Hessen ist das Bundesland mit der höchsten Migrationsquote. Nun sollen spezielle Deutschkurse Kindern mit Sprachdefiziten einen besseren Start in die Grundschule ermöglichen. Von diesen Vorlaufkursen profitieren auch viele Vorschulkinder in Wiesbaden. Seit der landesweiten Einführung der Kurse haben bereits eine Viertelmillion Kinder teilgenommen.
Wie das hessische Bildungsministerium mitteilt, sind die Kurse seit dem Schuljahr 2021/2022 für alle Kinder verpflichtend, bei denen anderthalb Jahre vor der Einschulung ein sprachlicher Förderbedarf festgestellt wird. „Jedes Kind mit Schwierigkeiten in Deutsch erhält bei uns die Chance auf einen erfolgreichen Schulstart“, betont Bildungsminister Armin Schwarz (CDU). Die Sprachkompetenz sei die wichtigste Grundlage für Bildungserfolg und die Entwicklung junger Menschen.
Hohe Erfolgsquote für Kinder mit Migrationshintergrund
Die Vorlaufkurse finden ein Jahr lang vor dem Schulanfang statt und werden von den Grundschulen organisiert, oft in Kooperation mit Kindertagesstätten. Mit einer Erfolgsquote von rund 95 Prozent schaffen die meisten Kinder danach den direkten Sprung in die erste Klasse. Die übrigen werden zunächst vom Unterricht zurückgestellt, um weiter Deutsch zu lernen.
Die Relevanz des Programms wird durch die Demografie unterstrichen: Mehr als die Hälfte aller Erstklässler in Hessen hat einen Migrationshintergrund. Auch die Zusammensetzung der Kurse spiegelt dies wider, denn etwa die Hälfte der teilnehmenden Kinder besitzt eine ausländische Staatsbürgerschaft. Aktuell nehmen landesweit rund 16.800 Kinder an den Kursen teil.
Weniger Schulabbrecher und bessere Chancen
Die frühzeitige Sprachförderung zeigt laut Ministerium positive Effekte. Die Zahl der Kinder, die nur aus sprachlichen Gründen zurückgestellt werden, sei deutlich gesunken. Auch die Wiederholerquote habe abgenommen. Besonders bemerkenswert sei, dass die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, stark zurückgegangen ist – dies treffe insbesondere auf Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft zu.
Der bundesweite „Bildungsmonitor“ bescheinige Hessen aufgrund dieser Maßnahmen eine erfolgreiche schulische Integrationsleistung. So sei in Hessen der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg geringer ausgeprägt als im Durchschnitt der anderen Bundesländer. Inzwischen folgen auch andere Länder wie Bayern und Nordrhein-Westfalen dem hessischen Beispiel.