Steigende Inzidenzen in Wiesbadener Kitas: So ist aktuell die Lage

Omikron treibt die Inzidenzen weiter in die Höhe, betroffen sind aktuell vor allem die Jüngeren. In Wiesbaden sind zahlreiche Kitas geschlossen oder teilgeschlossen. Warum gibt es dennoch keine strengeren Regelungen?

Steigende Inzidenzen in Wiesbadener Kitas: So ist aktuell die Lage

Die Inzidenzen steigen, vor allem in den Kitas sind Kinder und Erzieher von Quarantänemaßnahmen betroffen. Aktuell sind in Wiesbaden aufgrund der Corona-Situation sieben Kitas geschlossen, in 51 Einrichtungen sind einzelne Gruppen geschlossen beziehungsweise die Anzahl der Kinder ist reduziert – von 190 Kitas im gesamten Stadtgebiet (Stand: 1. Februar). „Einzelne Corona-Fälle gibt es sicherlich in mehr als der 58 Kitas, die geschlossen oder teilgeschlossen sind“, teilt Christoph Manjura, Wiesbadener Stadtrat im Dezernat für Soziales, Bildung, Wohnen und Integration, auf Merkurist-Anfrage mit.

Deutschlandweit legt die Omikron-Welle Kitas lahm. Keine andere Berufsgruppe setzt sich täglich einer so großen Anzahl an Ungeimpften aus, selbst dreifach geimpfte Erzieher erkranken und fallen damit aus. Die Belastungen des sowieso schon unterbesetzten Fachpersonals steigen weiter, in den Einrichtungen mangelt es dauerhaft an Betreuern. Eltern müssen sich angesichts der ständig drohenden Quarantäne mit Arbeit und Betreuung arrangieren. Und trotz der Forderungen von Seiten der Eltern- und Erzieherverbände gibt es weiterhin keine Testpflicht in den Kindergärten. „Wie kann es sein, dass bei einer Inzidenz über 1000 keine strikte Gruppentrennung/Tests in Kindergärten angeordnet wird?“, fragt auch Ramona R. in einem Snip auf Merkurist.

Hessenweit gilt Gruppentrennung in Kitas

Zumindest eine Gruppentrennung hat das Land Hessen in den Kitas angeordnet, und das bereits seit zweieinhalb Monaten: „Seit dem 25. November 2021 werden die Kinder nach Maßgabe des Hygienekonzepts des Landes Hessen in konstanten Gruppen betreut“, erklärt dazu eine Pressesprecherin des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. „Offene und teiloffene Konzepte müssen demnach eingeschränkt werden.“ Möglich sei aber ein Personalwechsel zwischen den Gruppen. Voraussetzung ist, dass „das geimpfte Personal das Angebot des Landes mindestens zweimal wöchentlichen Testung wahrnimmt und Beschäftigte ohne Impf- oder Genesenen-Nachweis getestet sind.“ So werde die Aufrechterhaltung des Betriebs erleichtert.

Zu den Regelungen gehöre auch, dass Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren, die eine Kita oder Kindertagespflegestelle besuchen, eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Auch auf Singen, dialogische Sprechübungen und sportliche Übungen soll im pädagogischen Alltag verzichtet werden. Das Land Hessen unterstütze darüber hinaus die Testungen für Fachkräfte und Kinder sowie die Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte für Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit, „um die Ansteckungsgefahr zu minimieren“, so die Pressesprecherin. „Die Regelungen werden vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens ständig überprüft und gegebenenfalls angepasst.“

Die vom Land verordnete Gruppentrennung würden auch in Wiesbaden „nach unserer Erfahrung“ alle Träger ernst nehmen. Doch das Thema werde weiterhin „heiß diskutiert“, denn eine vollständige Trennung sei in der Praxis kaum möglich, so Manjura. „Kindertagesstätten betreuen täglich eine Vielzahl an Kindern. Jedes dieser Kinder hat seine besonderen Bedürfnisse an Nähe, Neugier, Interaktion und dem sozialen Miteinander. Dies ist der Kern des Kitabetriebes, das unter den Pandemiebedingungen auch aufrecht erhalten werden muss und sollte.“ Darüber hinaus würden die baulichen und organisatorischen Gegebenheiten eine hundertprozentige Trennung unmöglich machen. „Die Kindertagesstätten tun alles dafür, Kinderbetreuung und Pandemieschutz zu gewährleisten. Eine absolute Sicherheit kann es aber natürlich nicht geben.“

Testpflicht sei eine zusätzliche Zugangsbeschränkung

Dass die Kinder stattdessen zu regelmäßigen Tests verpflichtet werden, sei ebenso kritisch: „Eine Testpflicht für Kinder würde tatsächlich dem Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung im Sozialgesetzbuch VIII zuwiderlaufen, weil es eine zusätzliche Zugangsbeschränkung wäre“, sagt Stadtrat Manjura dazu. Zudem würden die Infektionsketten in aller Regel von den Erwachsenen ausgehen. „Das bedeutet, dass Eltern ihre Kinder anstecken.“ Übertragungen in der Kindertagesstätte seien jedoch seltener zu beobachten. Die Verantwortung der Eltern spiele demnach eine entscheidende Rolle. „Hierzu haben wir ein dichtes Netz von Bürgerteststationen in Wiesbaden aufgebaut, bei dem sich jeder schnell, unbürokratisch und kostenfrei regelmäßig testen kann“, so Manjura.

„Die Entscheidung über die Testungen und damit auch die Auswahl der Testmethode liegt in den Händen der Akteure vor Ort“ – Pressesprecherin des Ministeriums für Soziales und Integration

Zuständig für die Organisation der Tests sind die Träger der Einrichtungen selbst. „Die Entscheidung über die Testungen und damit auch die Auswahl der Testmethode liegt im Einvernehmen mit den Kommunalen Spitzenverbänden in den Händen der Akteure vor Ort“, erklärt die Pressesprecherin des Ministeriums.

Wie Manjura verrät, habe die Stadt Wiesbaden dem Magistrat vorgeschlagen, von Februar bis April „zusätzlich und ergänzend jedem betreuten Kita-Kind zweimal wöchentlich Testungen anzubieten.“ Dazu plane die Stadt, entsprechende Test-Kits für die städtischen Kitas zu beschaffen und an die Eltern auszuhändigen. „Damit diese – auf freiwilliger Basis – ihr Kind testen können und dies gegenüber der Kita dann dokumentieren können“, erklärt der Stadtrat. Den freien Trägern würde die Hälfte der freiwilligen Testungen durch das Land Hessen finanziert, die Stadt wolle künftig weitere 25 Prozent der Kosten für die zweimalige freiwillige Testung erstatten.

Aktuell würden zweimal wöchentliche Tests in 20 Wiesbadener Kitas durchgeführt. „Die Nutzung hierbei ist in der Regel sehr gut, es gibt jedoch einzelne Kitas, bei denen das Angebot nur schwach genutzt wird“, so Manjura. Daher appelliert er an die Eltern, die Testangebote für die Kinder unbedingt wahrzunehmen.

Sobald es einen positiven Fall in einer Einrichtung gibt, gilt in ganz Hessen, dass „die Kinder, die in den vorausgegangenen zwei Tagen engen Kontakt, vor allem in der Gruppe, zu der infizierten Person hatten, durch die Eltern abzuholen und für denselben und den folgenden Tag von den Eltern zu betreuen sind“, sagt die Pressesprecherin. Das gelte so lange, bis das zuständige Gesundheitsamt eine weitere Entscheidung treffe.

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