5000 Euro Strafe für Wespen-Töter?

Immer mehr Medien vermelden: Wer Wespen tötet, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Aber stimmt das auch?

5000 Euro Strafe für Wespen-Töter?

Dass Wespen lästig sind steht außer Frage. Dass durch den warmen Frühling in diesem Jahr besonders viele Tiere besonders früh unterwegs sind, ist ebenfalls bekannt. Doch eine Meldung beherrschte in den vergangenen Wochen bundesweit die Schlagzeilen der lokalen Presse, die wohl so nur wenigen bekannt war: „Wespen töten - mindestens 5000 Euro Strafe“, „Wer Wespen erschlägt muss zahlen“ oder auch „Wespen töten wird teuer: Wer nicht aufpasst, muss in Wiesbaden 5000 Euro zahlen“, lauten die Überschriften. Aber stimmt das wirklich?

Paragraph 69, Absatz 7 des Bundesnaturschutzgesetzes besagt, dass jeder, der ein wildes Tier vorsätzlich oder fahrlässig ohne vernünftigen Grund fängt oder tötet, „ordnungswidrig handelt“. Diese Ordnungswidrigkeiten können mit einer Geldstrafe zwischen 5000 und 50.000 Euro belegt werden. Auch im hessischen Naturschutzgesetz ist ein ähnlicher Absatz vorhanden. Was viele jedoch außer Acht lassen, ist das Anwendungsgebiet des Gesetzes und den Zusatz „bis zu“.

Schwer durchzusetzen

Genervt von den hysterischen Überschriften der Medien, hat sich auch das Rechercheportal correctiv.org dem Thema Bußgeld fürs Wespen-Töten angenommen. Dazu wurde Kontakt zu den zuständigen Behörden mehrerer Bundesländer in Deutschland aufgenommen und gefragt, ob sie ein Bußgeld für das Töten von Wespen verhängen würden. Das Ergebnis war eindeutig: „Keine der Behörden, mit denen wir gesprochen haben, verhängt Bußgelder von mehreren tausend Euro für das Töten einer einzelnen Wespe“, so correctiv.

Außerdem seien die Tiere im Naturschutzgesetz nicht explizit erwähnt. Die entsprechenden Paragraphen betreffen alle wildlebenden Tierarten. Schwer vorstellbar also, dass für das Töten einer Wespe ähnliche Strafen verhängt werden, wie etwa bei einem Angriff auf ein Reh oder einen Fuchs. Generell wird es auch schwer zu kontrollieren sein, ob man in seinem Garten oder beim Frühstück auf dem Balkon eine Wespe mit einer Zeitung erschlagen hat.

Bußgeld

Die Verwirrung um horrende Bußgelder hat es in Nordrhein-Westfalen sogar bis in den Landtag geschafft. Dort stellte die AfD Anfang Juli eine kleine Anfrage und bat um Aufklärung. Das Ergebnis: In den vergangenen fünf Jahren wurde genau einmal ein Bußgeld wegen einer ähnlichen Angelegenheit verhängt. Dort wurden für das Zerstören eines Wespennestes ein Verwarngeld in Höhe von 45 Euro fällig.

Logo