So reagiert die Politik auf den Tod der Mainzerin Susanna

Mainz, Wiesbaden und Deutschland trauern um die 14-jährige Susanna. Mehrere Politiker und Organisationen haben bereits ihr Beileid ausgesprochen. Doch was sagt die Bundesregierung?

So reagiert die Politik auf den Tod der Mainzerin Susanna

Seit Donnerstagvormittag ist offiziell bekannt, dass die 14-jährige Mainzerin Susanna F. vergewaltigt und ermordet wurde. Auf einer Pressekonferenz sprach der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller von einem „abscheulichen Verbrechen“. Seitdem haben mehrere Organisationen, Parteien und Prominente auf den Tod Susannas reagiert. Die Jüdische Gemeinde in Mainz, deren Mitglied Susanna war, reagierte „bestürzt, traurig und fassungslos“. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland bekundete sein Beileid. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden.“

„Wann reagiert endlich die Regierung auf den Fall Susanna?“ - Merkurist-Leser Marcel

Wie Leser Marcel kritisiert, höre man von der Bundesregierung dagegen wenig. „Wann reagiert endlich die Regierung auf den Fall Susanna?“, will er in seinem Snip wissen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich öffentlich bisher noch nicht geäußert.

Auf Merkurist-Anfrage schreibt ein Regierungssprecher am Freitagnachmittag: „Das ist ein schreckliches Verbrechen. Die Gedanken aller Mitglieder der Bundesregierung sind bei den Angehörigen und Freunden des Opfers.“ Zudem verweist der Sprecher auf Bundesinnenminister Horst Seehofer, der sich am Rande der Innenministerkonferenz in Quedlinburg ausführlich zu dem Fall geäußert habe. Seehofer hatte unter anderem bekannt gegeben, dass der mutmaßliche Täter Ali Bashar im Irak festgenommen wurde (wir berichteten).

Statements von Malu Dreyer und Michael Ebling

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte sich bereits am Donnerstagabend geäußert. „Der gewaltsame Tod von Susanna erschüttert mich sehr. Meine Gedanken und mein tief empfundenes Beileid sind bei der Familie, ihren Freundinnen und Freunden.“ Auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich reagierte am Donnerstag mit „großer Betroffenheit und Trauer“ auf die Nachricht. „Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei den Angehörigen und Freunden des getöteten Mädchens. Ich bin sehr traurig und es fällt schwer, Worte zu finden, für das Leid und den Schmerz, den der Tod hinterlässt.“

Am Freitag äußerte sich auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling in einer offiziellen Mitteilung. „Auch Stunden nach der schrecklichen Gewissheit über den brutalen Mord an Susanna F. bleibt das Unbegreifliche unerklärlich. Susanna, die junge Mainzerin, Schülerin an einer unserer Schulen, wurde Opfer eines brutalen Verbrechens. Die 14-Jährige hatte ihr ganzes Leben noch vor sich. Ihr Tod schmerzt uns sehr und die Umstände der schrecklichen Tat machen uns wütend“, so Ebling. „Im Namen aller Mainzerinnen und Mainzer und ganz persönlich möchte ich den Angehörigen und Freundinnen und Freunden meine tiefempfundene Anteilnahme ausdrücken. Unser ganzes Mitgefühl gilt der betroffenen Familie.“

AfD fordert Rücktritt Angela Merkels

In seinem Statement schlug Ebling auch kritische Töne an. „Der brutale Mord fordert auch unseren demokratischen Rechtsstaat. Er muss sich hinterfragen und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger gefallen lassen, ob diese Tat hätte verhindert werden können. Ich hoffe sehr, dass im Interesse der Offenheit unserer Gesellschaft alle im Zusammenhang der Tat stehenden kritischen Fragen auch in naher Zukunft beantwortet werden können.“ Falsch bleibe es aber, eine Situation der Trauer und der Anteilnahme auszunutzen, um politische Weltbilder zu skandieren. „Es gilt zu vermeiden, dass die junge Susanna zum Gegenstand demokratiefeindlicher Parolen gemacht wird.“

Damit könnte Ebling unter anderem auf die Partei Alternative für Deutschland (AfD) anspielen, deren Fraktionschefin Alice Weidel den Rücktritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert hatte. Susannas Tod sei „kein blinder Schicksalsschlag“, so Weidel am Donnerstagabend in einem über Twitter verbreiteten Video. „Susanna ist ein weiteres Opfer der heuchlerischen und egoistischen Willkommenspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.“

„Es gibt einfach zu viele Lücken in diesem System“ - FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff

Auch die FDP kritisierte die Bundesregierung. Alexander Graf Lambsdorff sagte mit Blick auf den Tatverdächtigen gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Das ist typisch für unsere deutschen Sicherheitsbehörden. Es gibt einfach zu viele Lücken in diesem System.“ Dies sei „seit langem verantwortet von der CDU“. Zur Kritik an der Bundesregierung äußerte sich der Regierungssprecher gegenüber Merkurist nicht.

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