Was es mit der klingelnden Fahradkolonne auf sich hat

Sie sind viele, sie fahren Fahrrad und sie sind laut — zumindest ihre Klingeln sind es. Einmal im Monat bewegt sich ein Fahradkorso durch Wiesbaden. Was dahinter steckt.

Was es mit der klingelnden Fahradkolonne auf sich hat

Fahrradfahren in Wiesbaden ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Das sagt nicht nur der ADFC Fahrradklimatest. Es belegen auch immer wieder Erzählungen und Erlebnisse von jedem einzelnen Wiesbadener Fahrradfahrer. Denn wer in der Landeshauptstadt regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist, weiß sicher von mindestens einer ärgerlichen, absurden oder sogar gefährlichen Situation zu erzählen.

Trotzdem — oder gerade eben deswegen — wagen sich mindestens einmal im Monat ziemlich viele Wiesbadener auf die Straßen der Stadt. Fernab von Fahrradwegen, fahren sie klingelnd, hinter- und nebeneinander über die Hauptverkehrsstraßen, blockieren Kreuzungen und treiben so manchen Autofahrer in den Wahnsinn.

Auf Probleme aufmerksam machen

Ärgern will dieser Fahrradcorso die Autofahrer nicht. Vielmehr geht es darum, darauf aufmerksam zu machen, dass auch Radfahrer Verkehrsteilnehmer sind und die Straßen nicht nur den Autos gehören. Die „klingelnde Fahrradgang“, wie Merkurist-Leserin Clara die Radfahrer bezeichnet, nennt sich selbst „Critical Mass“. Die Kritische Masse gibt es in vielen Städten auf der ganzen Welt und auch in Wiesbaden rollen sie an jedem dritten Freitag im Monat durch die Stadt.

Einen Sprecher, Vorsitzenden oder Chef gibt es nicht — die Bewegung ist nicht organisiert. Vielmehr finden sich dort einfach nur Radfahrer zusammen, die genug von den Benachteiligungen und gefährlichen Situationen im alltäglichen Straßenverkehr haben. Laut dem Bündnis Verkehrswende ist der Fahrradkorso, damals noch als Vorläufer zur „Critical Mass“, eine Form von „kreativer, politischer Stellungnahme zur bisherigen Verkehrspolitik der Stadt Wiesbaden“, heißt es auf der Homepage.

Der Clou an der „Critical Mass“: Laut der Straßenverkehrsordnung zählt eine Gruppe von mindestens 16 Fahrzeugen als geschlossener Verband. Diesem ist es erlaubt, nebeneinander auf einer Fahrspur zu fahren. Daraus ergeben sich für die Fahrradkorsos auch besondere Rechte. So dürfen beispielsweise die hinten fahrenden Teilnehmer auch über eine rote Ampel fahren, wenn der vordere Teil der Gruppe diese bei Grün passiert hat.

Wer sich der Bewegung anschließen, oder sich das Spektakel einfach nur mal anschauen möchte, kann das an jedem dritten Freitag im Monat tun. Der nächste Termin ist der 16. August. Die „Critical Mass“ startet jeweils am Hauptbahnhof und ist anschließend 45 bis 60 Minuten in der Stadt unterwegs. (js)

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