Wer sind die 'Gelbwesten', die in Wiesbaden demonstrieren wollen?

In Frankreich gehen tausende empörte Bürger als „Gelbwesten“ auf die Straße. Auch in Wiesbaden ist eine Demo angekündigt. Hier wollen die Teilnehmer ebenfalls mit gelben Westen bekleidet Druck auf die Politik ausüben.

Wer sind die 'Gelbwesten', die in Wiesbaden demonstrieren wollen?

„Schnauze VOLL!!!“ — so steht es auf einer gelben Weste geschrieben, die das Titelbild zu einem Demonstrationsaufruf auf Facebook ziert. Am 19. Januar wollen die Initiatoren der Facebook-Gruppe „WirSindVielMehr“ in Wiesbaden auf die Straße gehen. Sie wollen „die Missstände der Bundesregierung nicht mehr tolerieren und akzeptieren“, erklärt eine der Initiatorinnen gegenüber Merkurist. Doch wer sind die „Gelben Westen“ und was wollen sie erreichen?

Bewegung aus Frankreich

Die ursprüngliche Gelbwesten-Bewegung kommt aus Frankreich. Dort hatte sich in den sozialen Medien rasend schnell die Empörung über eine Benzinpreiserhöhung ausgebreitet, gleichzeitig mobilisierten sich Demonstranten aller Art gegenseitig. Um ein gemeinsames „Erkennungszeichen“ zu tragen, schlüpften sie in gelbe Warnwesten. Aus der Forderung, die Preiserhöhung zu stoppen, wuchsen schnell neue Forderungen. Die Bewegung ist für eine Politik „für die kleinen Leute“, die nicht mehr von „Eliten“ gemacht wird. Die Gelbwesten sind lose organisiert, einen Vorsitzenden oder Anführer gibt es nicht.

Auch in Wiesbaden

„Die Gelbwesten stehen aus unserer Sicht für ein starkes Signal.“ - Mitinitiatorin

„Die Gelbwesten stehen aus unserer Sicht für ein starkes Signal“, erklärt die Mitinitiatorin. Dass diese in Frankreich oftmals auch für Gewalt, Vandalismus und Plünderung stehen, spiele dabei keine Rolle. „Wir verurteilen Randalierer ebenso wie Plünderer“, sagt sie. Man hoffe auf eine friedliche Demonstration. Ebenso wenig möchte man rechte Fahnen und Symbole in Wiesbaden sehen. Darauf weisen die Veranstalter explizit hin. „Denn die Veranstaltung hat innerhalb kürzester Zeit größte Kreise gezogen“, sagt sie. Daher wisse man nicht, woher die Teilnehmer am Ende kommen werden. Für die Veranstaltung selbst interessieren sich bislang allerdings nur wenige, 18 Personen haben erst zugesagt. „Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Teilnehmer kommen“, so die Organisatorin.

Schwer einzuschätzen hingegen ist die Facebookseite „WirSindVielMehr“, auf die die Veranstaltung zur Demonstration zurückgeht. Denn dort werden rechte Gedanken, Hetze und Artikel aus zweifelhaften Quellen durchaus toleriert. Die Demonstration soll dann aber Anlaufpunkt für „Bürger aller Nationen“ sein.

Lange Liste an Forderungen

So wird sich der Demonstrationszug am 19. Januar ab 11 Uhr vom Hauptbahnhof aus in Richtung Landtag aufmachen. Mit dabei: eine Lange Liste an Forderungen. So wollen die Gelbwesten, dass der Beamtenstatus und der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden, der Migrationspakt gestoppt wird und Dieselfahrverbote verhindert werden.

Außerdem sollen Strom- und Energiekosten reduziert, der Altersarmut entgegengewirkt und mehr Personal in Pflegeberufe geholt werden. Darüber hinaus setzen sie sich für eine sofortige Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern und eine effektive Mietpreisbremse ein.

„Es sollen auf jeden Fall noch weitere Aktionen laufen.“ - Mitinitiatorin

Auch in anderen Städten wollen selbsternannte „Gelbwesten“ auf die Straße gehen. Ob sich dafür so viele Demonstranten finden wie in Frankreich, ist fraglich. In Wiesbaden will man aber auch nach dem 19. Januar weitermachen, die Aktion soll keine einmalige Sache sein. „Es werden auf jeden Fall noch weitere Aktionen laufen. Wir informieren darüber, sobald es so weit ist.“ (js)

Logo