Gesundheitsamt plant neues Quarantäne-Management

Als Reaktion auf undurchsichtige Regelungen

Gesundheitsamt plant neues Quarantäne-Management

Immer seltener seien die Corona-Infektionen in Wiesbaden auf einen konkreten Ansteckungsort und -zeitpunkt zurückzuführen. Das erklärte Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamtes in einer Pressekonferenz am Freitag. Als Medizinerin spricht sie dabei von einem sogenannten „diffusen Infektionsgeschehen“, das nicht nur in Wiesbaden die Lage der Pandemie seit einigen Wochen stark prägt.

Rückverfolgung oft schwierig

Trotz Verstärkung sei es für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes deshalb zunehmend schwerer, alle Kontaktpersonen eines Infizierten nachzuverfolgen. Oft sei das nur zeitverzögert möglich, bis dahin kann es weitere Ansteckungen gegeben haben. Nicht zuletzt, so Butt, sei es in den vergangenen Wochen oft nicht möglich gewesen, mögliche Kontaktpersonen aus der Gastronomie zurückzuverfolgen, weil viele Gästezettel unvollständig oder gar mit falschem Namen oder falscher Adresse ausgefüllt wurden. Dieses Problem soll jetzt zwar ein mögliches Bußgeld regeln, dennoch kämpft das Amt mit den vielen Ansteckungen.

Auch die Zahl der Beschwerden von Wiesbadenern, bei denen eine Quarantäne angesetzt wurde, habe in den vergangenen Wochen zugenommen. Butt führt viele darauf zurück, dass die Regelungen nicht für alle nachvollziehbar seien. Deshalb will das Gesundheitsamt mehr Klarheit schaffen - sowohl in Bezug auf Zuständigkeiten, als auch auf die Maßnahmen selbst.

Einheitlicheres System

Deshalb habe sich das Gesundheitsamt jetzt mit anderen Ämtern aus der Region zusammengeschlossen, und bereits erste Gespräche geführt, wie ein einheitlicheres System entstehen kann. Dabei soll sich vor allem in Bezug auf die Zuständigkeiten der Ämter etwas ändern. Während bisher das Gesundheitsamt am Wohnort eines Infizierten für seine Quarantäne zuständig war, soll schon bald das Gesundheitsamt am Ort der Infektion zuständig sein.

Als Beispiel nannte Butt den Fall, dass mehrere Personen nachweislich an einem bestimmten Ort - oder auf einer Veranstaltung - infiziert wurden. Weil die Infizierten in solchen Fällen nicht immer aus dem gleichen Ort stammen, sei es in der Vergangenheit vorgekommen, dass die unterschiedlichen Ämter auf verschiedenen Arten reagiert hätten. Bald soll das Wiesbadener Gesundheitsamt für alle zuständig sein, die sich in Wiesbaden anstecken - egal wo sie wohnen. Durch Vorort-Termine am Ansteckungsort könne die Lage dann einheitlich für alle Betroffene eingeschätzt und einheitlich reagiert werden.

Ab wann das neue Quarantäne-Management in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. Doch für Butt seien es vor allem die Infektionen, die nicht genau zurückverfolgt werden können, die ihr Sorgen bereiten. „Eigentlich hatten wir da auf digitale Daten gehofft“, sagte sie, und nennt die Corona-Warn-App der Bundesregierung als konkretes Beispiel. Bisher habe das Amt in Wiesbaden aber noch keinen einzigen Fall damit zurückverfolgen können. (ms)

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