Brandbrief an Polizei: Wiesbadener Anwohner fühlen sich bedroht

Anwohner in einem Wiesbadener Wohnviertel fühlen sich teilweise nicht mehr sicher. Sie sprechen von einer No-Go-Area rund um die Waldstraße und Jägerstraße.

Brandbrief an Polizei: Wiesbadener Anwohner fühlen sich bedroht

Ein Merkurist-Leser berichtet von einer No-Go-Area in einem Wiesbadener Wohnviertel an der Waldstraße. Eine häufig alkoholisierte Person mit aggresivem Hund, würde dafür sorgen, dass das Gebiet von Anwohnern gemieden wird. Auf Anfrage von Merkurist bestätigt die Polizei, dass die Personalien eines Mannes bekannt seien, der mehrfach wegen Bedrohungen und aggressivem Verhalten rund um die Waldstraße 81 und Jägerstraße aufgefallen sei.

Zudem liegt der Polizei ein Brandbrief von mehreren Anwohner vor. „In dem Schreiben werden wiederkehrende Konfliktsituationen und Beeinträchtigungen des Sicherheitsgefühls im unmittelbaren Wohnumfeld geschildert“, so die Polizei. Vor dem Hilferuf schätzten die Behörden die Situation jedoch nicht als kritisch ein. „Das Ausmaß der Situation in der Liegenschaft der Jägerstraße wie in dem ‚Brandbrief’ dargestellt sowie etwaige Gefährdungen waren der Polizei nicht bekannt“, heißt es.

Behörden sahen wenig Handlungsbedarf

Im Jahr 2026 seien Beamte bis jetzt im niedrigen zweistelligen Bereich in die Jägerstraße ausgerückt – unter anderem wegen Ruhestörung und Beleidigung. Ein besonders kritische Situation habe sich aus den Einsätzen nicht ableiten lassen. Mehrere zufällig angesprochene Passanten in der Waldstraße hatten ebenfalls keine besonderen Vorkommnisse zu berichten. „Mir ist nichts Negatives aufgefallen, und ich bin hier oft tagsüber unterwegs“, so eine Passantin gegenüber Merkurist in der Waldstraße. „Ich kenne keinen aggressiven Dobermann hier“ sagt ein junger Mann mit Hund, der nach eigenen Angaben ganz in der Nähe der Problemstelle wohnt.

In der Waldstraße gab es in diesem Jahr nach Angaben der Polizei lediglich Einsätze im niedrigen einstelligen Bereich. Nur ein Einsatz im Bereich des Straßenmühlenweg handelte von Beleidigung zwischen zwei Hundehaltern. Doch auch wenn offenbar nicht jede einzelne Person mit dem Problem konfrontiert wurde und die Polizei sich keiner besonderen Gefahrenlage bewusst war, scheinen die Erfahrungen vieler, die den Mann kennen, umso unangenehmer.

„Terrorisierung“ der Nachbarschaft

Von weit hörbaren Schreien, verbalen und körperlichen Angriffen ist im Brief an Stadt, Polizei und den psychiatrischen Dienst die Rede. Bis direkt vor die Haustür würden die Konflikte reichen. Das Anliegen der Unterzeichner richte sich nicht gegen eine mögliche Erkrankung oder die persönliche Lebenssituation des Mannes. Ziel sei es dennoch, schnelle Maßnahmen gegen die „Terrorisierung“ des Wohnviertels zu finden.

Die dramatischen Schilderungen im Brief der Anwohner sollen jetzt „geprüft und in die weitere Bewertung der Situation einbezogen“ werden, so die Polizei. Bereits jetzt habe ein Schutzbeamte vor Ort (SvO) des 3. Polizeireviers gemeinsam mit dem zuständigen Sozialen Dienst sich der Sache angenommen und erste persönliche Kontakte mit Bewohnern und Anwohnern aufgenommen.

Polizei will Sicherheitsgefühl stärken

„Die Aufgabe eines SvO ist es, als Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu agieren, das Gespräch zu suchen und das Sicherheitsempfinden durch Transparenz, Offenheit und Zugänglichkeit zu stärken“, so die Polizei. Die SvO würden bürgernah und auch im Bereich der Prävention arbeiten. So könnten Ansprechpartner der Kommune vermittelt werden, wenn Probleme außerhalb des polizeilichen Aufgabenbereichs liegen.

Die Polizei nehme gleichzeitig akute Sorgen und Hinweise der Anwohner ernst. Wenn es Hinweise zu Straftaten oder konkrete Gefahren gibt, könne die Polizei Strafprozesse und Gefahrenabwehr einleiten. „Eingehende Meldungen werden geprüft und anhand der konkreten Situation bewertet.“ Über die genauen Fälle wird auch der örtliche SvO informiert.

Eine langfristige Lösung für die Unruhen rund um die Jägerstraße und Waldstraße liegt augenscheinlich außerhalb des Aufgabenbereichs der Polizei. Räumungsklagen gegen Mieter und gegebenenfalls eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik können rechtlich kompliziert und mitunter langwierig werden.