Warum der Gartenschläfer in Wiesbaden droht, auszusterben

Wegen der vergleichsweise hohen Population gilt Wiesbaden als „Gartenschläfer-Hauptstadt.“ Doch das Nagetier ist vom Aussterben bedroht. Ein Grund dafür ist auch der Verlust von Lebensräumen.

Warum der Gartenschläfer in Wiesbaden droht, auszusterben

Sie sind 14 Zentimeter groß, wiegen kaum mehr als 80 Gramm und haben einen langen Schwanz sowie kleine, spitze Ohren: Gartenschläfer, auch Bilche genannt, lieben die Natur rund um Wiesbaden. Da es in der Landeshauptstadt im Vergleich besonders viele der Nagetiere gibt, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) Wiesbaden sogar zur „Gartenschläfer-Hauptstadt“ Deutschlands ernannt.

Doch der Gartenschläfer ist vom Aussterben bedroht. Laut dem BUND ist das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers in den vergangenen 30 Jahren drastisch geschrumpft, vielerorts ist er bereits ausgestorben. Um dem entgegen zu wirken, hat der BUND gemeinsam mit der Universität Gießen sowie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ein langjähriges Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren.

Zu wenig Lebensraum

Damit einem verletzten oder orientierungslosen Gartenschläfer geholfen werden kann, gibt es in Wiesbaden die „Wildstation Bilche“. Unter der Leitung von Nadine Vervoort kümmert sich die Station seit 2012 um den Erhalt der bedrohten Tieren. Während das Projekt nach der genauen Ursache für das Verschwinden der Bilche sammelt, hat Vervoort einige Vermutungen: „Durch die Ausbreitung des Menschen und dem damit verbundenen Rückgang von Naturflächen bleiben dem Gartenschläfer immer weniger Lebensräume.“ Als Beispiel nennt sie etwa die Äppelallee oder den Südring, wo durch Neubauten immer mehr Grünflächen verschwanden. Denn die Bilche würden sich überall in Wiesbaden wohlfühlen, nicht nur in den Wäldern oder den Parks der Stadt. „Besonders gerne mögen sie die Streuobstwiesen in Frauenstein oder Naurod, wo es im Herbst dann auch Nahrung gibt.“

Neben dem schwindenden Lebensraum sieht Vervoort noch ein ganz anderen Problem für die Gartenschläfer: „Die Tiere werden, besonders im eigenen Garten, als lästig empfunden. Sie haben fast so einen schlechten Ruf wie die Nilgänse.“ Grund dafür sei, dass sich die Tiere oft Zutritt zu Dachböden verschaffen und dort Krach machen würden.

Neben dem aus ihrer Sicht traurigen Trend der pflanzenlosen Steingärten, seien Wassertonnen oder Freigängerkatzen eine Gefahr für die Bilche. Auch von Lebendfallen, wie sie in manchen Wiesbadener Gärten zu finden sind, rät Vervoort dringend ab: „Ich habe leider schon Fälle gesehen, wo sich die Tiere an der Lebendfalle stranguliert haben. Auch kommt es vor, dass die Bilche dort tagelang ohne Nahrung gefangen sind.“ Auch ausgelegte Gifte in Gärten seien eine Gefahr.

Was tun?

Um den Tieren wirklich zu helfen, gibt Vervoort klare Tipps: „Gartenschläfer sind nachtaktiv. Wenn man also tagsüber welche antrifft, könnte es sein, dass sie Probleme haben.“ Hier empfiehlt sie, eine Wildstation zu kontaktieren. Diese würden den Anrufer entsprechend beraten. Wenn man Baby-Tiere sieht, welche ohne ihre Mutter sind, sollte auf jeden Fall eine Wildstation informiert werden, erklärt sie. „Die Babys erkennt man am besten daran, dass sie noch kein Fell haben und ganz nackt sind.“ (ms)

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