„Das löst das Problem nicht“ - Jugendliche kritisieren Alkoholverbot

Zur Reduzierung der Corona-Infektionen gilt ab Freitag in Wiesbaden ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol. Aus Sicht des Jugendparlaments ist das der falsche Weg.

„Das löst das Problem nicht“ - Jugendliche kritisieren Alkoholverbot

Fröhlich feiernde Menschen, die sich eng in den Gassen der Wiesbadener Innenstadt drängen — So sahen die vergangenen Wochenenden häufig aus. Das könnte sich in dieser Woche aber ändern. Wegen der steigenden Corona-Zahlen hat die Stadt ab Freitag ein Verkaufsverbot für Alkohol verhängt. In der Zeit von 0 bis 6 Uhr dürfen Geschäfte und Gastronomien keine alkoholischen Getränke mehr verkaufen oder ausschänken.

Falscher Weg

Wenn es nach dem Wiesbadener Jugendparlament geht ist das der falsche Schritt. „Mit Bedauern blicken wir auf die jüngsten Entscheidungen des Gremiums zu neuen Einschränkungen“, kommentiert Noah Benjamin Said, Vorsitzender des Jugendparlaments, die Entscheidung der Stadt. Das Parlament sei enttäuscht, dass es bei so einer weitreichenden Entscheidung nicht zuvor gefragt worden war. Zudem verweist Said auf eine Aussage der Stadt von Anfang August. Gegenüber Merkurist hatte ein Sprecher damals erklärt, dass ein Verbot von Alkohol nicht geplant sei und dafür auch die Rechtsgrundlage fehle.

Laut Said führe das Verkaufsverbot lediglich dazu, dass sich die bereits angespannte Lage in der Gastronomie weiter verschlechtere. Volle Innenstädte könne man so nicht verhindern: „Realistischer Weise muss man sagen, dass die Jugendlichen sich ihren Alkohol nicht um 0 Uhr, sondern bis 22 Uhr im Rewe in der Langgasse, Lili oder Luisenforum kaufen“, so Said. Partys würden durch das Verbot nicht verhindert, sondern verlagern sich andere Orte, etwa am Schlachthof, in Biebricher Parks oder nach Hause. Zudem haben viele Gastronomen in der Innenstadt bereits neue Öffnungszeiten bekannt gegeben, viele wollen auch am Wochenende nicht mehr länger als bis Mitternacht öffnen.

Said wünscht sich, dass sich die Verantwortlichen in Wiesbaden vor Maßnahmen wie dem Alkoholverbot in Zukunft zuvor mit dem Jugendparlament beraten. „Wir sind im Jugendparlament sicherlich keine Experten, um die effizientesten Corona-Maßnahmen zu beschließen, dennoch möchten wir so gut es geht, die Interessen der Jugendlichen auch in dieser schwierigen Zeit gut nach außen vertreten“, so der Vorsitzende. (js)

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