Wie Supermärkte in Wiesbaden auf Hamsterkäufe reagieren

Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel sind noch immer in vielen Geschäften ausverkauft. Einige Läden reagieren auf die ungewohnt hohe Nachfrage mit Abgabebegrenzungen, eine einheitliche Regelung durch die Politik gibt es in Wiesbaden aber nicht.

Wie Supermärkte in Wiesbaden auf Hamsterkäufe reagieren

„Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen.“ Auf Schildern, Ausdrucken und auch als Hinweise von Verkäufern, kennen viele Wiesbadener diesen Satz seit einigen Tagen von ihrem täglichen Einkauf. Um Hamsterkäufen entgegenzuwirken, organisieren sich viele Geschäfte in der Stadt. In einigen Drogerien darf jeder Kunde nur noch eine Packung Toilettenpapier kaufen, in manchen Läden gibt es Mehl sogar nur noch auf Nachfrage, statt im Regal.

„Manche Kunden kommen einfach eine halbe Stunde später nochmal.“ - Kassiererin über Hamsterkäufer in Wiesbaden

„Manche Kunden kommen einfach eine halbe Stunde später nochmal“, erzählt eine Kassiererin in einem Wiesbadener Drogeriemarkt. Nicht alle Kunden haben bisher verstanden, dass die Waren auch für andere reichen sollen. Dabei sind vor allem Hygieneartikel wie Handseife und Papiertücher, aber auch haltbare Lebensmittel wie Konserven, Reis und Nudeln noch immer Mangelware in vielen Geschäften.

Lieferketten neu organisieren

„Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, beschränken wir die Abgabe von Toilettenpapier“, erklärt ein Sprecher der Drogeriekette „Rossmann“ auf Nachfrage von Merkurist. andere Ketten berichten von Limitierungen bei Grundnahrungsmitteln und Konserven. Eine Knappheit herrsche generell nicht, doch aufgrund der erhöhten Nachfrage müssen die Lieferungen neu organisiert werden, denn in der Coronakrise verkaufen sich manche Produkte einfach schneller als gewohnt.

Demnach haben unter anderem die großen Ketten Real, Aldi und Lidl bereits erste Änderungen in der Lieferkette veranlasst, um möglichst bald wieder alle gefragten Produkte vorrätig zu haben. Eine einheitliche Abgaberegel für Einkäufe gibt es in Wiesbaden aber bislang nicht.

Keine Vorgaben von der Stadt

In anderen Städten, etwa in Hanau oder Frankfurt, hat sich jetzt schon das Rathaus eingeklinkt und Verordnungen geschaffen, die den Hamsterkäufern entgegenwirken sollen. „Dabei werden aber eigentlich nicht die Abgabemengen geregelt, sondern die maximale Anzahl von Kunden auf einer Supermarkt-Verkaufsfläche begrenzt“, erklärt ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Auch in der hessischen Landeshauptstadt beobachte man das Kaufverhalten der Wiesbadener derzeit genau. Zudem finde ein regelmäßiger Austausch mit dem Einzelhandel statt.

„Sollte sich die Lage verändern, kann das noch einmal Thema werden.“ - Sprecher der Stadt Wiesbaden

Viele Geschäfte, vor allem kleine Bäckereien, oder Frischemärkte, bei denen Lebensmittel wie Obst und Gemüse offen in den Regalen liegen, begrenzen von sich aus den Einlass in die Geschäfte. „Deshalb gibt es in Wiesbaden bisher keine größeren Probleme damit“, so der Sprecher der Stadt. Eine einheitliche Regelung aus dem Rathaus sei deshalb bisher nicht getroffen worden, „doch sollte sich die Lage verändern, kann das noch einmal Thema werden.“

Dabei wolle die Stadt reagieren, falls sich ein Mangel in der Versorgung abzeichnen sollte. Dieser, so berichten mehrere Ketten auf Nachfrage von Merkurist, bestehe zurzeit nicht. Begrenzte Abgaben in bestimmten Filialen begründen die meisten Händler in unserer Umfrage damit, dass das Personal nicht mehr mit dem Befüllen der Regale nachkomme.

Diskussionen an der Kasse

„Wir erleben derzeit eine Ausnahmesituation.“ - Christoph Werner, dm

Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Drogeriekette „dm“ kennt die Situation gut und weiß, dass manche Kunden auch angespannt reagieren, wenn sie Waren wie Putzmittel und haltbare Biolebensmittel nur in beschränkten Mengen verkauft bekommen. „Wir erleben derzeit eine Ausnahmesituation, in der es auch in unseren dm-Märkten zu Diskussionen kommen kann“, sagt auch Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Drogeriekette „dm“. In den meisten Fällen reiche zwar ein Gespräch mit den Verkäufern aus, dennoch prüfe die Drogeriekette derzeit, ob in einigen Märkten Sicherheitspersonal eingesetzt werden soll.

Vorwürfe, dass Regale derzeit nicht immer gefüllt sind, machen die Ketten ihren Mitarbeitern nicht. Stattdessen fordern die gefragten Unternehmen auch Rücksicht von ihren Kunden. „Wir appellieren an unsere Kunden, fair zu bleiben und nicht mehr als eine haushaltsübliche Menge pro Artikel zu kaufen, so dass eine möglichst hohe Anzahl von Kunden mit Waren versorgt werden kann“, heißt es zum Beispiel von Seiten der Kette Real. (nl)

Logo