Sorgt Maskenpflicht für eine leere Fußgängerzone?

Einkaufen ist derzeit nur mit Maske möglich. Führt das dazu, dass die Wiesbadener Fußgängerzone leer bleibt? Oder sind andere Gründe dafür verantwortlich?

Sorgt Maskenpflicht für eine leere Fußgängerzone?

So manch einer hat sich beim samstäglichen Bummel durch Wiesbaden schon gewundert. Ist das Virus bekämpft? Oder warum tummeln sich so viele Menschen in Kirch- und Langgasse, sitzen in Cafés und spazieren an den Schaufenstern vorbei? Auf den ersten Blick ist — vor allem am Wochenende — ordentlich was los in der Stadt. Doch die nackten Zahlen geben ein anderes Bild wieder.

Wie eine Untersuchung von Hystreet zeigt, ist die Passantenfrequenz in der Kirchgasse am zweiten Maiwochenende im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent zurückgegangen. Vergleicht man andere Daten, wird oftmals ebenfalls ein Rückgang deutlich. Einige Merkurist-Leser glauben, den Grund zu kennen: Die Maskenpflicht trübt den Einkaufsspaß.

„Von einigen Geschäften wird berichtet, dass es gelegentlich Unmut über die Hygieneregeln bei vereinzelten Kunden gibt, die ihren Frust dann an den Mitarbeitern auslassen“, sagt Axel Klug. Als Citymanager von Wiesbaden kennt er die aktuelle Situation in den Einkaufsstraßen sehr gut. Vor allem beim Warten an der Kasse komme es zu solchen Ereignissen. Aber: „Bei den Einzelhändlern gibt es zum Thema Maskenpflicht, wie in der gesamten Gesellschaft, ein heterogenes Meinungsbild.“

Wiesbaden erholt sich

Doch ganz so dramatisch wie noch im Mai ist die Situation in der Wiesbadener Fußgängerzone mittlerweile auch nicht mehr. „Die Frequenzzahlen in Wiesbaden haben sich schnell wieder gut entwickelt“, sagt Klug. Das lässt sich auch aus den erhobenen Zahlen von Hystreet ablesen. So liege die Kirchgasse seit Pfingsten an den meisten Tagen in der Spitze wieder im Bereich des Jahresdurchschnitts. „Manchmal sogar leicht darüber“, ergänzt Klug. Lediglich in der Breite könnten die Zahlen besser sein, „an Samstagen ist tatsächlich circa 20 bis 25 Prozent weniger Passantenverkehr zu verzeichnen“, sagt Klug.

Ob das aber wirklich an der Maskenpflicht liegt, ist nicht leicht festzumachen. Wie Klug erklärt, seien noch andere Gründe plausibel, etwa das verminderte Einkommen, das viele Wiesbadener derzeit aufgrund von Kurzarbeit beziehen oder die generelle Unsicherheit bezüglich der eigenen Arbeitsplatzsituation in Folge der Krise. „Beide Gründe können sich nur — bei einem positiven Verlauf — mit der Zeit auflösen und somit wieder ein Stimmungswechsel bei den Kunden eintreten“, schätzt der Citymanager.

Von Rabattaktionen der Einzelhändler, um wieder mehr Kunden in die Stadt zu locken, hält Klug nichts. Denn mehr Kunden führen zu längeren Warteschlangen. Und die wiederum zu schlechter Laune und einem unbefriedigenden Einkaufserlebnis. (js)

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