Rechtspopulisten oder besorgte Bürger — Was steckt hinter „Fridays gegen Altersarmut“?

Unter dem Namen „Fridays gegen Altersarmut“ entstehen derzeit mehrere Facebook-Gruppen. Die Initiatoren haben außerdem zu Mahnwachen aufgerufen, auch in Wiesbaden wird demonstriert. Doch wer steckt hinter den Aktionen?

Rechtspopulisten oder besorgte Bürger —  Was steckt hinter „Fridays gegen Altersarmut“?

Die Altersarmut in Deutschland droht auch in den nächsten Jahren weiter zu wachsen. Das ergaben Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Neben Resignation formiert sich aber auch Widerstand. Unter dem Namen „Fridays gegen Altersarmut“ entstanden mehrere Gruppen in sozialen Netzwerken. Sowohl Slogan als auch Logo sind an die Klimaaktivisten von Fridays for Future angelehnt. Nun sind in mehreren Städten Demonstrationen geplant. Am Freitag soll auch in Wiesbaden auf die Straße gegangen werden.

Neben Menschen, die sich Gedanken über ihre Zukunft machen, sollen sich aber auch allerhand rechte Umtriebe unter die Mitglieder der Gruppen gemischt haben. Wie das „Wiesbadener Bündnis gegen Rechts“ erklärt, werden die Gruppen gar von Menschen mit rechter und rechtsextremer Einstellung geleitet.

Mitglieder aus der rechten Ecke

So liefert das Bündnis auch gleich mehrere Beweise von Initiatoren und Administratoren der Gruppen, die anhand von Facebook-Likes und Freundeslisten eindeutig der rechten Szene zugeordnet werden können. Aber auch eine Analyse der geposteten Inhalte zeigt schnell: Den Mitgliedern geht es nicht (nur) um Altersarmut.

So ist etwa das Bild eines Buch-Covers zu sehen. Darauf ein Bild der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Das Buch trägt den Namen „Mein Klima“ und ist optisch an Hitlers „Mein Kampf“ angelehnt. Die Kommentare darunter reichen von „verlogenes Rotzbalg“ bis hin zu scheinbar strafrechtlich relevanten Phantasien die mit „Wenn ich dieses Mädchen hier auf FB kommentiere werde ich auf FB gesperrt bis ins nächste Jahrtausend“ umschrieben werden.

Scheinbar ist es auch vielen rechten Facebookseiten und Gruppierungen ein Anliegen, auf die Altersarmut-Demos und -Seiten aufmerksam zu machen. Aber auch die AfD nutzt die Thematik für sich. So wirbt etwa Bundessprecher Jörg Meuthen für die von den Gruppen organisierten Mahnwachen. Auch die Partei „Die Rechte“ unterstützt „Fridays gegen Altersarmut“.

Unter den aktiven Mitgliedern sind viele Klimaleugner zu finden. Oder zumindest wird der Klimawandel vor dem Hintergrund „Altersarmut“ als irrelevant abgetan. Dazu mischen sich auch derzeit gängiges Politiker-Bashing von Politikverdrossenen, bis hin zu rohen Beleidigungen.

Breite Mischung

Unter den Posts in den Gruppen sind aber auch immer wieder sachliche Beiträge. Alle Mitglieder über einen Kamm zu scheren wäre daher falsch. Doch das Wiesbadener Bündnis gegen Rechts beschreibt das Problem, dass dabei entsteht: „Man erzeugt emotional Unmut über ein Problem – und bietet keine Lösung dafür an, aber Feindbilder. Der Frust darüber führt zu Radikalisierung und lässt sich gut instrumentalisieren.“

Ähnliche Anfänge gab es auch in der Wiesbadener Gelbwesten-Gruppe. Die Seite trat anfangs mit einem ähnlichen Anliegen auf, entwickelte sich aber immer mehr zu einem Sammelbecken an populistischen Posts bis hin zu ausländerfeindlichen Beiträgen. Ihre Demonstrationen in Wiesbaden hatten bereits mehrfach Gegenproteste auf den Plan gerufen. Und so wird es auch am Freitag eine Gegendemo zur geplanten „Fridays for Altersarmut“-Mahnwache geben, wie sie von den Initiatoren selbst bezeichnet wird. (nl)

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