Erdogan-Statue: Das sagen die Verantwortlichen

Seit Montagabend steht eine goldene Statue des türkischen Präsidenten auf dem Platz der Deutschen Einheit und sorgt für Ärger und Diskussionen. Jetzt haben sich die Verantwortlichen der Biennale zu Wort gemeldet.

Erdogan-Statue: Das sagen die Verantwortlichen

Gegen 17 Uhr ist am Dienstag auf dem Platz der Deutschen Einheit immer noch eine Menge los. Eine Gruppe Jugendlicher steht direkt vor dem Sockel der gut vier Meter hohen goldenen Betonstatue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, umringt von weiteren Schaulustigen. Diese Statue hat im Verlauf des Tages schon für etliche erhitzte Diskussionen, Unverständnis und Ärger gesorgt.

Nur ein paar hundert Meter entfernt haben sich im Festivalzentrum Hinterland an der Schwalbacher Straße Ecke Faubrunnenstraße drei Verantwortliche des Kunstfestivals auf der Bühne zusammen gesetzt, um zu erklären, was es mit dem Kunstwerk eigentlich auf sich hat. Der Intendant des Staatstheaters Uwe Eric Laufenberg, der Kurator Martin Hammer und die Presseverantwortliche Katrin Luz stellen sich den Fragen der Besucher.

Stimmung sehr ruhig

Der kleine Raum ist voll, viele Fragen werden aber nicht gestellt - Hauptsächlich sprechen die drei Redner auf dem Podium. Es gibt einen vereinzelten Einwurf von einem kurdischen Einwohner, der die Aktion für Erdogan-Propaganda hält und findet: „Das ist keine Kunst!“ Ansonsten ist die Stimmung trotz des heiklen Themas aber ruhig und keine halbe Stunde später ist die Veranstaltung auch schon vorbei, die meisten Zuschauer gehen wieder.

Künstler bleibt unbekannt

Wer das Kunstwerk eigentlich geschaffen hat, wollen die Biennale-Verantwortlichen nicht verraten. „Wer der Autor dieses Werks ist, tut in unseren Augen nichts zur Sache. Die Diskussion über die Statue ist für uns viel interessanter“, sagt Martin Hammer ausweichend. Das bestätigt auch Katrin Luz. Das Werk solle für sich selbst sprechen, nicht verfälscht durch Diskussionen um die Biographie seines Schöpfers. Deshalb wolle der Künstler anonym bleiben.

„Die Überraschung war einfach Teil des künstlerischen Konzepts“ - Katrin Luz, Presseverantwortliche der Biennale

Dass es sich um eine Statue von Erdogan handelt, wurde erst bei der Enthüllung gestern bekannt. Auch die Stadt will davon nichts gewusst haben. Die Geheimhaltung im Vorfeld der Enthüllung habe aber keine politischen Gründe, so Luz: „Die Überraschung war einfach Teil des künstlerischen Konzepts - Wir wollten die Stadt keinesfalls hintergehen“.

Statue soll zum Diskutieren anregen

„Wir glauben, dass Diskussionen und Debatten wichtig sind für eine Gesellschaft“ - Martin Hammer, Kurator des Staatstheaters

„Wir glauben, dass Diskussionen und Debatten wichtig sind für eine Gesellschaft“, so die Botschaft der Biennale. Das Kunstwerk sei nicht nur die Statue selbst, sodern vor allem die Menschen drum herum, die diskutieren und sich emotional engagieren - Sowohl dafür als auch dagegen.

„Wir alle müssen lernen, auch andere Meinungen auszuhalten“, sagt Laufenberg dazu. Erdogan lasse es nicht zu, dass ein Standbild von ihm in der Türkei errichtet würde. Und genau so, wie er es nun aushalten müsse, dass sein goldenes Ebenbild in Wiesbaden steht, müssten die Wiesbadener das auch aushalten.

Mit Ärger gerechnet

Natürlich, so Hammer, habe man damit gerechnet, dass es wegen der Statue Ärger geben könne. Das, so Luz, schließe auch ein, dass sich Leute an der Statue vergreifen und sie beispielsweise mit Graffitti beschmieren: „Dafür ist das Werk durchaus auch da“. Dass die Statue ernsthaften Schaden nimmt sei zwar nicht unbedingt gewollt, man rechne aber mit der Möglichkeit.

Die Polizei sei deshalb auch nicht zum Schutz der Statue vor Ort, sondern um die Besucher vor einander zu schützen, falls notwendig. Man sei vonseiten der Biennale zwar besorgt, dass es bei der Statue auch zu Gewalt kommen könne. Man hoffe aber, dass die Diskussion wie bisher friedlich bleibt, sagt Luz.

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