Der Ton wird rauer: Wie Bürgerinitiativen Social Media erleben

Über die neuesten Entwicklungen zum Projekt Citybahn informieren sich Tausende Wiesbadener regelmäßig online. Kurz vor dem Bürgerentscheid ändert sich auf einigen Plattformen der Tonfall in den Kommentarspalten.

Der Ton wird rauer: Wie Bürgerinitiativen Social Media erleben

Weil der Bürgerentscheid näher rückt, ist ganz Wiesbaden voll mit Wahlwerbung für oder gegen die Citybahn. Doch nicht nur mit Plakaten und Bannern versuchen die Citybahn GmbH, Parteien und Bürgerinitiativen auf ihren Standpunkt aufmerksam zu machen — auch online geht der Wahlkampf in die finale Runde.

In vielen lokalen Facebookgruppen versuchen Administratoren das Thema schon zu unterbinden und geben Posts rund um die Citybahn nicht mehr frei. Denn in den vergangenen Monaten haben sie für große Diskussionen und auch zu Streits unter den Gruppenmitgliedern geführt, die nicht selten mit scharfem Ton ausgeführt wurden. Ähnliches beobachten auch die Betreuer der Social Media-Auftritte von Bürgerinitiativen.

„Der Umgangston ist dabei auf Facebook mit Abstand am rauesten.“ -Sprecher BI Pro

„Die Kommentare werden vom Stil her tendenziell unwirscher und unsachlicher“, fasst ein Sprecher der Bürgerinitiative Pro Citybahn (BI Pro) zusammen. „Der Umgangston ist dabei auf Facebook mit Abstand am rauesten“, zieht er Vergleiche zu den Plattformen Twitter und Instagram. Dabei soll die Zahl der Follower in den vergangenen Wochen stark zugenommen haben, derzeit sind es auf Facebook rund 1850. Oft, so ist es dem Team schon aufgefallen, seien es immer wieder die gleichen Nutzer, die kommentieren, vor allem von der gegnerischen Seite. „Unsachlichen Kommentaren begegnen wir immer möglichst freundlich und sachlich. Beleidigungen, Diffamierungen und Co. begegnen wir hingegen seit einigen Wochen konsequenter“, sagt er. Dennoch versuche die BI Pro so wenige Kommentare wie möglich zu löschen und habe schon oft beobachtet, dass sich Angreifer einsichtig zeigten und tatsächlich eine sachliche Diskussion angestoßen wurde.

Unterschiedliche Erfahrungen

„Social Media ist nur ein Baustein, nicht mehr und nicht weniger.“ - Andreas Bausinger, BI Mitbestimmung

Auch die Bürgerinitiative Mitbestimmung Citybahn (BI Mitbestimmung) ist bei Facebook und Instagram aktiv. Einen Schwerpunkt in ihrer Kampagne kurz vor dem Entscheidungstag sehen die Mitglieder darin aber nicht, wie Andreas Bausinger erklärt. „Social Media ist nur ein Baustein, nicht mehr und nicht weniger“, sagt er. Ausführliche Analysen über die Zahl der Follower oder ihre Reaktionen auf Posts gebe es zur rund 1100 Follower starken Facebookseite deshalb nicht. Stattdessen verweist die Bürgerinitiative auf ihre Homepage, auf der regelmäßig ausführliche Beiträge zu ihrer Sichtweise veröffentlicht werden.

Anders bewertet die Citybahn GmbH die Rolle von Social Media. Sprecher Christian Giesen erklärt, dass die Bahn kein reines Verkehrsprojekt sei, sondern auch dem Umweltschutz diene und ein Baustein der Stadtgestaltung sei. Über verschiedene Online-Plattformen könne die Citybahn GmbH alle diese Interessensgruppen ansprechen — und zwar mit verschiedenen Darstellungsweisen. „ Zum einen gibt es einige Kurzfilme rund um die Citybahn. Zum anderen werden die aktuellen Bürgerinformationsveranstaltungen auch live im Internet übertragen“, nennt Giesen zwei Beispiele. Gerade in den Livestreams sehe er eine gute Möglichkeit, Wiesbadenern eine Teilnahme an einer Veranstaltung zu ermöglichen, für die es in Pandemiezeiten vielleicht keine Tickets mehr gab.

Freundliche Twitter-Follower

Dabei bemerke er einen zunehmend freundlicheren Ton in den Kommentaren der inzwischen rund 1650 Facebook-Abonnenten. Die BI Pro verzeichne hingegen viel positive Resonanz auf ihre Beiträge bei Twitter, „was auch damit zu tun hat, dass die Wiesbadener Twitter-Blase nicht so groß und generell eher verkehrswendefreundlicher eingestellt ist, als die andere Netzwerke“, vermutet der Sprecher. Dabei entscheide die Bürgerinitiative — ähnlich wie auch die BI Mitbestimmung — spontan, was und zu welchem Zeitpunkt veröffentlicht wird. Lediglich einige Fixpunkte halte die BI Pro vor allem auf Instagram ein. Dabei geben alle drei Parteien an, dass die spontanen Posts zu aktuellen Entwicklungen des Projektes auf die größte Online-Resonanz stoßen. (ts)

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