Wie geht es mit den Tanzschulen weiter?

Fällt die Inzidenz unter 100, dürfen auch die Tanzschulen wieder öffnen. Unter welchen Voraussetzungen können die Kurse überhaupt stattfinden? Wir haben mit Betreibern aus Wiesbaden, Mainz und Mainz-Bingen gesprochen.

Wie geht es mit den Tanzschulen weiter?

Erst, wenn die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft unter 100 bleibt, dürfen auch Tanzschulen wieder öffnen. Dann gilt: Training innen und außen ist für eine Person je 20 Quadratmeter möglich. In Wiesbaden liegen die Werte weiterhin bei über 100. Serge Richard, Geschäftsführer der ADTV Tanzschule, ist dennoch optimistisch. „Wir planen, am 10. Juni wieder zum Präsenzunterricht zurückzukehren“, erklärt Richard.

Im Rahmen der Vorgaben hat sich die Schule ein Hygienekonzept zertifizieren lassen, unter anderem mit luftgereinigten Sälen in der Tanzvilla. Auch die traditionell großen Bälle auf dem Galerieschiff Rhenus und in der Casinogesellschaft sollen wieder stattfinden, sobald es die Situation zulässt. Nach den Sommerferien startet Richard dann mit einem breit angelegten Angebot: mit Kindertanz, Fitnessgymnastik, Tango Argentino und Hochzeitswalzer.

Erfolgreiche Live-Videokurse

Fast 200 Videoanleitungen hatten Richard und sein Team während der Schließungen erstellt, hinzu kamen Kurse und Gruppenangebote per Live-Videomeetings. „Wir hatten erfreuliche Einschaltquoten, denn hier kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz“, so Richard. „Sich regelmäßig zu sehen ist in dieser kontaktbeschränkten Zeit ein wichtiger Faktor.“ Für ihn ist das Tanzen unverzichtbar: „Ob Kinder oder Erwachsene, ob Fitness oder Tango – das gemeinsame Erleben, das fröhliche Lernen in der Gruppe, die Unterhaltung und auch die Ablenkung vom Alltäglichen, die Lebensfreude haben unter der Pandemie sehr gelitten.“

Kritisch sieht er die Regelungen in der aktuellen Gesetzgebung: Weder sei klar, zu welchem Bereich Tanzschulen gehören, noch, ob beispielsweise ein Tanzpaar als eine Person oder als ein Haushalt zählt. „Es ist mir kein einziger Infektionsfall in einer Tanzschule bekannt, dennoch mussten alle den Präsenzunterricht einstellen, selbst Einzelstunden mit einem einzigen Paar waren zeitweise untersagt“, so Richard.

Mainzer Tanzschulen können ab 2. Juni öffnen

Eine andere Situation liegt auf der gegenüberliegenden Rheinseite vor: In Mainz dürfen Tanzschulen ab dem 2. Juni wieder öffnen, wenn die 7-Tage-Inzidenz weiterhin unter 100 bleibt (wir berichteten). „Wir planen, in Kürze wieder unseren Mainzer Tanzsaal öffnen zu können“, sagt Tina Willius-Senzer von der gleichnamigen Tanzschule. Die Schule hat ein 2-Stufen-Konzept erarbeitet: Im ersten Schritt soll es Präsenz-Unterricht für die derzeit aktiven Tänzer geben. Zum Ende der Ferien wollen sie dann mit einem umfangreichen Tanzangebot starten, mit mehr als 150 Kursen pro Woche auch für Neu- und Wiedereinsteiger. „Bis es zur ‘neuen Normalität’ kommt, wird es meines Erachtens noch etwas dauern, aber wir sind sehr optimistisch“, so Willius-Senzer.

An ihrem zweiten Standort in Nieder-Olm kann die Tanzschule Willius-Senzer bereits seit dieser Woche Outdoor-Tanzkurse für Kinder auf einem großen Grillplatz anbieten. „Falls Nachbarn sich von der Musik belästigt fühlen, tanzen wir einfach mit Kopfhörern“, berichtet Willius-Senzer. Dass die Kinder-Tanzkurse wieder starten können, freut sie besonders: „So vielen Kindern und Jugendlichen fehlt dieses soziale Miteinander, die Leichtigkeit des Seins. Bei Jugendlichen gehört Tanzen wie der Führerschein zum Erwachsenwerden dazu.“

Doch auch Senioren, Paare, Singles fehle das Tanzen in der Gruppe, „die Lebensfreude, das Verbindende, die schöne Musik“, so die Tanzlehrerin. „Für viele Menschen ist das Tanzen ein Mini-Urlaub vom Alltag.“ Willius-Senzer hatte zwar während der Schließung eine Reihe von erfolgreichen Online-Livekursen angeboten, dennoch seien die Umsatzeinbußen enorm: „Ab dem ersten Lockdown bis November hatte uns eine Welle von Kündigungen erwischt, die uns sehr hart getroffen hat und uns um Jahre zurückwirft.“

„Bei Online-Kursen fehlt die Leidenschaft, das Persönliche“ - Deli Darvishi

Auch die älteste Salsa-Schule in Mainz, das SalsaDeli, hat die Schließung hart getroffen. Eine Öffnung ist für sie auch mit den geplanten Lockerungen nicht möglich: „Das lohnt sich nicht, unser Raum ist einfach zu klein“, so Deli Darvishi. Dass er gleichzeitig ein Hotel in der Nähe der Rheingoldhalle betreibt, trifft ihn doppelt. „Die meisten meiner Gäste waren Besucher von Kongressen, die ja aktuell nicht stattfinden können.“ Falls es die Situation im Sommer zulasse, möchte er mit Gleichgesinnten kostenlose Salsa-Kurse am Rheinufer in Mainz oder in Mainz-Kastel anbieten, „damit die Menschen wieder den normalen Alltag genießen können“. Auch Benefizkurse für Ärzte Ohne Grenzen plant er wieder ein. Und wenn der Rheinstrand wieder öffnet, werden vielleicht auch dort wieder Salsa-Tanzende zu sehen sein.

Auf Online-Kurse indes hat Deli Darvishi verzichtet, da fehle ihm das Persönliche. „Beim Salsa muss man sich spüren, die Musik, die Menschen. Die Leidenschaft ist wichtig.“

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