Sonnenberger bangen um ihre Gastronomie im Bürgerhaus

Über 150 Jahre lang beherbergte das heutige Sonnenberger Bürgerhaus verschiedene Gastronomien. Das könnte bald vorbei sein. Das Haus muss saniert werden und es ist unklar, ob jemals wieder ein Restaurant in das Gebäude einziehen kann.

Sonnenberger bangen um ihre Gastronomie im Bürgerhaus

„Das Centro ist mittlerweile zu unserem zweiten Wohnzimmer geworden. Wir sind fast regelmäßig einmal wöchentlich dort und schätzen die Gastronomie und die Gastfreundschaft dort wirklich sehr“, schwärmt die Sonnenbergerin Manuela Slaby vom „Centro Italia“ im Ortskern des Stadtteils.

Seit Jahren serviert die Betreiberfamilie italienische Speisen im Bürgerhaus in der König-Adolf-Straße. Zurzeit bietet das Restaurant aufgrund der Coronakrise einen Liefer- und Abholservice an. Doch das alles ist bald vorbei. „Wenn die Familie mit ihrem Restaurant weichen muss, wird das ein herber Verlust für unseren Stadtteil“, sagt Stammgast Manuela Slaby.

Haus muss saniert werden

Manuelas Angst, das Restaurant zu verlieren, ist begründet. Denn die Stadt wird den Pächtern des Lokals ihren Vertrag nicht verlängern. Die Familie, die das „Centro Italia“ betreibt, wird das Restaurant ab dem 1. August nicht mehr öffnen können und muss auch aus ihrer Wohnung darüber ausziehen. Grund dafür ist eine brandschutztechnische Sanierung, die schon seit mehreren Jahren im Raum steht.

Um gewährleisten zu können, dass das Gebäude sicher ist, wird die Stadt die Vereinsräume, die Gaststätte, die Wohnung im Dachgeschoss und alle Funktionsräume aufwändig sanieren müssen. Weil dabei in die komplette Struktur des Hauses eingegriffen werden muss, können die Sanierungsarbeiten nicht bei laufendem Betrieb stattfinden. Schon jetzt muss sich das „Centro Italia“ an Auflagen halten. Für Fragen zur Zukunft der Betreiberfamilie war die Inhaberin bis zum Erscheinen des Artikels nicht zu erreichen.

„Es ist eine prekäre Geschichte für Sonnenberg, weil wir mittlerweile nur noch relativ wenige Gaststätten für Durchschnittsverdiener haben.“ - Stefan Bauer, Ortsvorsteher Sonnenberg

Manuela Slaby ist nicht die einzige Sonnenbergerin, die die Schließung des Restaurants traurig stimmt. „Es ist eine prekäre Geschichte für Sonnenberg, weil wir mittlerweile nur noch relativ wenige Gaststätten für Durchschnittsverdiener haben“, sagt der Sonnenberger Ortsvorsteher Stefan Bauer. Neben dem „Centro Italia“ gebe es im ähnlichen Preissegment sonst nur noch das deutsche Restaurant „Hubertushütte“ im Goldsteintal und den Italiener „Raffaelles“ auf dem Hofgartenplatz.

Zukunft des Bürgerhauses unklar

Retten kann der Ortsvorsteher das „Centro Italia“ nicht. Er hat mit Verantwortlichen der Stadt über das Haus gesprochen und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende in einem Brief über die Sorgen der Sonnenberger informiert. Aber letztendlich gehe die Sicherheit vor. Was er jetzt noch hoffen kann ist, dass in Zukunft überhaupt wieder eine Gaststätte in das Bürgerhaus einzieht. Denn zurzeit steht die Frage danach noch aus, ob das Bürgerhaus überhaupt so saniert wird, dass hinterher wieder eine Gastronomie einziehen kann.

Wenn dort wieder ein Lokal betrieben werden soll, wird die Sanierung die Stadt nach ersten Schätzungen circa 3,6 Millionen Euro kosten, wenn nicht dann wird sie 2,5 Millionen Euro investieren müssen. Für die Sonnenberger wäre der Verlust ihrer Gastronomie im Bürgerhaus das Ende einer Ära.

„Das Haus hat eine rund 150 Jahre lange Gastronomiegeschichte.“ - Stefan Bauer

„Das Haus hat eine rund 150 Jahre lange Gastronomiegeschichte“, erzählt der Ortsvorsteher. Bevor es 1988 als Bürgerhaus eingeweiht wurde, war es bereits jahrelang Hotel und Restaurant. Und auch als das Bürgerhaus eröffnet wurde, zog mit dem „Marcello“ gleich ein italienisches Restaurant in die Räume unter den Vereinssälen ein. 2010 kam dann das „Centro Italia“.

Angst vor jahrelangem Leerstand des Lokals

Der Ortsbeirat fürchtet jetzt, dass es entweder keine Gastronomie mehr geben wird, oder Jahre vergehen werden, in denen das Bürgerhaus kein Restaurant mehr haben wird. Denn die Kosten für die Sanierung sind nicht im aktuellen Haushalt vorgesehen. Erst wenn das Restaurant geschlossen ist, kann die Stadt genau sehen, wie viel Geld tatsächlich in die Sanierung fließen muss. Dann müssen die Parteien der Stadtverordnetenversammlung darüber entscheiden, ob genügend Geld investiert werden kann, um dort auch wieder eine Gastronomie zu eröffnen. „Auch wenn es Jahre dauern wird, werden wir großen Wert darauf legen, dass uns die Gastronomie im Bürgerhaus erhalten bleibt“, sagt Ortsvorsteher Stefan Bauer. „Für uns bedeutet das sehr viel.“ (js)

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