Käserei in der Domäne Mechtildshausen vor dem Aus

Käse aus der eigenen Käserei, bio-zertifiziert von einem Ausbildungsbetrieb. Das wird es in der Domäne Mechtildshausen in Zukunft wohl nicht mehr geben. Warum das so ist, erklärt Geschäftsführer Werner Backes.

Käserei in der Domäne Mechtildshausen vor dem Aus

Vom cremigem Camembert bis hin zum würzigen Hartkäse gibt es in der Domäne Mechtildshausen eine große Auswahl an selbst hergestellten Käsen. In der hauseigenen Käserei werden diese nach Bio-Richtlinien aus Kuh- und Ziegenmilch produziert. Verkauft werden die fertigen Produkte dann im hauseigenen Käseladen oder belieferten Supermärkten. Doch damit könnte bald Schluss sein.

Merkurist-Leser Matthias hat beim Einkaufen nämlich bemerkt, dass es auf der Domäne keine neuen Käse mehr gibt, sondern scheinbar lediglich Restbestände abverkauft werden. Eine Beobachtung, die Geschäftsführer Werner Backes bestätigen kann: „Wir haben noch etliche selbst hergestellte Käse im Reifeprozess, der nach und nach in den Verkauf kommt.“ Doch warum kommt kein neuer Käse mehr nach?

Käseproduktion nicht rentabel

Backes erklärt, dass die Käseproduktion auf lange Sicht nicht rentabel sei. Und das hat mehrere Gründe: „Es bestünde ein erheblicher Investitionsbedarf, um dauerhaft weiter Käse zu produzieren“, sagt er. Daher könne er als Geschäftsführer dem Aufsichtsrat das Aufrechterhalten der Produktion nicht empfehlen. Außerdem sei die Personalsituation kritisch, die technische Ausstattung und die Gebäudeinfrastruktur seien ebenfalls ein Problem.

„Nicht möglich, Jugendliche für den Beruf des Käsers zu begeistern.“ - Werner Backes

Außerdem hat die Domäne Mechtildshausen als Teil der Wiesbadener Jugendwerkstatt den Auftrag, sozial benachteiligte Menschen auszubilden. „Seit vielen Jahren war es nicht möglich, Jugendliche für den Beruf des Käsers zu begeistern“, so Backes. „Deshalb wird schon seit langer Zeit in der Käserei nicht mehr ausgebildet.“ Auch darin sieht der Geschäftsführer einen Grund, nicht weiter in die Käserei zu investieren.

Das mögliche Aus für die Käserei bedeutet aber nicht, dass auch andere Milchprodukte bald nicht mehr zu haben sind. Wie Leser Matthias von einem Mitarbeiter erfuhr, sei eine defekte Zentrifuge der Grund für die Umstellungen. Doch das stimmt so nicht. „Mit der Käseproduktion hat die Zentrifuge nicht wirklich etwas zu tun“, stellt Backes klar.

Sie wird in der Milchverarbeitung eingesetzt und ist derzeit auch tatsächlich defekt. Doch sie soll wieder repariert werden. „Das Gerät ist schon recht betagt und war damals ein Direkt-Import aus Italien“, sagt Backes. Daher sei es schwierig, überhaupt Ersatzteile dafür zu bekommen. Diese seien zwar mittlerweile gefunden worden, hätten jedoch einige Wochen Lieferzeit. „Sie kommen direkt aus Italien“, so der Geschäftsführer. (nl)

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