Die Stadt Wiesbaden hat einen ersten Zwischenstand zu ihrer Gesamtstrategie „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ vorgestellt. Wie die Stadt mitteilt, wurde dabei auch ein Pilotprojekt zum Cannabis-Checking positiv bewertet. Die Umsetzung weiterer Maßnahmen hängt nun allerdings von der Finanzierung ab. GeografischesReferenzmaterial
Cannabis-Checking als erster Suchthilfe-Kontakt
Grundlage ist ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2025. Angesichts von veränderten Konsummustern und neuen psychoaktiven Substanzen soll die Suchthilfe in der Landeshauptstadt weiterentwickelt werden. Ein Baustein war ein Pilotprojekt zum Cannabis-Checking, das von Oktober 2025 bis März 2026 in Kooperation mit Wiesbadener Clubs lief. Dabei konnten Konsumenten ihre Substanzen analysieren lassen und erhielten Informationen und Beratung.
Die Auswertung des Projekts fiel positiv aus. Es habe zu einem Wissenszuwachs bei den Teilnehmern geführt und die Sichtbarkeit der Suchthilfe erhöht. Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke sieht das Projekt als gelungenes Beispiel für Suchtprävention. „Es ist uns gelungen, in einem niedrigschwelligen Setting mit hunderten jungen Menschen zu Sucht und Konsumverhalten ins Gespräch zu kommen. Für viele junge Menschen war es der erste Kontakt zur Suchthilfe überhaupt“, so Löbcke.
Die Konzepte für weitere Maßnahmen seien fachlich vorbereitet, ihre Umsetzung hänge aber von den kommenden Haushaltsberatungen ab. „Damit wir Suchthilfe und Prävention nachhaltig weiterentwickeln können, braucht es jedoch auch eine verlässliche finanzielle Ausstattung“, so die Dezernentin.
Experten fordern Ausbau der Hilfsangebote
Auch die beteiligten Suchthilfeträger sehen dringenden Handlungsbedarf. Ina Buttler, Leiterin des Suchthilfezentrums Wiesbaden, fordert eine Erweiterung der suchtbezogenen Straßensozialarbeit. Aktuell seien dafür nur zwei Stunden pro Woche vorgesehen. „Dieses sehr begrenzte Stundenkontingent reicht nicht aus und bedarf des zeitlichen Ausbaus, um regelmäßige Kontaktangebote zu ermöglichen und damit den Vertrauensaufbau zu den Betroffenen zu sichern“, erklärt Buttler. GeografischesReferenzmaterial
Cathrin Fehl vom Caritasverband betont, wie wichtig moderne Präventionsarbeit sei, die Menschen in ihren Lebenswelten und über soziale Medien erreiche. Cannabis-Drug-Checking sei dabei „ein wichtiger Schritt in die moderne Präventionsarbeit in der Suchthilfe, um Risiken frühzeitig sichtbar zu machen, Wissen zu vermitteln und gesundheitsschädlichen Konsum zu verhindern.“
Hintergrund: Immer mehr junge Drogentote
Wie wichtig Prävention ist, zeigen laut der Stadt auch aktuelle Zahlen der Bundesregierung. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland mit 2.150 Opfern eine Rekordzahl an Drogentoten. Fast jeder vierte davon war unter 30 Jahre alt. Die Fachleute in Wiesbaden hoffen nun, dass die Stadt die notwendigen Mittel für den Ausbau der Angebote bereitstellt.