„Verantwortungslos“ - Eltern und Lehrer stellen sich gegen Schulöffnungen

Für Abschlussklassen soll am Montag in Hessen der Unterricht wieder beginnen. Eltern- und Lehrerverbände kritisieren diesen Schritt scharf, da Schulen unzureichend auf die Situation vorbereitet seien.

„Verantwortungslos“ - Eltern und Lehrer stellen sich gegen Schulöffnungen

Sechs Wochen lang mussten die Schulen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie schließen. Durch die abflachende Zahl der Infektion sah sich die hessische Landesregierung am 16. April aber ermutigt, zumindest für Abschlussklassen ab Montag, 27. April den Unterricht wieder aufzunehmen. Eigentlich sollten auch Viertklässler an dem Tag wieder in die Schulen zurückkehren, das wurde nach der Klage einer Schülerin durch den Verwaltungsgerichtshof jedoch kurzfristig untersagt (wir berichteten).

Kritik am Kultusministerium

„Die Entscheidung zur schrittweisen Wiederaufnahme des Unterrichts an hessischen Schulen ist unverantwortlich.“ - GEW Wiesbaden

Dass Abschlussklassen ab Montag wieder in die Schule zurück müssen, stößt bei Eltern- und Lehrerverbänden auf heftige Kritik: „Die Entscheidung zur schrittweisen Wiederaufnahme des Unterrichts an hessischen Schulen ist unverantwortlich“, heißt es in einer Mitteilung der Lehrergewerkschaft GEW in Wiesbaden. So habe es von Seiten des Kultusministeriums zwar umfangreiche Anweisungen zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen gegeben, die Umsetzung sei aber alleine den Schulleitern überlassen. Diese sehen unter anderem vor, dass Tische in den Klassenräumen zur Einhaltung des Mindestabstands 1,50 Meter auseinander stehen sollen und sich Schüler und Lehrer regelmäßig die Hände waschen.

Die Gewerkschaft rät allen Schulleitern, dass wenn ihre Schule aus ihrer Sicht nicht in der Lage ist, die Hygienestandards einzuhalten, diese zu schließen. „Die Gesundheit der Beschäftigten und der Kinder und Jugendlichen hat für uns oberste Priorität. Macht nur das, was verantwortlich geht!“, so die GEW.

Unzureichende Reinigung

Der Stadtelternbeirat Wiesbaden (Steb) lobt das Engagement der Schulen, welche in den letzten Tagen viel dafür getan hätten, die Hygienemaßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig übt er aber auch scharfe Kritik am Kultusministerium: „Von Seiten des hessischen Kultusministeriums wurde versäumt, rechtzeitig die erforderlichen Vorgaben zu machen und Unterstützung zu leisten. Schulleitungen und Lehrkräfte sind keine Hygienespezialisten!“ sagt David Böhne, Vorsitzender des Steb Wiesbaden.

Das Land gibt etwa vor, dass gemeinsam genutzte Oberflächen wie Lichtschalter oder Tische regelmäßig gereinigt werden, bevor diese von anderen Schülern genutzt werden. Um das durchzuführen, reichen die Kapazitäten der Reinigungskräfte in den Schulen jedoch nicht aus. „Mit Entsetzen haben wir den Hinweis der Stadt gelesen, in solchen Fällen, die Reinigungsarbeiten durch die Schüler durchführen zu lassen“, so Böhme. Auch sonst kritisieren sie die Arbeit der Reinigungskräfte, da diese „allenfalls marginal“ sei. Auch seien zu wenig Seife und Papierhandtücher in den Schulen vorhanden, weil deren Bestand erst vor wenigen Tagen geprüft wurde und rechtzeitige Bestellungen so nicht möglich seien.

„Die übereilte, schlecht vorbereitete Wiedereröffnung der Schulen halten wir gesellschaftlich für verantwortungslos“, David Böhme, Elternbeirat Wiesbaden

Der Steb schließt sich daher einer Forderung des Landeselternbeirats an, die Schüler vorerst nicht in die Schulen zu schicken. „Die Schulen dürfen erst dann geöffnet werden, wenn alle Voraussetzungen für eine sichere Rückkehr der Schüler und Lehrer gegeben sind“, so Böhme. „Die übereilte, schlecht vorbereitete Wiedereröffnung der Schulen halten wir gesellschaftlich für verantwortungslos.“ (ms)

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