Corona-Infektion nach Sommerfest: „Als ob ein Schwarm Wespen zusticht“

Nach einem privaten Sommerfest in der „Villa im Tal“ in Wiesbaden sind 18 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden. Meike Landt ist eine von ihnen. Sie erzählt von dem Fest und den Nachwirkungen.

Corona-Infektion nach Sommerfest: „Als ob ein Schwarm Wespen zusticht“

„Was war in den drei Wochen seit Anfang Juli in Deutschland passiert, dass die Menschen sich so locker verhielten?“ Eine Frage, die Meike Landt noch während des verhängnisvollen Sommerfestes in der „Villa im Tal“ (wir berichteten) umtrieb. Sie ist eine der rund 130 Gäste auf der privaten Veranstaltung gewesen — und eine der 18 Personen, bei denen im Anschluss eine Corona-Infektion festgestellt werden konnte.

Gemeinsam mit ihrem Freund besuchte sie die Veranstaltung. Lange waren sie nicht dort, „Wir kamen spät und gingen früh“, sagt sie. Dabei haben sie sich nur im Freien aufgehalten, am Wiesenrand. Zwar ohne Maske, aber auch ohne Umarmungen oder Begrüßungsküsschen. Was eigentlich selbstverständlich klingt, scheint bei der Feier im Adamstal aber nicht die Regel gewesen zu sein: „Die anderen umarmten sich, begrüßten sich als ob nichts gewesen sei.“ „Überrascht und etwas erschreckt“ habe sie dann auch dem Treiben auf der kleinen Tanzfläche zugesehen.

Starke Schmerzen

Auch an den Tagen nach dem Fest beschäftigte Landt die Feier noch. Immer wieder erzählte sie Geschäftspartnern, wie locker die Wiesbadener wohl wieder im Umgang mit dem Virus geworden seien. Wie sehr sie die Auswirkungen der Feier noch beschäftigen würden, ahnte sie da jedoch noch nicht. Zwischenzeitlich bekam ihr Freund plötzlich starke wandernde Rückenschmerzen, diffuse Kopfschmerzen und nächtliches Fieber. Doch die Beschwerden legten sich nach einiger Zeit wieder.

Eine Woche nach der Feier war Landt auf einer Vernissage eines befreundeten Künstlers. Auch er war Gast auf dem Sommerfest gewesen. Und gerade in diesem Moment klingelte das Telefon des Künstlers: „Es habe einen Covid-Fall auf der Veranstaltung gegeben, er solle sich in Wiesbaden testen lassen“, sagt Landt. Auch ein befreundetes Pärchen habe einen solchen Anruf bekommen und Landt davon berichtet. Bei ihr und ihrem Freund hingegen blieb das Telefon stumm.

Test-Wirrwarr

Testen lassen wollten sie sich trotzdem und riefen in einem Labor an. „Sie stehen nicht auf der Gästeliste, wir können Sie nicht testen“, sei dort die Antwort gewesen. „Das scheint aktuell ein großes Problem zu sein“, sagt Landt. Niemand wisse, wo man sich schnell und unkompliziert testen lassen könne. „Gerade Personen, die mit unwissend positiven Menschen Kontakt hatten und verunsichert sind haben keine Möglichkeit dazu.“

Landt ließ nicht locker und wurde dann gemeinsam mit ihrem Freund auch getestet. Weil auch nach langer Wartezeit kein Testergebnis vorlag, fuhren sie zum Frankfurter Flughafen, wo ein weiterer Test durchgeführt wurde. Doch auch hier gab es nach 30 Stunden noch immer kein Ergebnis. Das des ersten Tests lag jedoch mittlerweile vor: „Mein Freund war positiv, ich negativ. Wir wurden beide mit sofortiger Wirkung in Quarantäne gesteckt“, berichtet Landt. Dort trudelte dann auch das Ergebnis aus Frankfurt ein, dass auch bei Landt eine Infektion mit dem Virus nachweisen konnte.

Und auch Landt bekam die Infektion zu spüren: „Ich fühlte mich sehr matt, wie in einer Nebelwolke und bekam starke Schmerzen in den Oberschenkeln und Muskelschmerzen. Die waren so heftig, als ob sich ein Schwarm Wespen darauf setzte und zustach“, erzählt sie. Treppenlaufen war nicht mehr möglich, sie musste viel liegen, schlief viel und hatte kaum Energie. „Am nächsten Tag kamen Nervenschmerzen dazu, die Haut war so empfindlich auf Berührungen, dass ich die Wände hätte hochgehen können.“ Ihre Schmerzen wanderten von den Beinen in den Rücken und zwischen die Schulterblätter. „Das Ganze ging etwa vier Tage“, berichtet Landt. Später verlor sie ihren Geruchs- und Geschmackssinn.

Quarantäne beendet

Seit Freitag ist Landts Quarantäne beendet. „Mir geht es gut und ich fühle mich fit“, sagt sie. Dass ein Gast noch auf der Intensivstation liegt, stimme sie traurig und zeige das Ausmaß der Feier und der Krankheit. Sie appelliert: „Nehmt Covid ernst. Tragt Masken und haltet Euch an Sicherheitsabstände. Privat und öffentlich.“ (df)

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