen, Ernährung und viele weitere Aktivitäten des Alltags.“

Der Vorteil bei den Friseuren sei der nahe Kontakt zu den Kunden. „Der Einfluss durch klimapositive Friseure auf das Verhalten der Endkunden ist nicht zu vernachlässigen und ein positiver Nebeneffekt für den Weg zu mehr Bewusstsein.“ Ihre Vision sei es nun, bis 2025 das gesamte Handwerk klimapositiv arbeiten zu lassen.

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