Citybahn-Aus: Gegner erwartet ein böses Erwachen

Nach dem Nein beim Bürgerentscheid herrscht Freude bei den Gegnern der Citybahn. Doch die Folgen ihrer Wahl könnten einigen alles andere als gefallen, meint unser Autor.

Citybahn-Aus: Gegner erwartet ein böses Erwachen

Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent der Wähler hat sich am Sonntag gegen einen Bau der Citybahn in Wiesbaden entschieden. Ein klares Ergebnis, welches die Befürworter des Verkehrsprojekts, egal ob Bürger oder Politik, akzeptieren müssen. Darunter besonders die Bewohner der Innenstadt, die am meisten von der Bahn profitiert hätten und mehrheitlich mit Ja gestimmt hatten.

Der Großteil der Nein-Stimmen kam aus den Randbezirken, wo wohl besonders die Angst vorherrschte, wegen der Bahn mit dem Auto nicht mehr in die Innenstadt kommen zu können. Doch den Nein-Sagern muss bewusst werden, dass die größten Einschnitte für den Autoverkehr jetzt erst bevorstehen – denn die Verkehrsprobleme in der Stadt bleiben.

Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) hatte mehrfach angekündigt, dass bei einem Nein die Zahl der Busspuren massiv erhöht werden – und so noch weniger Platz für den Individualverkehr bleiben wird. Eine erneute Klage der Deutschen Umwelthilfe steht bevor und die Chancen für die Stadt, ein Diesel-Fahrverbot zu verhindern, stehen nach dem Bahn-Aus deutlich schlechter als 2019. Dazu muss die Stadt alle weiteren Änderungen im Straßenverkehr aus eigener Tasche Zahlen – anders als bei der Citybahn, wo Bund und Land 90 Prozent der Kosten übernommen hätten.

Für viele Gegner der Bahn könnte es also nach der Freude über den Sieg ein böses Erwachen geben, wenn sich der Straßenverkehr massiv verändern wird. Denn dass es kein „Weiter so“ geben wird, war vor der Wahl mehrfach kommuniziert worden - und mit der Ablehnung haben sie indirekt auch für die genannten Einschnitte in den Verkehr gestimmt. Genau wie die Befürworter jetzt das Nein hinnehmen, werden sie auch die Änderungen akzeptieren müssen.

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