Unzufriedenheit über Radverkehr: Das sagt die Stadt dazu

Die Ergebnisse der „blickpunkt.umfrage“ „Leben in Wiesbaden 2018“ zeigten, dass die Wiesbadener besonders unzufrieden mit der Radverkehrssituation sind. Dabei ist die Stadt bemüht, den Radverkehr zu stärken.

Unzufriedenheit über Radverkehr: Das sagt die Stadt dazu

Die Wiesbadener sind nicht mehr so zufrieden mit der Lebensqualität in ihrer Stadt, wie sie es mal waren. In der „blickpunkt.umfrage“ „Leben in Wiesbaden“ wollte die Stadt erfahren, wie zufrieden die Einwohner sind. 61 Prozent gaben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein, doch im Vergleich zu den Erhebungen 2014 und 2016 ist der Wert um neun Prozentpunkte zurückgegangen. Bei der Umfrage stellte sich vor allem eines heraus: Am unzufriedensten sind die Wiesbadener mit den Fahrradwegen und der Radverkehrssicherheit.

56 Prozent unzufrieden

Bei der Umfrage gaben 56 Prozent der 4100 befragten Wiesbadener an, unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden mit den Radwegen und der Radverkehrssicherheit zu sein. Das bedeutet, dass der Radverkehr in diesem Jahr noch vor Sauberkeit, Sicherheit und Attraktivität der Innenstadt auf Platz Eins der dringendsten Themen landet.

„Ich fahre viel Rad und habe schon einige schwere Unfälle in Wiesbaden hinter mir.“ - Sven Schlosser, Leser

Merkurist-Leser Sven kann das unterschreiben. „Ich fahre viel Rad und habe schon einige schwere Unfälle in Wiesbaden hinter mir. Die Schuld lag nachweislich immer beim Auto beziehungsweise der gefährlichen Radwegsituation“, sagt der Wiesbadener. „Die Taunusstraße ist das beste Beispiel. Wer schon mal mit 35 km/h in eine sich öffnende Autotür geknallt ist, weiß, wovon ich rede.“

Mehr Budget für Radverkehr?

Nun hat das Verkehrsdezernat auf das Ergebnis der Studie reagiert: Dass immer mehr Menschen die bislang noch stark ausbaufähige Radverkehrsinfrastruktur in Wiesbaden beanstanden, zeige vor allem eines, wie Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) meint: „Der Radverkehr ist schon lange kein Nischenthema mehr, sondern eines, das die breite Bevölkerung beschäftigt.“ Insbesondere bei der Aufteilung des Verkehrsraumes müsse deshalb eine andere Prioritätensetzung erfolgen, „ebenso ist eine ausreichende Ausstattung des Radverkehrsbudgets in den kommenden Jahren sicherzustellen“, fordert Kowol.

Und dabei ist es nicht so, dass die Stadt Wiesbaden sich nicht bemüht. Derzeit arbeitet die Stadtverwaltung am Rad-Grundnetz 2020 — wichtige Radverbindungen in der Friedrich-Ebert-Allee, der Äppelallee, auf dem Bismarckring und in der Kasteler Straße hat die Stadt schon fertiggestellt beziehungsweise werden bald eröffnet. Ein weiterer Radweg auf der Saarstraße Richtung Schierstein ist schon fertig geplant und steht kurz vor dem Baubeginn, die Planungen für einen Fahrradweg auf der Emser Straße sind fast abgeschlossen.

Weitere Maßnahmen

Im vergangenen Jahr hat die Stadt aber auch schon einige weitere Maßnahmen wie etwa das Radverleihsystem „meinRad“, neue Fahrradabstellanlagen oder die „Protected Bike Lanes“ umgesetzt. Bald folgt die Kaufprämie für Lastenfahrräder. Das sei aber erst der Anfang, wie Kowol betont. „Ich werde weiterhin mit meinen Mitarbeitern im Dezernat und den Fachämtern mit Hochdruck daran arbeiten, den Radverkehr in Wiesbaden zu stärken.“

„Wiesbaden wird nie eine Radfahrerstadt werden.“ - Martin Schulz, Leser

Ob diese Maßnahmen reichen, werden dann sicherlich die Ergebnisse der nächsten Zufriedenheitsstudie zeigen. Merkurist-Leser Martin glaubt nicht daran: „98% würden auch bei Vorhandensein von Wegen und Sicherheit nicht mit dem Rad fahren“, meint er. „Warum? Zu steil, zu enge Straßen. Wiesbaden wird nie eine Radfahrerstadt werden, außer man reißt ganze Häuserreihen ab und planiert die Hügel. Es ist, wie es nun mal ist.“ (ms)

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