Christie und ihr Blick in den Kochtopf

Berühmt, vielleicht auch berüchtigt, sind die Deutschen im Ausland für Schweinshaxe mit Sauerkraut und Bratwürste. Aber die Engländerin Christie Dietz schreibt von Wiesbaden aus in ihrem Blog über ganz andere Essgewohnheiten der Deutschen.

Christie und ihr Blick in den Kochtopf

Blogs im Internet über Essen, Rezepte und Nahrungsmittel gibt es viele. Der von Christie Dietz (37) ist anders. Es sind nicht nur Texte über die deutsche Küche. Es sind die Erfahrungsberichte einer Engländerin, die auszog, mehr über die Ernährung und gleichzeitig auch das Leben ihrer neuen Heimat kennen zu lernen. Denn die junge Frau aus London ist der Liebe wegen nach Deutschland gezogen. Seit sechs Jahren lebt sie mit ihrem deutschen Ehemann und inzwischen zwei Kindern in Wiesbaden.

Mehr als nur Schweinshaxe

"Ich bin begeistert von der hiesigen Küche." - Bloggerin Christie über Essen in Wiesbaden

"Typisch deutsches Essen war für mich am Anfang gleichbedeutend mit bayerischem Essen: Schweinshaxe, Sauerkraut, riesige Portionen auf dem Teller", erzählt die sympathische Londonerin mit charmanten Akzent. "Ich kannte nur Fotos mit Speisen voller schwerer, brauner Soße dazu." Gut vorstellbar, wie positiv überrascht sie war, als sie - in Deutschland angekommen - täglich erfahren konnte, dass dicke Bohnen mit Speck höchstens noch in Spielfilmen aus den 1950er Jahren auf den Tisch kommen. "Ich war begeistert von der hiesigen Küche. Welche frischen Zutaten es gibt, dazu viele regionale Produkte - toll!"

Also begann sie, all ihre Erfahrungen rund um Kartoffel und Co. in einem eigenen Blog mit dem Titel "A Sausage has two" in Anspielung auf die deutsche Redewendung "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" festzuhalten.

Das weiße Gold

Obwohl sie in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten Gerichte zubereitet und gegessen hat - über zwei Essgewohnheiten der Deutschen wundert sie sich immer noch: "Da wäre der Hype um den Spargel. Die Deutschen flippen aus, das weiße Gold wird das Gemüse hier sogar genannt. Es gibt Spargelfeste mit einer Königin", listet sie auf und macht aus ihrer anfänglichen Verwunderung darüber keinen Hehl. In ihrem kulinarischen Tagebuch beschreibt sie das so: "Dicke Spargelstangen, die unter Erdhügeln wachsen und mit Butter und Schinken serviert werden."

Regionale Küche ist gefragt

Aber sie macht diesen Hype gerne mit, denn der Geschmack des "White Asparagus" hat es ihr inzwischen ebenso angetan wie Millionen von Deutschen, wenn wie jetzt gerade Spargelzeit ist. "Am liebsten mit meiner selbst gemachten Sauce Hollandaise. Die ist gar nicht so leicht herzustellen, das darf man nicht unterschätzen."

Und eine andere Ernährungs-Variante lässt sie lieber gänzlich unangetastet: "Innereien. Leber, Gehirn - nein, das geht leider gar nicht für mich."

Dafür schätzt sie umso mehr regionale Küche wie die berühmte Grüne Soße mit den sieben Kräutern. Sie probiert gerne alle möglichen Rezepte aus: "Tafelspitz mit Meerrettich - sehr lecker. Oder Rippchen mit Kraut." Rote Grütze ist ihre Lieblings-Nachspeise.

Auf Grund ihrer Glutenunverträglichkeit muss Christie Dietz aber darauf achten, welche Zutaten sie problemlos verwenden kann. Backen, das könne sie nicht so gut wie Kochen, gibt sie offen zu und schmunzelt dabei: "Momentan probiere ich mich an einem Rhabarberkuchen mit Baiser."

Frisch vom Bauern

So oft sie kann, geht sie auf den Wochenmarkt, kocht mit frischen, saisonalen Zutaten. "Auch ein großer Unterscheid zu Großbritannien. Dort gab es im Supermarkt immer alles zu jeder Jahreszeit. Dabei schmeckten die von weither eingeflogenen Erdbeeren gar nicht."

Interessant zu erfahren ist in ihrem teils sehr persönlichen Blog, wie zum Beispiel Weihnachten kulinarisch gefeiert wird: Am 24. Dezember bei der Familie ihres Mannes in Deutschland, am 25. Dezember dann in England bei ihren Eltern. Die traditionelle Gans sei ihren Schwiegereltern, so schreibt Christie, allerdings zu fett. Stattdessen komme Fisch auf den festlich gedeckten Tisch. In England gibt es Putenbraten, gefüllt mit Maronen, Würstchen im Speckmantel und natürlich als Dessert Mince Pie, ein süßes Gebäck, das in Großbritannien traditionell zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel gegessen wird.

100 Kochbücher gesammelt

Nach Christies Angaben ist ihr Anfang 2015 entstandener Blog der einzige englisch-sprachige, der sich mit deutschem Essen und Trinken beschäftigt, angereichert mit kulinarischen Traditionen, Rezepten und Reise-Tipps. Die studierte Psychologin "hortet" inzwischen über 100 Kochbücher zu Hause. Ihr großer Traum: "Ein eigenes Kochbuch schreiben!"

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