Warum sinkt die Inzidenz in Wiesbaden nicht auf unter 100?

Während in den meisten Städten in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet die 7-Tage-Inzidenz bei unter 100 liegt, ist Wiesbaden noch relativ weit davon entfernt. Was ist die Ursache dafür? Gab es größere Ausbrüche in der Stadt?

Warum sinkt die Inzidenz in Wiesbaden nicht auf unter 100?

Mainz, Darmstadt, Frankfurt und sogar der ehemalige Corona-Hotspot Offenbach - in allen größeren Städten im Rhein-Main-Gebiet ist die 7-Tage-Inzidenz mittlerweile auf unter 100 gesunken. In Wiesbaden sieht das anders aus. In der letzten Woche schwankte der Wert zwischen 130 und 120, gestern ist er auf 116,7 gesunken und heute liegt er wieder bei 117,1. Damit gilt in Wiesbaden weiterhin die Bundesnotbremse. Woran liegt es, dass die für die Lockerung der Corona-Regeln so wichtige 7-Tage-Inzidenz in Wiesbaden noch vergleichsweise hoch ist? Gab es größere Ausbrüche in der Stadt?

„Derzeit ist in Wiesbaden kein explizites Ausbruchsgeschehen festzustellen“, sagt Stadtpressesprecher Ralf Munser. Es gebe keine „Corona-Hotspots“, die die Inzidenz in die Höhe getrieben hätten. In Kitas habe es in den vergangenen Wochen einige Infektionen gegeben, die durch das Gesundheitsamt bearbeitet und nachverfolgt werden. Auch an Schulen wurden Infektionen festgestellt - allerdings nur vereinzelt. „Das ist auch auf die konsequente Durchführung von Selbsttestungen in den Schulen zurückzuführen“, erklärt Munser. Die positiven Selbsttest-Ergebnisse werden dem Gesundheitsamt gemeldet und ein PCR-Test angeordnet, um frühzeitig zu verhindern, dass sich das Virus ausbreitet und es zu größeren Ausbrüchen kommt.

Wurde die Ausgangssperre zu spät verhängt?

Woran liegt es dann, dass die Inzidenz weiter bei über 100 liegt? Eine Frage, die sich dabei stellt, ist: Hat Wiesbaden die Ausgangssperre zu spät verhängt? Während andere Städte sie schon früher eingeführt haben, gilt sie in Wiesbaden erst seit Inkrafttreten der Bundesnotbremse Ende April. Munser sagt dazu Folgendes: „Alle zuvor durchgeführten oder nicht durchgeführten Maßnahmen beruhten auf den Hessischen Verordnungen sowie dem Stufenplan des Hessischen Eskalationskonzepts und dessen Auslegungen auf kommunaler Ebene.“ Und das Hessische Konzept sehe eine Ausgangssperre als eine der letzten Maßnahmen vor, wenn ab einer Inzidenz von 100 die Infektionszahlen weiter steigen und die restlichen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, um eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Ob es etwas an den heutigen Inzidenzzahlen geändert hätte, wäre die Ausgangssperre früher in Kraft getreten, bleibt unklar. Denn wo und wann genau sich die meisten Wiesbadener infizieren und welchen Einfluss die Ausgangssperre darauf hat, kann auch die Stadt nicht beantworten: „Ein Großteil des Infektionsgeschehens bestätigt sich im engeren familiären Umfeld oder lässt sich weiterhin nicht zuordnen.“ Woran es genau liegt, dass der Inzidenzwert nicht weiter sinkt, ist damit schwer zu sagen.

Übrigens: Wenn es um die Inzidenz geht, gibt es immer wieder Diskussionen um die richtigen Werte. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet für Wiesbaden schon seit Beginn der Aufzeichnungen mit einer nicht ganz richtigen Einwohnerzahl. Die Stadt wird dennoch weiterhin den Wert des RKI veröffentlichen und sich an ihm orientieren, weil nur er für die Corona-Regeln maßgeblich ist.

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