Wie Wiesbadener Schüler mit Homeschooling umgehen

Seit Mitte März lernen die Wiesbadener Schüler nur noch von zuhause aus. Statt als verlängerte Ferien, sehen die meisten die Schulschließungen als großen Stress an.

Wie Wiesbadener Schüler mit Homeschooling umgehen

„Cool“, „Gewöhnungsbedürftig“, „Neu“ und „Komisch“ - so beschreiben Wiesbadener Schüler ihre aktuelle Situation. Weil die Schulen seit dem 16. März für den Unterricht geschlossen sind, mussten die meisten die Wochen vor den Osterferien für selbstständiges Lernen nutzen. Wie gut das funktioniert, haben wir gemeinsam mit dem Stadtschülerrat Wiesbaden (SSR) rund 180 Schüler gefragt.

Neue Strukturen

„Die Struktur geht verloren und man muss sich erstmal neu orientieren.“ - Oberstufenschüler

Große Probleme mit dem Unterricht zuhause hatten demnach vor allem die Oberstufenschüler. Viele von ihnen vermissen die Lernatmosphäre im Klassenzimmer. „Es ist ungewohnt, die Struktur geht verloren und man muss sich erstmal neu orientieren“, erzählt ein Schüler der Klassenstufe 11 von der Theodor-Fliedner-Schule. Messenger-Dienste und Videokonferenzen können den echten Schulalltag für ihn nicht ersetzen. Andere beklagen sogar, dass zuhause gar keine Lernatmosphäre aufkomme, vor allem, wenn sie gleichzeitig auf jüngere Geschwister aufpassen müssen, die derzeit nicht in die Kita können.

„Ich wäre lieber in der Schule. Da bin ich konzentrierter“, sagt auch ein Achtklässler von der Oranienschule. Auch für ihn heißt es im Moment von zuhause aus büffeln. In seiner Klassenstufe empfinden viele das Aufgabenpensum im Moment als zu hoch. „Man ist auf sich alleine gestellt und fühlt sich in Anbetracht der bevorstehenden Prüfungen verunsichert“, sagt auch eine 9. Klässlerin von der IGS Alexej-von-Jawlensky.

Notendruck

Noch mehr unter Druck gesetzt fühlten sich die Abiturienten, die bis Anfang April noch zu den Prüfungen antreten mussten, obwohl sie in den Wochen zuvor ihre Lehrer nicht für Nachfragen persönlich treffen konnten. Viele gaben in der Umfrage deshalb an, sich nicht gut genug vorbereitet gefühlt zu haben, auch weil Treffen in Lerngruppen oder Bibliotheksbesuche nicht möglich waren. Doch auch in anderen Klassenstufen dreht sich bei vielen Schülern derzeit alles um das Thema Noten.

„Vermissen auch die täglichen Treffen mit Freunden.“ - Joshua Laubinger, Stadtschulsprecher

„Da die Leistungen, die zuhause erbracht werden, nicht gewertet werden, haben wir in diesem Schulhalbjahr bisher nur einen vollen Monat, in dem alles normal lief“, fasst Stadtschulsprecher Joshua Laubinger zusammen. Er bekomme im Moment oft mit, dass Schüler sich Sorgen machen — vor allem, weil noch nicht ganz klar ist, wann der Unterricht wieder seinen normalen Gang nimmt. Dennoch, so fasst er seinen Eindruck zusammen, haben die meisten Verständnis für die besondere Maßnahme. „Doch es ist nicht nur der Unterricht, der viele beschäftigt“, fügt er hinzu, „stattdessen vermissen viele auch einfach die täglichen Treffen mit Freunden — auch das gehört zum Schulalltag schließlich dazu.“ (ms)

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