Wiesbadener Sternschnuppenmarkt: Gehen bald die Lichter aus?

Die Sorge um die steigende Zahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt mittlerweile von Tag zu Tag zu. Experten fordern nun eine sofortige Absage von Großveranstaltungen. Was das für den Sternschnuppenmarkt bedeuten könnte.

Wiesbadener Sternschnuppenmarkt: Gehen bald die Lichter aus?

Erst in der vergangenen Woche hat Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) den Sternschnuppenmarkt eröffnet. Doch gehen die Lichter womöglich bald schon wieder aus? Denn fast jeden Tag erreichen Deutschland neue Hiobsbotschaften. Rund 70.000 Menschen infizieren sich mittlerweile pro Tag neu mit dem Coronavirus. Und seit diesem Wochenende wurde nun auch in Hessen der erste Fall der neuartigen Omikron-Variante nachgewiesen, die noch einmal ansteckender sein soll als die Delta-Variante (wir berichteten).

Forderung: „Weihnachtsmärkte schließen“

Angesichts dieser ransanten negativen Entwicklung der aktuellen Corona-Situation scheinen die aktuellen Regelung auf dem Markt vielen Kritikern nicht mehr auszureichen. OB Mende erklärte hierzu: „Bevor der Sternschnuppenmarkt beendet oder abgesagt werden würde, wäre eine 2G- oder 2G-plus-Variante die vorzugswürdige.“ Das sei man auch den Beschickern schuldig, die schon seit dem letzten Jahr einem „massiven wirtschaftlichen Stresstest“ ausgesetzt seien, so Mende. Doch auch diese Regelungen scheinen vielen Experten und Politikern nun nicht mehr weit genug zu gehen.

So fordert der Vorsitzende des Weltärztebunds Frank Ulrich Montgomery eine strikte Reduzierung der Kontakte, um die Infektionskurve wieder zu senken. „Wir sollten deswegen die Weihnachtsmärkte bundesweit schließen. Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind“, so Montgomery gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Und auch der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) brachte in der Talkshow „Markus Lanz“ am Donnerstag eine Schließung der Weihnachtsmärkte ins Spiel, vermied aber in diesem Zusammenhang, von einem generellen Lockdown zu sprechen. Diesen schließt jedoch mittlerweile der künftige Budeskanzler Olaf Scholz (SPD) nicht mehr aus, wie er auf Twitter mitteilte, auch wenn er das Wort konkret nicht benutzte: „Wir werden ­alles tun, was nötig ist. Es gibt nichts, was nicht in Betracht gezogen ­werden kann.“

Keinen Grund zur Panik sieht hingegen der Aerosolwissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch. Zumindest bei Veranstaltungen im Freien sieht er keine Gefahren. Wie Scheuch sagt, finde die Hauptübertragung von Corona-Viren über Aerosole statt. „Die verwehen im Freien sofort.“ Eine Übertragung könne es nur geben, wenn man sich fünf bis 15 Minuten dicht gegenüberstehe. „Doch auch dann ist nur eine Eins-zu-Eins-Übertragung möglich, nicht ein Cluster wie in Innenräumen“, erklärte der Wissenschaftler im Gespräch mit Merkurist.

Hospitalisierungsinzidenz in Hessen leicht kritisch

In Hessen gilt indes weiterhin die für die Pandemiebekämpfung maßgebliche landesweite 7-Tages-Hospitalisierungsinzidenz. Diese beträgt am Sonntag 4,18 pro 100.000 Einwohner, wie das Sozialministerium bekanntgibt. Erst ab einem Wert von 6 tritt die 2G-plus-Regelung (Genesene und Geimpfte müssen getestet sein) in Kraft. Dass die Rate in den kommenden Tagen überschritten wird, scheint momentan nicht mehr ausgeschlossen werden zu können. Dies würde dann noch einmal eine Verschärfung der Zugangsregelungen bedeuten.

Unabhängig von der Entwicklung der Hospitalisierungsrate sollen nach Informationen der „Bild“ von der künftigen Bundesregierung in der kommenden Woche neue Maß­nahmen beschlossen werden. Vor ­allem bei Großveranstaltungen sollen demnach neue Regelungen her. Was das nun konkret für Weihnachtsmärkte bedeutet, ist noch nicht zu beantworten. Wer den Sternschnuppenmarkt besuchen möchte, könnte unter Umständen vielleicht aber nicht mehr allzuviel Zeit dazu haben.

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