Zum 87. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 hat Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) dazu aufgerufen, gegen Antisemitismus und Hass einzutreten und die Demokratie zu verteidigen.
„Die Nacht vom 9. November 1938 steht für grausame Verbrechen an Jüdinnen und Juden und für ein unfassbares Ausmaß an Zerstörung“, sagte der Regierungschef in seiner Rede, die die Hessische Staatskanzlei veröffentlicht hat. Synagogen seien angezündet, jüdische Geschäfte geplündert und Menschen gedemütigt, misshandelt und ermordet worden. „In jener Nacht erreichte die antisemitische Gewalt in Deutschland eine neue, schreckliche Dimension“, so Rhein. Das Datum markiere den Bruch mit der Rechtsstaatlichkeit und den Beginn der systematischen Verfolgung. „Was damals geschah, darf sich niemals wiederholen.“
„Dürfen nicht schweigen“
Der Ministerpräsident appellierte an jeden Einzelnen, das Bewusstsein für die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten. „Jüdisches Leben in Deutschland steht aktuell unter einem starken Druck. Die Lage im Nahen Osten trägt dazu bei, antisemitische Gewalttaten zu befeuern und zu bagatellisieren“, erklärte Rhein.
„Doch dort, wo Jüdinnen und Juden bedroht, angefeindet oder angegriffen werden, dürfen wir nicht schweigen“, fügte er an. Man habe die Verantwortung, die Erinnerung zu bewahren und „in unseren Schulen, in Gedenkorten, in der Kultur und in unserer täglichen Haltung gegen Antisemitismus vorzugehen.“
Gedenken am Michelsberg
In Wiesbaden findet zudem am Ort der 1938 zerstörten Synagoge am Michelsberg eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt, zu der alle eingeladen sind. Organisiert wird sie von der Landeshauptstadt Wiesbaden, der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Demnach soll ab 19 Uhr an die Novemberpogrome vor 87 Jahren und die Zerstörung der großen Synagoge durch die Nationalsozialisten erinnert werden. Die Versammlung findet an der Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden am Michelsberg statt.
Oberbürgermeister Gert-Uwe-Mende wird eine Ansprache halten, zudem gestalten Schüler einen Teil des Programms. Gemeinsam werde man symbolisch sechs Gedenkkerzen für die sechs Millionen Opfer der Schoah entzünden.
Die Gedenkfeier wird durch den Vortrag des 23. Psalms sowie die Gebete Kaddisch und „El Male Rachamim“ von Dr. Martin Pam und Dr. Jacob Gutmark von der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden abgerundet.