Ministerpräsident Volker Bouffier über neue Corona-Maßnahmen

Bundesweit greifen in Zukunft strengere Corona-Maßnahmen immer dann, wenn bestimmte Infektionswerte überschritten werden. Der hessische Ministerpräsident zeigt sich am Donnerstag zufrieden mit der einheitlichen Lösung.

Ministerpräsident Volker Bouffier über neue Corona-Maßnahmen

Nach den stundenlangen Beratungen zwischen den Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch stellt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag klar: „Wir stehen an einem wichtigen Punkt. Die Infektionszahlen steigen deutschland- und hessenweit an.“

Vor allem mit Blick auf die nächste Grippewelle sei Bouffier froh, dass es die ausführlichen Beratungen gab. Er bezeichnet die neuen Beschränkungen als „immens wichtig, damit wir dem Infektionsgeschehen am Ende nicht hinterherlaufen“. Sein oberstes Ziel sei es dabei, dass Kitas und Schulen geöffnet bleiben können und die Wirtschaft keine großen Einschränkungen fürchten muss.

Gefährliche Jahreszeit

„Jetzt steht der Winter vor der Tür. Das zeigt den Ernst der Lage.“ - Ministerpräsident Volker Bouffier

Dass die Corona-Fallzahlen gerade jetzt im Herbst ansteigen, bereite Bouffier dabei Sorgen. Die Ausbreitung des Virus verlaufe derzeit mit einer ähnlichen Dynamik wie im April. „Der große Unterschied aber ist: Damals standen wir vor einem Sommer. Jetzt steht der Winter vor der Tür. Das zeigt den Ernst der Lage“, geht er darauf ein, dass Abstand halten in geschlossenen Räumen nicht so einfach ist, wie unter freiem Himmel bei hohen Temperaturen, etwa bei der Freizeitgestaltung oder in der Gastronomie.

Kern der neuen Beschlüsse ist dabei, dass strengere Maßnahmen immer dann greifen, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen die festgelegten Grenzwerte 35 oder 50 überschreitet (wir berichteten). Dadurch können Maßnahmen lokal begrenzt werden, statt einen landes- oder bundesweiten Lockdown auszurufen. Mit dieser Lösung zeigt sich Bouffier am Donnerstag zufrieden. „„Wir sind bislang gut damit gefahren, auf lokale Corona-Ausbrüche auch lokal zu reagieren“, fasst er die Herangehensweise der letzten Monate zusammen.

Mehr Akzeptanz durch Einheitlichkeit

„Aber natürlich haben wir auch im Blick, dass sehr kleinteilige Regelungen dazu führen können, dass die Menschen nicht mehr wissen und verstehen, was wo gilt. Das führt am Ende auch nicht zu Akzeptanz“, sagt er. Deshalb sei er froh, dass die neuen Grenzwerte bundeseinheitlich gelten. „Auch wenn wir die Maßnahmen vor Ort natürlich immer individuell anpassen müssen.“

„Je höher die Infektionszahlen, desto schwieriger wird die Kontaktnachverfolgung.“ - Ministerpräsident Volker Bouffier

Bouffier betont zudem, dass neben den coronabedingten Einschränkungen die Kontaktnachverfolgung zentral sei für den weiteren Verlauf der Pandemie. „Wir müssen hier wieder stärker in die Vorhand kommen. Je höher die Infektionszahlen, desto schwieriger wird das allerdings“, sagte der Ministerpräsident nach dem Treffen der Regierungschefs und der Bundeskanzlerin. „Deshalb begrüßen wir das Angebot, in schwierigen Situationen zur Kontaktnachverfolgung auch verstärkt auf die Bundeswehr zurückgreifen zu können, außerordentlich.“ (df)

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